{"id":539585,"date":"2013-01-18T14:00:09","date_gmt":"2013-01-18T13:00:09","guid":{"rendered":"http:\/\/diablo3.ingame.de\/?p=539585"},"modified":"2013-01-18T14:00:09","modified_gmt":"2013-01-18T13:00:09","slug":"diablo-3-jay-wilsons-abgang-ein-kommentar","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/planetdiablo.eu\/de\/diablo-3-jay-wilsons-abgang-ein-kommentar\/539585\/","title":{"rendered":"Diablo 3: Jay Wilsons Abgang &#8211; ein Kommentar"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/diablo3.ingame.de\/files\/2011\/08\/95901_530_409-251x194.png\" alt=\"Diablo 3 Entwickler Jay Wilson\" title=\"Jay Wilson\" width=\"251\" height=\"194\" class=\"alignright size-medium wp-image-487850 newsimage\" \/><\/p>\n<p> Erst gestern abend gab Jay Wilson seinen R\u00fcckzug aus dem Diablo 3-Team bekannt, eine Tatsache, die nahezu zeitgleich auf allen Diablo 3-Blogs von Blizzard verbreitet wurde.<\/p>\n<p>Die Reaktionen der Spielerschaft reichen von Euphorie und H\u00e4me bis hin zur Gleichg\u00fcltigkeit. Wie immer ist die Reaktion so unterschiedlich wie die Spielerschaft von Diablo 3 selbst.<\/p>\n<p>Wir k\u00f6nnen festhalten, dass der Weggang Jay Wilsons zu einem ungew\u00f6hnlichen Zeitpunkt erfolgt: Diablo 3 ist draussen, jetzt bereits mit Patchnummer 1.0.7, das Add-on ist in Vorbereitung, aber wohl inhaltlich noch nicht abgeschlossen, so dass die Diablo 3-Mannschaft m\u00f6glicherweise ein wenig f\u00fchrungslos weiterarbeiten muss &#8211; oder auch nicht, die n\u00e4chsten Tage werden es zeigen.<\/p>\n<p>Was also ist der Grund f\u00fcr Jay Wilsons Abgang zur Unzeit? Ist er wirklich allein verantwortlich f\u00fcr alles Negative, was mancher Spieler Diablo 3 anlastet? Ist das beliebte, aber unsch\u00f6ne Bild des wohlgen\u00e4hrten Nagetiers, welches das sinkende Schiff verl\u00e4\u00dft, richtig? Das w\u00fcrde bedeuten, dass Jay Wilson zumindest eine Wahlm\u00f6glichkeit hatte und dass Diablo 3, das wird ja mittelbar unterstellt, im Sinkflug begriffen oder nicht erfolgreich war und ist.<\/p>\n<p>Ist es seine mehr als ungl\u00fcckliche <a href=\"http:\/\/diablo3.ingame.de\/530741\/diablo-3-ist-jay-wilson-opfer-einer-facebookattacke-oder-nicht\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Facebook-Attacke<\/a>, die er gegen David Brevik ritt, als dieser Diablo 3 <a href=\"http:\/\/diablo3.ingame.de\/530652\/interview-david-brevik-uber-diablo-3\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">unverhohlen kritisierte<\/a>? Sicherlich, Jay Wilson hatte sp\u00e4testens ab dem Moment Probleme, als er David Brevik letzten Sommer pers\u00f6nlich angriff. Dass dieser mit der harten Kritik an Diablo 3 das Interesse an den eigenen Spielprodukten (Marvel Heroes u.a.) wachhielt, sei dahingestellt. Harte M\u00e4nner k\u00e4mpfen mit harten Bandagen &#8211; oder ohne sie.<\/p>\n<p>Oder liegt der wahre Grund tiefer? Letzteres ist am wahrscheinlichsten wenn man sich die Entwicklungsgeschichte von Diablo 3 ansieht, was ich in der Folge begr\u00fcnden m\u00f6chte.<\/p>\n<p><!--more--><a href=\"http:\/\/diablo3.ingame.de\/files\/2011\/10\/diablo2logo.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/diablo3.ingame.de\/files\/2011\/10\/diablo2logo-251x127.png\" alt=\"\" title=\"diablo2logo\" width=\"251\" height=\"127\" class=\"aligncenter size-medium wp-image-496683 newsimage\" \/><\/a><\/p>\n<p>Diablo 2 kam im Fr\u00fchsommer 2000 heraus und schlug ein wie eine Bombe. Ein paar schnelle Patches stellten die anf\u00e4nglichen, durchaus gravierenden Bugs ab, wesentliche \u00c4nderungen erfolgten mit den Folgepatches und schlie\u00dflich kam das Add-on &#8222;Lord of Destruction&#8220; im Jahr 2001 heraus, welches jahrelang nachgepatcht wurde und die Spielmechaniken nochmals tiefgreifend \u00e4nderte.<\/p>\n<p>Bereits zu diesem Zeitpunkt macht sich das Diablo 2 Team Gedanken \u00fcber einen m\u00f6glichen Nachfolger. Parallel wurde im Hause Activision Blizzard das MMORPG &#8222;World of Warcraft&#8220; entwickelt, welches Ende 2004 herauskam.<\/p>\n<p>MMORPG&#8217;s waren damals das hei\u00dfeste Eisen welches man schmieden konnte und ein Erfolg so gut wie sicher. Also machte man sich daran &#8211; noch zu Breviks Zeiten &#8211; eine <a href=\"http:\/\/diablo3.ingame.de\/536718\/diablo-3-history-was-vorher-nicht-passierte\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Art Diablo-Space Opera als MMO <\/a>zu entwickeln, ein anderes Team besch\u00e4ftigte sich mit einer Fortsetzung im alten Rahmen. Letztlich gingen aber Brevik und die Schaefers im Jahr 2003 und setzten mit Hellgate:London eine Weiterentwicklung der RPG-Idee mit viel Potential bedingt durch technische Schwierigkeiten knallhart auf Grund.<\/p>\n<p>Jetzt, soviel zum Hintergrund, betreut Brevik diverse MMO-Spiele bei Gazillion Entertainment, w\u00e4hrend die Schaefer-Br\u00fcder Torchlight 2 auf den Weg brachten.<\/p>\n<p>Kurz: Bei Blizzard war man sich damals nicht sicher, in welche Richtung sich der Nachfolger von Diablo 2 entwickeln sollte. Dieser Zustand hielt bis etwa 2005 an. Ab hier stie\u00df Jay Wilson zum Team und es wurde die Idee entwickelt, den urspr\u00fcnglichen Rahmen von Diablo 2 beizubehalten, aber es dennoch anders zu machen. Grundlage dieser Entscheidung war das nach wie vor vorhandene gro\u00dfe Interesse der Spieler an Diablo 2. So falsch konnte das Spielprinzip also nicht sein. Eine direkte Fortsetzung freilich w\u00e4re nur ein &#8222;Diablo 2,5&#8220; geworden, etwas, was Wilson und das Team nicht wollten, denn es war naheliegend anzunehmen, dass dies dem Nachfolger angekreidet werden w\u00fcrde und nur wenige ein &#8222;Diablo 2,5&#8220; haben wollten.<\/p>\n<p>Die erste spielbare Demo wurde im Jahr 2008 gezeigt und die Begeisterung war gro\u00df. Und ab hier begannen, jedenfalls in einer Nachschau, die strukturellen Probleme zu Tage zu treten: Diablo 3 war das erste Spiel von Blizzard, dessen Entwicklung offen kommuniziert wurde. Man mag es kaum glauben, aber tats\u00e4chlich legte und legt Blizzard gro\u00dfen Wert auf die Meinung der Spieler und zwar, so meine Ansicht, weil Blizzard bzw. Jay Wilson und das Team selbst nicht genau wu\u00dften, wohin die Reise mit Diablo 3 hingehen sollte. Also h\u00f6rte man auf die Spieler. <\/p>\n<p>Ein erweitertes Crafting-und Customizing-System wurde geplant und umgesetzt, Runen eingef\u00fchrt und wieder verworfen, das Crafting-System wieder beschnitten und die langj\u00e4hrigen Beschwerden der Spieler \u00fcber langweilige Overpowered-Builds in Diablo 2 f\u00fchrten zu einem Balancing-System, welches f\u00fcr den Hersteller besser beherrschbar war, aber auch Restriktionen bei der Itemwahl und -Ausstattung zur Folge hatte. Der Release des Spiels verz\u00f6gerte sich Monat f\u00fcr Monat, Jahr f\u00fcr Jahr. Schlie\u00dflich wurde der Schwierigkeitsgrad &#8222;Inferno&#8220; angek\u00fcndigt, welcher f\u00fcr die alten Hasen unter den Spielern f\u00fcr langanhaltendes Spielvergn\u00fcgen sorgen sollte.<\/p>\n<p>Anfang 2012 verlie\u00df schlie\u00dflich der Senior Game Producer <a href=\"http:\/\/diablo3.ingame.de\/505533\/diablo-3-steve-parker-hort-bei-blizzard-auf\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Steve Parker<\/a> das Diablo 3 Team, im Mai erfolgte dann der lang erwartete Release.<\/p>\n<p>Die Spieler hatten seinerzeit genau das Spiel bekommen, welches sie wollten: \u00c4hnlich genug um Nachfolger zu sein, aber kein &#8222;Diablo 2,5&#8220;. Extrem schwer, wenn man den Schwierigkeitsgrad &#8222;Inferno&#8220; bew\u00e4ltigen wollte und damit sehr zeitaufw\u00e4ndig. Aber Blizzard hatte die eigene Kundschaft \u00fcbersch\u00e4tzt und daneben mit einigen technischen Problemen zu k\u00e4mpfen: Inferno war zu schwer geworden, das alte Spielgef\u00fchl der Endphase aus Diablo 2, n\u00e4mlich vergleichsweise schnell das &#8222;Endgame&#8220; zu erreichen um dort komfortabel Items zu suchen und zu finden, wollte sich nicht einstellen.<\/p>\n<p>Hier zeigt sich das Dilemma, in dem Blizzard steckt: Die Interessen der Spieler sind viel zu unterschiedlich um allen gerecht werden zu k\u00f6nnen: Die einen wollten ein &#8222;Casual Game&#8220;, welches man mal f\u00fcr zehn Minuten oder eine Stunde daddeln konnte, die anderen wollten ein Spiel, welches auch nach 500 Spielstunden noch Neues bereithielt oder jedenfalls Motivation zum Weiterspielen bot, die n\u00e4chsten wollten eine noch bessere Wirtschaftsimulation.<\/p>\n<p>Blizzard l\u00f6ste diese Probleme teilweise elegant mit dem Monsterst\u00e4rkesystem und den Paragonleveln, verschob aber damit den Zeitpunkt f\u00fcr erneute Beschwerden nur auf sp\u00e4ter.<\/p>\n<p>Selbst der jetzt auf dem PTR verf\u00fcgbare PvP-Modus ist eine aus unerfindlichen Gr\u00fcnden abgespeckte Variante zu dem, was bereits war.<\/p>\n<p>Was Jay Wilson und seinem Team all die Jahre \u00fcber fehlte, so wird man sagen k\u00f6nnen, war eine konkrete und widerspruchsfreie Vorstellung einer in sich geschlossenen Spielewelt als Nachfolger f\u00fcr Diablo 2. Dadurch haben sie sich von den Launen und widerstreitenden Interessen der Spielerschaft abh\u00e4ngig gemacht.<\/p>\n<p>Das Ergebnis kennen wir: Diablo 3 musste sich an den sehr hohen, teilweise \u00fcbersteigerten Erwartungen an einen Nachfolger von Diablo 2 messen. Diablo 3 ist Diablo 2 ja \u00e4hnlich genug um einen Vergleich ziehen zu k\u00f6nnen, aber auch unterschiedlich genug um seine eigenen technischen und sonstigen Probleme nach sich zu ziehen.<\/p>\n<p>Tats\u00e4chlich ist Diablo 3 dennoch ein gutes Spiel geworden, meiner Ansicht nach ein w\u00fcrdiger Nachfolger von Diablo 2 und es ist sehr erfolgreich. Es setzt aber nicht konsequent den Weg von Diablo 2 fort, die Lust der Spieler am Finden oder Erstellen von guten Items durch Mikrobelohnungen jeden Tag zu f\u00f6rdern, sondern setzt mehr auf die spielerische Herausforderung, die f\u00fcr manchen bereits keine mehr ist. Die deutlich erleichterten Beschaffungsm\u00f6glichkeiten von Items \u00fcber die Auktionsh\u00e4user tragen sicherlich dazu bei.<\/p>\n<p>Jay Wilson muss das fr\u00fchzeitig gewu\u00dft haben, anders ist es nicht zu erkl\u00e4ren, dass er so heftig auf die Kritik von David Brevik reagierte. Seine Nerven m\u00fcssen bereits damals blank gelegen haben. Der R\u00fcckzug aus dem Diablo 3 Team ist somit nur konsequent von wem auch immer er initiiert wurde.<\/p>\n<p>Der wahre Grund f\u00fcr Jay Wilsons Abgang liegt also in der Entwicklungsgeschichte von Diablo 3, der genannten Konzeptlosigkeit und der dadurch hervorgerufenen starken Abh\u00e4ngigkeit von den Meinungen in der Spielerschaft.<\/p>\n<p>Jay Wilson und seinem Team ist es nicht gelungen, grundlegende neue Mechanismen zu entwickeln, die im Rahmen der Welt von Sanktuario alle Interessen der Spielerschaft entweder unter einen Hut brachten oder eine Neuerung einzuf\u00fchren, welcher die Spieler willig folgten. Daf\u00fcr muss er als Kopf des Teams nun die Verantwortung tragen.<\/p>\n<p>Es ist also an der Zeit f\u00fcr einen neuen, unbelasteten Kopf mit frischen Ideen und vor allem, einem Konzept f\u00fcr die Zukunft. Vielleicht gelingt es diesem Kopf, f\u00fcr das n\u00e4chste Add-on oder das darauf folgende, entscheidende neue Akzente zu setzen, welche lang anhaltenden Spielspass f\u00fcr alle Spieler bereit h\u00e4lt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Erst gestern abend gab Jay Wilson seinen R\u00fcckzug aus dem Diablo 3-Team bekannt, eine Tatsache, die nahezu zeitgleich auf allen Diablo 3-Blogs von Blizzard verbreitet wurde. Die Reaktionen der Spielerschaft reichen von Euphorie und H\u00e4me bis hin zur Gleichg\u00fcltigkeit. Wie immer ist die Reaktion so unterschiedlich wie die Spielerschaft von Diablo 3 selbst. 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