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Heimkehr

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29 September 2021
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Das leise Grollen der Wagenräder war beinahe das Einzige, das die Stille an diesem kühlen Oktobermorgen durchbrach. Der Frühnebel war zu dicht um seinerseits von den ersten Sonnenstrahlen durchbrochen zu werden, eher brachen sich die Strahlen am Nebel und warfen somit nur ein diffuses Licht auf die schlammigen Spuren des Weges. Gelegentlich konnte man auch den Ochsen schnaufen hören, der den Wagen zog und die schlecht befestigte Straße entlangholpern ließ.

Olaf musste kurz weggedöst sein - war ja auch kein Wunder, so früh am morgen. Jetzt fokussierte er sein Gehör jedoch auf die Geräusche, die von der nahen Straße kamen. Seit Stunden lag er nun in einem Busch am Wegesrand in der Hoffnung ein fetter, reicher Händler möge vorbei kommen, den er um seine Wertsachen erleichtern konnte.
Oder auch ein Wanderer oder ein armer Bauer, der seine Güter zum Markt bringen wollte: Gurken, Schinken, Käse, Brot... bei dem Gedanken lief Olaf das Wasser im Mund zusammen und er sabberte ein wenig auf sein Lederwams. Seit Tagen hatte er nichts Ordentliches mehr zu Beißen bekommen!
Da versprach das Geräusch des nahenden Wagens doch eine reiche Beute. Niemand fuhr mit einem Ochsenwagen durch diese gottverlassene Gegend ohne guten Grund - Und ein guter Grund war in Olafs Buch in erster Linie eine Gelegenheit, sich zu bereichern. Nun, der Bauer oder Händler oder wer auch immer da die Straße entlang kam, würde diesen Grund seiner Reise jedenfalls aufgeben müssen, wenn er mit dem Leben davon kommen wollte.

Unser wackerer Straßenräuber rappelte sich auf und klopfte sich notdürftig den Schmutz und das feuchte Laub von der Kleidung, bevor er das Kurzschwert, das in seinem Gürtel steckte, zog, die Klinge mit einem Nicken begutachtete und es wieder weg steckte. Danach hob er seine Armbrust auf, die er neben sich im Unterholz abgelegt hatte, spannte sie und legte einen Bolzen ein. Leise schlich er näher an den Rand des Wäldchens, das die beiden Schlammspuren säumte, die hierzulande schon als "Hauptstraße" durchgingen.

Er konnte den Wagen nun aus dem Morgenneben hervortauchen sehen, erst nur ein verschwommener Fleck, dann zeichneten sich langsam die Konturen ab: Ochse, Gespann, Wagen und eine in eine Kutte gekleidete Gestalt - Der Wagenlenker. Mit gierigem Blick bemerkte Olaf mehrere Fässer, Kisten und Säcke auf der Ladefläche hinter dem Fremden. Das versprach eine reiche Ausbeute! Seine Gedanken begannen abzuschweifen, er sah sich bereits an einer reich gedeckten Tafel, ein gebratenese Hühnerbein in der einen Hand, einen Methumpen in der Anderen.

Doch nein, dafür war jetzt keine Zeit. Rasch schüttelte der Straßenräuber den Kopf, fokussierte sich wieder auf sein Ziel und sprang aus dem Busch hervor - Die Armbrust direkt auf das Herz des Wagenlenkers gerichtet.

"HALT! Dies ist ein Überfall! Runter vom Wagen, sonst seid Ihr des Todes!"

Der Wagen hielt knirschend an. Kurz war es still. Der Ochse beäugte Olaf misstrauisch.

"Hört ihr schlecht? Ich sagte runter-"

Ein schallendes Lachen ertönte. So laut und so... unpassend, dass Olaf erst nach einigen Sekunden bemerkte, dass es vom Wagenlenker kam. Die Häärchen an seinem Arm wollten sich aufstellen, aber unser wackerer Kämpe packte seine Armbrust fester und schrie

"Seid ihr geistesgestört? Hier geht es um euer Leben, Mann, ich mache keine Scherze."

Das schien den Fremden noch mehr zu erheitern. Endlich antwortete er mit tiefer Stimme.

"Da müsstet ihr auch früher aufstehen, wenn ihr eure Scherze bei mir anbringen wolltet. Und was meinen Geist angeht, der erfreut sich bester Gesundheit."

Olaf war unschlüssig, was zu tun war. Der Kerl da oben hatte offensichtlich gar keine Angst vor ihm. Nun, er war nicht der erste, der glaubte, Frechheit würde ihm aus dem Schlamassel helfen. Blitzschnell richtete er die Armbrust etwas nach links und betätigte den Abschussmechanismus. Ein Bolzen sauste auf den Wagenlenker zu, der allerdings das Ziel des Angriffs - seinen rechten Arm - nach oben riss. Das Geschoss zerfetzte den weiten Ärmel der Kutte und nagelte diesen an die Bank des Wagens.

"Ich sagte doch, ihr müsst früher aufstehen, um eure Scherze bei mir anzubringen, Junge."

Der Fremde sprang vom Wagen, wobei die festgenagelte Kutte ihn kaum zu behindern schien. Einzig ein kurzes ratschendes Geräusch zeugtre davon, dass Olaf überhaupt einen Schuss getan hatte. Sich nun der unmittelbaren Bedrohung des Fremden, der, nun da er aufgestanden war, den Straßenräuber doch um zwei gute Köpfe überragte, ausgesetzt sehend, riss er sein Kurzschwert aus dem Gürtel.

"Bleibt mir vom Leib, Mann, oder ich schlitze euch vom Bauch bis zum Hals auf."

Der Kuttenträger blieb stehen und warf die Kapuze der Kutte zurück. Zum ersten Mal sah Olaf nun die Züge seines Opfers.

Verdammt, das ist einer dieser Barbarenkrieger aus dem Norden. Warum muss ich ständig derartiges Pech haben?

Der Mann hatte graue Augen, einen Mund, der von einem verschmitzten Lächeln umspielt wurde. Strähniges Haar, es mochte einmal schwarz gewesen sein, doch war nun von Grau durchzogen, hing ihm ins Gesicht. Dem Anblick seines Bartes nach zu urteilen, hatte er sich seit Tagen nicht rasiert.

Der Straßenräuber wich einige Schritte zurück, was der Fremde mit einem leisen Schmunzeln beobachtete. Beunruhigt sah Olaf nun seinerseits zu, wie der Mann auf die Bank des Wagens langte und ein langes Bündel herunternahm, das er behutsam auswickelte. Gerade so, als würde er nicht gerade Opfer eines Straßenraubs, sondern säße in einer gemütlichen Taverne, ohne jede Sorge um sein Leben. Das ärgerte den Straßenräuber nun aber doch gewaltig. Der Irre hier nahm ihn ja überhaupt nicht Ernst!

Seine Chance witternd sprang Olaf vor, holte mit seinem Kurzschwert aus und schlug nach dem Barbaren, der jedoch ebenso schnell das Bündel zwischen sich und seinen Angreifer brachte. Olafs Schwert krachte gegen das Bündel und-

Ein lautes "HA!" ertönte.

Stutzig hielt Olaf inne. Das Lachen kam nicht von seinem Gegenspieler. Es kam aus dem Bündel. Er hätte ein "THUDD" oder ein "KLIRR" oder sowas erwartet. Nicht ein "HA!".

Einige wertvolle Sekunden stand Olaf verdutzt da, bis ihn der Stiefel des Wagenlenkers in die Brust traf und einige Meter weit zurück schleuderte. Als er sich aufrappeln wollte, sah er, dass der Barbarenkrieger nun seinerseits ein gewaltiges Schwert aus dem Bündel gewickelt hatte und es prüfend hin und her schwang.

Vermutlich hatte der Tritt ihm das Gehirn erschüttert, den Olaf war sich sicher, dass das Schwert dabei ... kicherte.

Das war dem jungen Briganten dann doch zu viel. Panisch robbte er Richtung unterholz, sich während seiner Flucht auf alle Viere hochrappelnd. Da packte ihn etwas am Kragen und hob ihn, scheinbar mühelos, empor.

"Na, na, ich bin noch nicht fertig mit dir."

"Bitte, Herr, Gnade. Ich wusste nicht-"

"Gnade?"

Der Irre fing schon wieder an lauthals zu lachen.

"Bitte, ich gehe auch wieder arbeiten."

"Arbeiten!?"

Der Mann verschluckte sich fast vor Lachen. Olaf hielt es für das Beste, zu warten, bis er sich beruhigt hatte. Was einige Minuten dauerte. Schnaufend hielt der Barbar den Räuber immernoch auf Kopfhöhe vor sich. Endlich fand er seine Stimme wieder:

"Du bist mir ein Scherzkeks. Arbeiten. Na, wenn dir das Spaß macht..."

Er gluckste noch einmal.

"Aber im Ernst, vielleicht kannst du mir helfen, ich bin seit vielen Jahren nicht mehr hier in der Gegend gewesen. Kennst du eine Taverne, die Zum lachenden Eber heißt?"

"Nein, Herr, ich-"

"Es ist eine sehr alte Taverne, ich habe gehört, sie wurde vor vielen Jahren zerstört. Kann sein, dass du dein Gedächtnis ein wenig anstrengen musst."

Seine Züge wurden finster.

"Oder muss ich es aus dir Herauskitzeln?"

Olaf wand sich im Schraubstockgriff des Barbaren.

"Nein, äh, ich, wartet... Ich- Ich glaube, mein Vater erzählte Mal davon, als ich ein Knabe war. Er- Er nannte es ein 'Loch voller verrückter, die in ihrem Leben nichts Zustande bringen'"

Wieder lachte der Barbar schallend.

"Und was hält dein Vater von deiner Berufswahl? Na, sei's drum. Kannst du mich zu dem Ort führen, wo die Taverne stand? Vielleicht finde ich dort noch Spuren meiner alten Mitstreiter im Kampf gegen das Böse."

"Die Mächte der Hölle?"

"Nein, die Freudlosigkeit, Ernsthaftigkeit und der schlechte Humor."

"Ihr macht Witze!"

"Genau, jetzt hast du es verstanden."

Olaf, der garnichts verstanden hatte, ließ sich von dem Barbaren auf die Bank des Wagens setzen. Verdattert beoachtete er, wie der andere ebenfals wieder seinen Platz als Wagenlenker einnahm.

Was hab ich mir da eingebrockt? In der Gewalt eines Verrückten... Hätte ich bloß auf Vater gehört und wäre Schweinehirte geworden...

Knirschend setzte sich der Wagen wieder in Bewegung. Der Lenker beäugte Olaf von der Seite her, ihm schien das Missbehagen des Jungen aufzufallen.

"Übrigens, mein Name ist Hansi."

Olaf rollte die Augen und presste "Olaf" hervor.

Hansi langte auf die Ladefläche des Wagens und zog einen Sack hervor, in dem er eine Weile kramte und schließlich 2 Flaschen hervor holte.

"Bier?"

Das belebte Olafs Geister ein wenig. Er griff nach der Flasche, auf der ein "Harrogather Urpils" Etikett prangte. Der Barbar lachte wieder. Überhaupt schien er sehr viel zu lachen.

"So gefällst du mir schon Besser, junger Olaf! Auf zu neuen Abenteuern!"

Krachend holperte der Wagen die Straße entlang in den lichter werdenden Morgennebel.





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Hallo!

Ich möchte ein paar Worte hierzu verlieren - Vor langer Zeit war ich hier viel im FAS unterwegs, habe sogar eine eigene (cringe) Geschichte geschrieben, die erste, die ich überhaupt irgendwo gepostet habe. Über die Zeit hab ich natürlich ein bisschen mehr geschrieben, habe aber immer meine Anfänge hier im FAS, in der "Taverne zum lachenden Eber" in der "Legion" und ganz allgemein in Erinnerung behalten. Nun kehre ich nach vielen Jahren mit dem D2R release zurück und muss leider festestellen, dass das FAS völlig tot ist :(

Dies ist mein kleiner Nachruf, mein "Dankeschön" für all die tollen Geschichten, Gedichte, Comics, Bilder und Blödeleien, die dieses Forum so lange zu einem Ort der Fröhlichkeit, des Lachens, Weinens und auch mal des Nachdenkens gemacht haben.

Geplant habe ich noch eine kleine fortsetzung bei der unsere beiden Helden die Taverne erreichen.

Ich lade auch jede und jeden gerne ein, einfach einzusteigen und mitzuschreiben, sollte euch die Muse küssen :)

Vielleicht schaffen wir es ja, dem FAS hier wieder ein bisschen Leben einzuhauchen.

LG, Hansi
 
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