Ich glaube, daß es einfach daran liegt, daß die Parameter "Effizienz" = bester Char (Ausrüstung, XP) und "Abwechslung, neue Challenges" bei vielen Spielen für viele Spielern/Spielerinnen auseinanderlaufen. Ich kenne Assassin's Creed praktisch gar nicht, aber bei vielen Spielen, wie eben bei der Diablo-Reihe, gibt es Grind-Mechaniken, die auch zumindest zeitweise für Spielspaß sorgen. Meine Definition von Grind sind alle Handlungen, die nicht dem unmittelbaren Spielziel dienen, bei Diablo 2: nicht zu sterben, alles auf dem unmittelbaren Weg zu killen, in die nächste Karte zu kommen und ggfs den Endboß zu killen. Alles andere ist "Grinden" unter dieser Definition.
Ich unterscheide 2 Fälle:
1) der "externe" Grind: Die Wiederholung bestimmter Sequenzen bietet eine höhere Chance, schnell zB XP zu sammeln oder BiS Items zu erhalten, wie FB oben geschrieben hat. Dann wird diese Sequenz ad nauseam gegrindet. Wenn die Vorgehensweise Erfolg hat, ist das auch "Spaß" für den- oder diejenigen. Belohnungen unterliegen dem Prinzip des abnehmenden Grenznutzens, d.h. der gleiche Erfolg und die gleiche Belohnung wird bei Wiederholung als immer weniger wertvoll angesehen, die erste Ber-Rune erzeugt mehr Glücksgefühle als die 50., und früher oder später endet der Grind in Sättigung oder auch Frustration, wenn sich trotz aller Bemühungen kein adäquater Erfolg eingestellt hat (keine Ber-Rune).
2) der "interne" Grind: Im Spiel gibt es, belohnungsmäßig attraktive oder weniger attraktive Objekte: Karten, Gegenstände. Soll man die alle "machen", nur weil sie im Spiel sind? Entscheidungsrelevant ist dabei nicht die Belohnung mit einem besseren oder stärkeren Charakter, sondern ein Wunsch, das Spiel "vollständig" zu spielen, weil es halt "da ist" (Reinhold Messner). Die Belohnung besteht hier darin, alle Maps vollständig aufzudecken (bei D2 sinnlos wegen refresh) oder alle vorhandenen Kisten zu öffnen und alle Fässer umzutreten. Auch hier sinkt der Grenznutzen; die 5000. Kiste zu öffnen erscheint weniger wertvoll als die 50. Aber wenn man sich die Disziplin abverlangt, warum nicht?
Zum internen Grind gehören auch Challenges gleich welcher Art: Speedruns, Hardcore, Fun-Characters bis Baal Hölle durchprügeln, und andere. Hier entsteht die Belohnung aus dem guten Gefühl, es geschafft zu haben. Ein Scheitern bringt zumindest vorübergehend zusätzliche Motivation.
Noch eine andere Art des Grindens ist aus meiner Sicht ist die Beschäftigung mit dem technischen bzw theoretischen Level eines Spiels: Verständnis der Spielmechaniken, Reverse Engineering von Parametern und Formeln. Hier besteht die Belohnung darin, eine Hypothese erfolgreich verifiziert zu haben, und und vielleicht winkt sogar bleibender Ruhm innerhalb der Spiel-Community, wenn man etwas ganz Besonderes herausgefunden hat.
Aus meiner Sicht gibt es beim Grind kein "gut" oder "schlecht" an sich, solange kein Suchtverhalten auftritt. Jeder und jede kann für sich entscheiden, wie lange er oder sie sich mit den verschiedenen Grind-Varianten beschäftigt. Solange die Belohnungen als befriedigend empfunden werden, alles gut. Wenn nicht mehr, einfach aufhören, weil es normal ist, daß der Spaß irgendwann nicht mehr so da ist.
Gute Spiele versuchen, die mittel- bis langfristige Motivation zu erhöhen, indem neue Spielmechaniken oder Gegenstände hinzugefügt werden, zB bei D2 (kenn ich am besten):
- Neue Runenworte, Sundercharms, neue Klasse -> verändern Spielbalance und BIS-Rankings
- Terrorzonen -> Abwechslung zu Baalruns für XP
- Neues Endgame -> Challenges.
PoE1 ist hier mE noch ein paar Schritte weitergegangen, mit seiner Vielzahl und kontinuerlichen Innovation von Spielmechaniken, Builds, Itemverbesserungen, Endgame usw.
Sklaverei sehe ich hier nicht, im Gegensatz zu z.B. Social Media. Jeder ist frei, das Spiel zu spielen, wie es einem am meisten Spaß macht. Die Gebiete, Türme, Kisten usw. sind Angebote. Wennst magst, zockst zu alles, wenn nicht, gehst Du weiter. Einfach Freiheit.