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perfektionismus schadet den spielspass

Ebrius

Mitglied
Registriert
2 Oktober 2021
Beiträge
99
Hi,

ich habe mir gerade Assassin’s Creed Resynced gekauft. Ich merke nun, dass das Bedürfnis, jeden Turm zu synchronisieren und jede Kiste einzusammeln, dem Spielspaß schadet. Es ist aber unglaublich schwer für mich, einfach nur die Kampagne zu spielen, ohne das aktuelle Gebiet komplett abgeschlossen zu haben. Kennt ihr Ähnliches, gerne auch aus anderen Spielen? Was ist eurer Meinung nach der psychologische Grund dafür, sich zum Sklaven der Ubisoft-Formel zu machen?
 
Schöne Thema!

Die Erkenntnis ist ja auch nicht neu. Auch in all den Diablo-Spielen ist den Gamern schon oft aufgefallen, dass Optimieren dem Spielspaß schadet.
Vor den Terrorzonen in Diablo2:Resurrected war die einzige Möglichkeit ab Level90 noch nennenswert Erfahrung zu sammeln Baalruns (wenn man es überteiben wollte, dann noch gepaart mit Teleport zu Diablo mit Seal-Popping).
Die verlässlichste Möglichkeit an Runen zu kommen sind (auch jetzt noch) Runs auf die Gräfin.
Am besten für Items ist nun terrorisierte Andariel.
Und das meiste Gold bekommt man vom hohen Rat. Der auch eine gute Chance hat Runen falle zu lassen.
Das sind Runs, die dauern 20 bis 180 Sekunden pro Run. Das ist hoch effizient, aber leider auch sehr anstrengend und unglaublich langweilig.

Was der psychologische Grund dafür ist, weiß ich auch nicht. Ich weiß nur, dass ICH lieber Spaß habe als mich vom Power-Grind knechten zu lassen.

Leider sehe ich häufig, dass andere Spieler gar nicht merken, dass sie sich selbst den Spaß rauben, dann aus ihrem Power-Grind heraus Änderungen am Game beim Entwickler fordern mit dem Ergebnis, dass das was eigentlich noch am Spiel spaß gemacht hätte, nun für noch mehr langweiligen Grind rausgekickt wird.


Ich weiß es nicht. Vielleicht müssen wir alle wieder das Spielen lernen.
Also nicht auf Effizienz und Ergebnis und KPIs schauen - wie auf der Arbeit - sondern einfach mal machen, was gerade am meisten Spaß macht.
Dabei sollte "Zahl wird am größten" nicht mit Spaß verwechselt werden.
 
Ich glaube, daß es einfach daran liegt, daß die Parameter "Effizienz" = bester Char (Ausrüstung, XP) und "Abwechslung, neue Challenges" bei vielen Spielen für viele Spielern/Spielerinnen auseinanderlaufen. Ich kenne Assassin's Creed praktisch gar nicht, aber bei vielen Spielen, wie eben bei der Diablo-Reihe, gibt es Grind-Mechaniken, die auch zumindest zeitweise für Spielspaß sorgen. Meine Definition von Grind sind alle Handlungen, die nicht dem unmittelbaren Spielziel dienen, bei Diablo 2: nicht zu sterben, alles auf dem unmittelbaren Weg zu killen, in die nächste Karte zu kommen und ggfs den Endboß zu killen. Alles andere ist "Grinden" unter dieser Definition.

Ich unterscheide 2 Fälle:
1) der "externe" Grind: Die Wiederholung bestimmter Sequenzen bietet eine höhere Chance, schnell zB XP zu sammeln oder BiS Items zu erhalten, wie FB oben geschrieben hat. Dann wird diese Sequenz ad nauseam gegrindet. Wenn die Vorgehensweise Erfolg hat, ist das auch "Spaß" für den- oder diejenigen. Belohnungen unterliegen dem Prinzip des abnehmenden Grenznutzens, d.h. der gleiche Erfolg und die gleiche Belohnung wird bei Wiederholung als immer weniger wertvoll angesehen, die erste Ber-Rune erzeugt mehr Glücksgefühle als die 50., und früher oder später endet der Grind in Sättigung oder auch Frustration, wenn sich trotz aller Bemühungen kein adäquater Erfolg eingestellt hat (keine Ber-Rune).
2) der "interne" Grind: Im Spiel gibt es, belohnungsmäßig attraktive oder weniger attraktive Objekte: Karten, Gegenstände. Soll man die alle "machen", nur weil sie im Spiel sind? Entscheidungsrelevant ist dabei nicht die Belohnung mit einem besseren oder stärkeren Charakter, sondern ein Wunsch, das Spiel "vollständig" zu spielen, weil es halt "da ist" (Reinhold Messner). Die Belohnung besteht hier darin, alle Maps vollständig aufzudecken (bei D2 sinnlos wegen refresh) oder alle vorhandenen Kisten zu öffnen und alle Fässer umzutreten. Auch hier sinkt der Grenznutzen; die 5000. Kiste zu öffnen erscheint weniger wertvoll als die 50. Aber wenn man sich die Disziplin abverlangt, warum nicht?
Zum internen Grind gehören auch Challenges gleich welcher Art: Speedruns, Hardcore, Fun-Characters bis Baal Hölle durchprügeln, und andere. Hier entsteht die Belohnung aus dem guten Gefühl, es geschafft zu haben. Ein Scheitern bringt zumindest vorübergehend zusätzliche Motivation.
Noch eine andere Art des Grindens ist aus meiner Sicht ist die Beschäftigung mit dem technischen bzw theoretischen Level eines Spiels: Verständnis der Spielmechaniken, Reverse Engineering von Parametern und Formeln. Hier besteht die Belohnung darin, eine Hypothese erfolgreich verifiziert zu haben, und und vielleicht winkt sogar bleibender Ruhm innerhalb der Spiel-Community, wenn man etwas ganz Besonderes herausgefunden hat.

Aus meiner Sicht gibt es beim Grind kein "gut" oder "schlecht" an sich, solange kein Suchtverhalten auftritt. Jeder und jede kann für sich entscheiden, wie lange er oder sie sich mit den verschiedenen Grind-Varianten beschäftigt. Solange die Belohnungen als befriedigend empfunden werden, alles gut. Wenn nicht mehr, einfach aufhören, weil es normal ist, daß der Spaß irgendwann nicht mehr so da ist.

Gute Spiele versuchen, die mittel- bis langfristige Motivation zu erhöhen, indem neue Spielmechaniken oder Gegenstände hinzugefügt werden, zB bei D2 (kenn ich am besten):
- Neue Runenworte, Sundercharms, neue Klasse -> verändern Spielbalance und BIS-Rankings
- Terrorzonen -> Abwechslung zu Baalruns für XP
- Neues Endgame -> Challenges.

PoE1 ist hier mE noch ein paar Schritte weitergegangen, mit seiner Vielzahl und kontinuerlichen Innovation von Spielmechaniken, Builds, Itemverbesserungen, Endgame usw.

Sklaverei sehe ich hier nicht, im Gegensatz zu z.B. Social Media. Jeder ist frei, das Spiel zu spielen, wie es einem am meisten Spaß macht. Die Gebiete, Türme, Kisten usw. sind Angebote. Wennst magst, zockst zu alles, wenn nicht, gehst Du weiter. Einfach Freiheit.
 
Das war doch "früher" auch schon so, nur ist das alles schlicht schlechter dokumentiert.
In den guten alten D2 und Foren Zeiten gab es schon User, die in 1.09 millionenfach zu Pindle geportet sind, um dort die ersehnte WF für die Ama zu bekommen.

Spielspaß hatte das sicher nicht, das Modem hat geknattert oder die DSL Leitung war verstopft, Tennisarm inklusive.

Jeder zieht seinen Spaß anders aus einem Spiel, der eine empfindet D2 als Wirtschaftssimulation, der andere als Arena für PVP, dann gibt es Guinessbuch Einträge bzgl dem schnellsten Hell Baal Kill, usw usw.

Ich vermute, nicht nur D2 bietet dem Spieler diese Flexibilität, auch andere Spiele bietet neben dem Hauptast weitere Varianten, um das Spiel zu genießen. OK vielleicht nur nicht so gut, deswegen hängen wir hier alle noch rum...
 
Das war doch "früher" auch schon so, nur ist das alles schlicht schlechter dokumentiert.
In den guten alten D2 und Foren Zeiten gab es schon User, die in 1.09 millionenfach zu Pindle geportet sind, um dort die ersehnte WF für die Ama zu bekommen.

Spielspaß hatte das sicher nicht, das Modem hat geknattert oder die DSL Leitung war verstopft, Tennisarm inklusive.

Jeder zieht seinen Spaß anders aus einem Spiel, der eine empfindet D2 als Wirtschaftssimulation, der andere als Arena für PVP, dann gibt es Guinessbuch Einträge bzgl dem schnellsten Hell Baal Kill, usw usw.

Ich vermute, nicht nur D2 bietet dem Spieler diese Flexibilität, auch andere Spiele bietet neben dem Hauptast weitere Varianten, um das Spiel zu genießen. OK vielleicht nur nicht so gut, deswegen hängen wir hier alle noch rum...
Das erinnert mich an die Wizard Spike Sorc mit Namen Skindlepin, die im BNet manchmal im Channel rumlungerte. Der Char hatte vermutlich auch nur diesen einen Zweck.
 
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