Geschichte
Kapitel 1- Eine neue Bedrohung?
Sanktuario. Ein altes und von Geheimnissen erfülltes Land. Hier leben die unterschiedlichsten Völ-ker und Menschen friedlich zusammen. Doch das war nicht immer so, denn bis vor einigen Jahren tobte über dem ganzen Land ein Krieg, den die Welt so noch nie gesehen hatte. Dämonen, grauen-hafte Kreaturen verschiedenster Erscheinung und Farben, fielen über das Land ein, mordeten, brandschatzten; plünderten ganze Städte und Dörfer. Handelswege wurden besetzt, friedliche Ka-rawanen überfallen, ausgeraubt und alle Reisenden gnadenlos abgeschlachtet. Die Dämonen, die sich überall auf der bekannten Welt Fuß fassen konnten waren im Begriff sie untergehen zu lassen. Und es gab nur eine Stelle, die sie noch nicht erobert hatten. Dieses Land war aufgrund seiner Lage so isoliert, dass es als Stützpunkt für die anderen Völkergruppen diente: Die Amazoneninseln zwi-schen dem Zwillingsmeer und dem Großen Ozean. Von hier aus führten die Völker Feldzüge gegen die Dämonen an und konnten sich ihre Heimat und Städte Stück für Stück von den Dämonen zu-rückerobern und sie so zurückdrängen, bis sie verschwanden. Aber noch heute, viele Jahre später erzählt man sich von Dämonen, die am Rande der Welt und an selten beschrittenen Routen gesich-tet wurden und gleich darauf verschwanden. Dennoch gilt Sanktuario heute als friedliches Land, das alte Handelsbeziehungen wieder aufgenommen hat und in Frieden miteinander lebt, abgesehen von den Barbaren- Hochländern, die Reisende und Fremde meist mürrisch empfangen und nur sehr sel-ten in ihr Reich ließen. Über die Hochländer selbst ist nur wenig bekannt, denn die Barbaren, die sich selbst „Kinder von Bul- Kathos“ nennen, haben der Sage nach einen heiligen Auftrag erhalten, einen Berg zu bewachen, der besser bekannt ist als Arreat, den Berg der Urahnen. Seitdem bewa-chen die Barbaren die Tore zu ihrem Land und Gruppen von ihnen durchstreifen die Wildnis in der näher liegenden Umgebung. Aber abgesehen davon sind die Länder eine Augenweide: malerische Berge mit schneebedeckten Gipfeln die sich in Bergketten dahinziehen und das Land rau und wild erscheinen lassen, aber dennoch abgerundet werden durch kleinere Wälder, die sich in Form von Mischwäldern über die Berge ziehen. Außer den Bergen gab es noch Täler in denen nur vereinzelt Bäume standen doch ab und an findet man auch mal umgestürzte und verwitterte Baumstämme. Ansonsten waren die Täler angefüllt von Gras und Stroh das bis zum Bauch eines durchschnittli-chen Mannes reichte was die meisten Betrachter sicherlich als ‚wunderschön’ empfunden hätte, wer aber jemals durch die Täler marschiert ist, der wird merken, dass ‚wunderschön’ das definitiv fal-sche Wort ist. Wer nicht aufpasst, wird von Schlangen gebissen, von den scharfen Gräsern geschnit-ten oder fällt in eine Jagdgrube und findet sich mit Speeren aufgespießt wieder. Wenn aber die un-tergehende Spätmittagssonne die Bergspitzen streift, auf die Täler scheint und die Gräser in gold-gelb tauchen lässt, könnte man alles um sich herum vergessen und fühlt sich wie in einer anderen Welt. Außer man muss hindurchlaufen. Und zu allem Überfluss wird man auch noch verfolgt.
Keuchend und ächzend rannte er durch die Gräser, Schnittwunden zeichneten seine Arme und Hän-de, er rannte so schnell er konnte, rannte und rannte und hoffte er würde bald das Tor erreichen. Aber bis dahin würde er es nicht mehr schaffen- er musste sich was einfallen lassen, ansonsten würde irgendein Jäger irgendwann einmal auf seine verfaulte Leiche stoßen. Doch so weit darf ich es nicht kommen lassen, dachte er sich als er gerade über einen Baumstamm sprang und der Sonne entgegenhetzte. Sie verfolgten ihn schon seit zwei Tagen. Anfangs dachte er sie würden die Verfol-gung aufgeben, sobald er die goldenen Täler erreichen würde, doch dem war nicht so. Nun durfte er sich mit den gefährlichen Mascus herumschlagen. Und sie sind schnell und tödlich, so klein sie auch sein mochten. Mit ihrer extrem hohen Ausdauer, den Rücken mit den gekrümmten Stacheln und den langen, scharfen Eckzähnen waren sie wie geschaffen für die Jagd. Drei waren es an der Zahl und obwohl er schon schlimmeren Kreaturen begegnet war, ein Kampf kam für ihn nur in al-lergrößter Not in Frage. Denn dafür war sein Auftrag zu wichtig, er musste unbedingt in die inneren Barbaren- Hochländer und in die Hafenstadt Naragath gelangen und seinen königlichen Auftrag erfüllen. Doch langsam gingen ihm die Optionen aus, je mehr er lief, desto näher rückte ein Kampf und er wusste das. Schließlich zog er seine Schwerter. Wenn er die Mascus treffen wollte, dann musste er schnell sein. Er würde den ersten Mascus auflaufen lassen bis er in seiner Reichweite war und dann zuschlagen. Nun rannte er etwas langsamer und der Mascus würde denken er verliert die Kraft noch weiterzulaufen. Man konnte es hören wie der Mascus näher kam, man konnte seinen ekligen, schnaubenden Atem hören, wie er sich seiner Beute näherte, jeden Moment bereit zum tödlichen Sprung. Mascus’ töteten ihre Beute mit einem Genickbiss und genau dass musste er aus-nutzen. Er lief nun noch langsamer in der Hoffnung seine Verfolger würden das tun was er wollte. Und er tat es. Er blickte über die linke Schulter und konnte sehen wie der Mascus in die Luft sprang. Noch im Laufen drehte er sich um und keinen Moment zu früh: Der Mascus fiel gerade in Richtung der Stelle, an der vor kurzem noch sein Nacken gewesen war. Doch jetzt hatte er sich um-gedreht und hielt sein rechtes Schwert in Richtung des Mascus. Der Mascus ließ einen schrillen und zitternden Schrei hören, als er direkt auf der Spitze des Schwertes landete. Ein Schwung mit seinem Schwert und der Mascus fiel tot ins Gras. Kaum war er tot, kam schon der nächste in einem Bogen von links angelaufen. Man konnte es sehen, denn das Gras bewegte sich an der Stelle, wo es sich herumtrieb. Es war noch ungefähr sieben Meter entfernt.
Sechs.
Fünf.
Vier.
Drei.
Zwei.
Einen.
Er schlitzte sein linkes Schwert blind diagonal von rechts nach links, aus Sorge er würde nicht tref-fen, zog er das rechte gleich hinterher, doch seine Haare fielen ihm ins Gesicht und er konnte nichts mehr sehen. Glücklicherweise spürte er den Widerstand beim Aufprall des Mascus und schlug im genau richtigen Moment dem Mascus den Kopf vom Leib der daraufhin in hohem Bogen ins Gras fiel. Den Kopf trat er wütend durch die Luft. „Scheißviecher“ schimpfte er. Er mochte die Mascus’ aufgrund ihrer Unberechenbarkeit nicht. Er steckte seine Schwerter zurück und war gerade zwei Schritte gegangen, als es erneut raschelte, diesmal hinter ihm. Jetzt war er wütend. Jetzt stirbt der letzte auch. Er zog seinen Bogen, nahm einen Pfeil aus dem Köcher der an seinem rechten Ober-schenkel befestigt war und wollte ihn gerade spannen, als vor ihm ein Barbar aus dem Gras auf-tauchte. Zwei Meter groß, schreiend, mit blau- weißer Kriegsbemalung, in der rechten Hand eine Axt, die zum Wurf ausholte. Der Barbar schmiss seine Axt genau auf ihn zu. Sie würde seinen Kopf treffen, dachte er, er wollte ausweichen, aber es war zu spät. Die Axt flog wenige Zentimeter an seinem Kopf vorbei ins Leere.
Doch plötzlich hörte er direkt hinter sich einen Schrei. Er drehte sich um und sah einen Mascus, den letzten der drei, mit einer Axt im Bauch stecken. Er dreht sich wieder zum Barbaren um, von dem er dachte er würde ihm den Kopf spalten. „Für Fremde ist dieser Ort nicht der richtige Platz zum sterben“, sagte der Barbar mit wütender Stimme und holte seine Axt. „Besser ihr kehrt um und geht dahin zurück wo ihr hergekommen seid. Dort hinten“, er zeigte auf den Eingang einer sehr kleinen aber langen Schlucht, „dort hinten habt ihr sowieso kein Zutritt. Dort fängt nämlich unser Land an und für Unbefugte wie euch ist der Zutritt strengstens untersagt“. „Ich bin kein Unbefugter, ich ha-be…“, fing er an doch er wurde unterbrochen. „Spart euch das, ich kenne die Ausreden.“, raunte der Barbar ihm zu und dann rief er in die Wildnis: „Ihr könnt rauskommen“.
Zur Verwunderung des Fremden kamen rings um ihn herum lauter Barbaren aus dem Gras heraus. Einige weiter weg, aber einige waren auch näher, fast schon direkt neben ihm. Sechs waren es ins-gesamt und alle waren unterschiedlich bewaffnet: Der erste, der aussah wie der Anführer und ihm beinahe den Schädel gespalten hätte, trug eine große Axt. Zwei, die fast neben ihm erschienen wa-ren trugen Schwert und Knüppel und weiter hinten waren zwei mit Speer und Hellebarde. Der letzte war mit einem stählernen Kampfstab bewaffnet. Der Axt- Barbar zeigte den Mascus hoch: „Für heute ist die Jagd vorbei“. „So. Und nun zu euch“. Der Axt- Barb wandte sich wieder dem Fremden zu. „Wie ich schon sagte könnt ihr gleich wieder umkehren. Weiter können nur die, die die Losung kennen und ich glaube nicht, dass ihr…“. Der Fremde beachtete ihn gar nicht weiter, steckte seinen Bogen und seinen Pfeil weg, holte ein kleines Horn heraus und blies die Losungsmelodie. Alle Bar-baren schienen sehr beeindruckt. Es geschah nur sehr selten, dass jemand DAS Horn spielte. Der Fremde blickte den Anführer an. „Verzeiht, ich wusste nicht dass ihr die Losung kennt“. Es war ihm richtig unangenehm jemanden so angeraunt zu haben, der zu den Freunden der Barbaren zählte. Weiterhin übergab der Fremde ihm eine Bescheinung und eine kleine, schwarz glänzende Kugel. Es sind die Beweise derer, die wahre Freunde der Barbaren sind. Die Bescheinigung war eine Urkunde die ihn als ‚Telenor’ identifizierte. Sie beinhaltete ein Porträt inform einer kleinen Zeichnung von ihm und die Unterschrift von Ord- Rekar, dem Ältesten von Harrogath. Die schwarze Kugel war der unwiderlegbare Beweis dafür, dass die Urkunde auch wirklich echt war. Die Kugel wurde vor Jah-ren von einem unbekannten Barbaren- Schmied hergestellt und besteht aus einem Edelstein der in ganz Sanktuario nur in den Barbaren- Hochländern vorkommt. „Willkommen bei uns, Telenor“. Der Barbar war nun schon wesentlich freundlicher. „Ich bin Catanos, der Anführer dieser Truppe. Unsere Aufgabe ist es die Grenzen zu sichern, damit hier nicht solche Viecher“, er hielt erneut den Mascus hoch, „und jeder Beliebige eintreten kann, als wäre er bei sich zu Haus. Aber was macht eigentlich der Mascus hier? Die leben doch in den Westlichen Königreichen und nicht hier bei uns“. „Ich komme von daher“, erklärte Telenor, „ich habe eine dringende Aufgabe zu erfüllen und muss deswegen nach Naragath. Die Mascus verfolgten mich seit sie mich in Entsteig gesehen haben. A-ber angegriffen haben sie mich erst, als ich in eure Täler kam“. Catanos wirkte nachdenklich. „Mas-cus jetzt auch hier bei uns“, murmelte er vor sich hin, „das ist nicht gut“.
Catanos erklärte sich bereit, Telenor bis zu den Grenztoren begleiten und danach wieder zu seiner Truppe zurückkehren. Bis zu seiner Rückkehr übertrug er das Kommando Scyld, dem Barbaren mit den Schwertern. Als sie durch die lange Schlucht gingen, auf die Catanos vorhin gezeigt hatte, ent-deckte Telenor plötzlich eine Leiche. „Es gibt immer wieder welche die es versuchen und kläglich scheitern“, meinte Catanos als er Telenors Blick bemerkte. „Aber wie gesagt, ohne Losung kein Durchlass. Und wer sich trotzdem weigert zu gehen, der hat Pech gehabt“. „Es gibt immer noch welche die es versuchen?“, fragte Telenor, dem die Vorgehensweise der Barbaren bei jedem Ver-such ihre Grenze illegal zu passieren, wohl bekannt war. „Oh ja, auch heute noch. Als ob sie es nicht besser wüssten. Aber von unserem heiligen Auftrag hält uns keiner ab. Egal wie oft sie es ver-suchen und wie groß ihre Armeen auch immer sein mögen: NIEMAND betritt den heiligen Berg Arreat“. Telenor wusste, was Catanos mit dem ‚heiligen Auftrag’ meinte. Es heißt, als die Welt noch sehr jung war, erhielten die Stämme der nördlichen Steppen einen heiligen Befehl. Irgendwo tief im großen Berg Arreat liegt eine Quelle unermesslicher Macht, die für das Wohlergehen der gesamten Menschheit von entscheidender Bedeutung ist. Damals, als die verschiedenen Stämme sich noch untereinander bekämpften und ihre Geheimnisse voreinander hatten, war dieser Auftrag das einzige was sie zusammenhielt und gegen Eindringlinge gemeinsam kämpfen ließ. „Ha“, lachte Catanos und riss Telenor aus seinen Gedanken. „Neulich erst hat doch wieder so ein Spinner ver-sucht durchzubrechen. Der Typ wollte sich unser Gold holen. War wohl irgendein Schatzsucher oder so. Na ja, jedenfalls hat er von den Nahkampffähigkeiten meines Volkes gehört und deshalb eine Gruppe Speerwerfer angeheuert, in der Hoffnung das wir den Kampf aus der Ferne mit ihm aufnehmen müssen. Die schlichen gerade an mir vorbei und ich denk mir, das gibt’s doch nicht’, so was dreistes. Ich bin aus dem Gras heraus geradewegs auf sie zugesprungen und hab’ den ersten niedergemacht als ich noch in der Luft war. Zwei weitere waren bei meiner Landung dran. Wieder zwei sind abgehauen, kamen aber nicht weit, denn schließlich bin ich nicht der einzige, der sich hier im Gras versteckt. Tja und dann war da nur noch dieser Verrückte übrig. Der hat sich fast in die Hosen gemacht als er uns gesehen hat. Wir haben ihn dann ziehen lassen nachdem er nichts mehr von Wert besaß“. Telenor musste lachen als er die Geschichte hörte. Er war der Meinung die Tor-heit der Menschen müsste angemessen bestraft werden. Inzwischen sollte es ja nun wirklich jeder wissen, dass die Barbaren niemanden einfach so durchlassen.
Nach einiger Zeit kamen sie an ein sehr großes Tor. Es war eines der vier Osttore, die die restliche Welt von den Barbaren- Hochländern trennten und obwohl es bei weitem nicht so riesig war wie die Tore von Secheron, waren sie dennoch gewaltig und mit spitzen Dornen bewehrt. Nach einigem hin und her mit der Torwache auf der Mauer wurde Telenor eingelassen und verabschiedete sich von Catanos. “Ich hoffe wir sehen uns wieder wenn du deinen Auftrag beendet hast“, rief Catanos Tele-nor hinterher und verschwand in Richtung seiner Felder um weitere ungewollte und hartnäckige Eindringlinge zu metzeln. Als Telenor hinter die Tore kam, befand er sich in einer kleinen Stadt. Es war mehr eine Verteidigungsanlage als eine Stadt, denn überall liefen Soldaten zum Krieg gerüstet herum. Soldaten mit Schwert, Axt, Knüppel, Bogen, Armbrust und den wahrscheinlich schwersten Rüstungen die es auf der Welt gibt. Er sah aber nicht nur Barbaren, sondern auch Druiden, wenn auch nicht viele. Es ist überall bekannt, das die Barbaren und die Druiden schon ewig in einem Bündnis sind, was darauf zurückzuführen ist, dass die Führer beider Seiten vor Ewigkeiten schon eng befreundet waren. Bul- Kathos, der große Urkönig der Barbaren wollte die Stämme vereinen und Fiacla- Géar eine neue Kultur und Sprache erschaffen. Beide waren der Ansicht, dass sich ihre Völker ausschließlich auf die Prophezeiung dunkler Zeiten vorbereiten müssen. Dennoch teilten sich ihre Ansichten darüber, wie sie das bewerkstelligen sollen. Bul- Kathos war der Meinung das nur durch den Zusammenschluss der Stämme und Ausbildung in strenger Kampfdisziplin sich die Barbaren sich auf diese Aufgabe vorbereiten sollten. Fiacla- Geár vertrat die Ansicht, dass sein Volk eine spirituelle Einheit mit dem Land eingehen müsse, um es besser zu beschützen. Er nahm sich die besten Kämpfer, Schamanen und Dichter der Stämme und zog sich in die heute bekannte Gegend Scosglen zurück. Sie gründeten eine neue Kultur und Sprache und lernten mit der Zeit die Geister der Tiere zu beschwören, die zu beschützen sie geschworen haben. Telenor entdeckte auch eine Stallung direkt ihm gegenüber. Er ging hinüber und verhandelte mit dem Verkäufer über den Preis: 8.500 Gold! Das war der absolute Wucher und doch brauchte er das Pferd um noch rechtzei-tig nach Naragath zu kommen. Schließlich kamen sie zu der Übereinstimmung, das der Stallmeister Telenor das Pferd leihweise für 10 Tage überlässt; zu einem Tagessatz von 500 Gold zuzüglich 9,5% Grundzinsen, für jeden Tag der Verspätung weitere 3% Strafzinsen, zuzüglich einer weiteren Strafgebühr von 1500 Gold und das alles netto versteht sich. Telenor zweifelte an den Fähigkeiten des schmierigen Stallmeisters, das in einem Verspätungsfall ausrechnen zu können, doch der Ver-trag stand und Telenor hatte ein Pferd mit dem er jetzt endlich nach Naragath aufbrechen konnte. Er schätzte die Dauer der Reise ein: Er war an dem dritten der vier Osttore nahe der Grenze der West-lichen Königreiche und Scosglen. Naragath lag an einer kleinen Landzunge in dem Gefrorenen Meer, das wiederum nördlich der Barbaren- Hochländer liegt. Er würde vielleicht zwei Tage brau-chen um dorthin zu reiten, zwei für den Rückweg, einen Tag Rast für das Pferd und dann blieben noch fünf Tage um das Pferd zurückzubringen. Das sollte eigentlich locker reichen, aber er rechnete immer mit dem schlimmsten. Zum Beispiel war er mal mit einem Totenbeschwörer unterwegs ge-wesen. Am dritten Tag waren sie in einen ziemlich harten Kampf verwickelt und gerade als Telenor der letzten Blutkrähe die Flügel stutzte und das letzten Skelett in seine Einzelteile zerlegte, kam auch schon der Totenbeschwörer wütend angerannt. Telenor begriff erst nach einer Weile was der Totenbeschwörer überhaupt wollte (Er hatte eine Kopfnuss von einem Wendigo kassiert). Angeb-lich hatte Telenor das Lieblingsskelett des Totenbeschwörers gemetzelt und der Totenbeschwörer hatte schon den passenden Fluch parat gelegt, als Telenor versuchte die Situation zu klären. Schließlich endete die Geschichte damit, dass der Totenbeschwörer von Telenor verprügelt wurde und dieser die nächsten zwei Stunden mit den Flüchen „Altern“ und „Eiserne Jungfrau“ belegt war.
Er checkte seine Ausrüstung. Jetzt da er ein Pferd besaß, konnte er ein bisschen was von seiner Ausrüstung auf das Pferd laden. Mit dem Pferd mitgeliefert waren zwei Pferdetaschen, an denen er seinen Rundschild befestigen konnte. Die Schwerter kamen nach vorne zwischen Sattel und der linken Flanke des Pferdes und den Inhalt seines Rucksackes verteilte er auf die Pferdetaschen. Sei-nen Bogen behielt er auf dem Rücken. Der Ritt war recht ereignislos, er traf mehrmals auf einige Barbaren- Truppen die durch die Gegend zogen, ihn aber weiter nicht beachteten. Zwei Wirbel-stürme konnte er beobachten die über die Steppen zogen und in der Ferne wurde er stets begleitet von dem mächtigen und geheimnisvollen Berg Arreat. Als der zweite Tag seines Rittes vergangen und Naragath schon fast erreicht war, hörte er plötzlich hinter einem Hügel Kampfgeräusche. Er wollte weiterreiten, denn es war bestimmt nur ein Kräftemessen zwischen zwei Barbaren die sich nach einem gepflegten Saufgelage die Schädel einschlugen.
Doch dann fiel ihm ein, dass er zwar schon zusammen mit einigen Barbaren in der einen oder ande-ren Schlacht gekämpft hatte, einen richtigen Kampf hatte aber noch nie zu Gesicht bekommen. Also ritt er über den Hügel um den Kampf zu beobachten. Ihm stockte der Atem, bei dem Anblick der sich ihm bot. Es war keineswegs ein Kampf zwischen zwei total besoffenen Barbaren, das hier war schon seit ungefähr zehn Jahren nicht mehr vorgekommen: Ein Barbar der von drei Harpien ver-folgt wurde. Anscheinend waren es mehrere gewesen, denn die Steppe war wie eine Straße gepflas-tert mit toten Harpien. Der Barbar würde nicht mehr lange durchhalten, dass war ganz deutlich zu sehen, denn er blutete und keuchte sehr stark und die Harpien stießen immer wieder von großer Höhe auf ihn hinab. Telenor zog seinen Bogen. Es war ein schöner Bogen. Er war schwarz und glänzend und er wurde ihm einmal vom Amazonenvolk überreicht, als er diesen half, sich gegen eine Piratenbande zu verteidigen die einen Belagerungsring um die Amazoneninseln geschlossen hatten. Telenor hatte einen gewissen Anteil daran die gelandeten Piraten aufzuhalten. Jetzt spannte er seinen Bogen und visierte die ahnungslose Harpie an. Wie blöd sie wohl gucken würde mit ei-nem kleinen, lustigen Pfeil ihm Kopf? Telenor dachte sich die Stelle, an der die Harpie wohl im nächsten Moment sein würde und lies den Pfeil fliegen. Und Zack, schon war eine Harpie weniger auf dieser Erde. Der Barbar war sichtlich überrascht, dass er hier in dieser Einöde Hilfe bekommt. „Hilfe!“ schrie er verzweifelt zu Telenor hinüber, der schon die zweite Harpie ins Visier genommen hatte. Ein tödlicher Blattschuss und auch diese Harpie würde sich schon bald vorm Herrn des Schreckens verantworten müssen.
Jetzt, da alle ihre Mitstreiter mehr oder weniger tot waren, sah man der Harpie an, dass sie sich gänzlich unwohl fühlte. Der Barbar und Telenor standen ihr gegenüber, der Bogen von Telenor war bereit zum Schuss. Die Harpie war schlau genug sich nicht mit den beiden anzulegen. Kreischend und schreiend drehte sie sich plötzlich zur Flucht um. Telenor schoss seinen Pfeil hinterher, doch die Harpie stieg so schnell zum Himmel auf, dass der Pfeil in die Steppe flog. Der Barbar kam zu Telenor Hochgelaufen. „Danke, danke edler Fremder. Ich weiß nicht wie ich euch danken soll. Ihr habt mir das Leben gerettet. Das vergesse ich euch nie.“ „Lasst gut sein junger Barbar, es war mir eine Freude für euch Harpien zum Herrn des Schreckens befördern zu können.“ Sie unterhielten sich noch eine Weile bevor sie sich wieder trennten. Der Barbar hieß Sonel und musste einige Bo-tengänge für irgendwelche Leute erledigen. Als er dann durch ein kleines Wäldchen lief, traf er auf die Harpien. Anfangs waren es zehn meinte er, doch er konnte einige von ihnen mit seinem Beil und seinen Wurfäxten töten. Sonel war sehr jung, 21 wie er stolz erzählte und wenn Telenor jemals Hilfe gebrauchen könnte, dann könne er jederzeit zu ihm nach Elekrak zu seinem Haus kommen. Sonel fragte nicht viel über Telenor. Telenor nannte ihm nur seinen Namen und das er nach Nara-gath wollte. Zum Glück fragte Sonel nicht weiter nach Telenors Absichten, denn Telenor war ja in geheimer Mission unterwegs und konnte niemandem etwas darüber berichten.
Als er schließlich in Naragath ankam, ging die Sonne gerade hinter dem Horizont unter und tauchte das Meer in goldenes Licht. Im Winter ist diese See hier immer zugefroren. Das ist auch wahr-scheinlich der Grund weshalb dieses Meer auch „Gefrorene See“ heißt. Telenor ritt im gemütlichen Tempo zum Hafen. Laut seinen Informationen sollte das Schiff gegen Mitternacht anlegen, wenn es stockfinster ist. Auf dem Weg hierher sah er ein Gasthaus und da es noch einige Stunden dauerte, bis es Mitternacht wurde, beschloss er, dort einzukehren.
Als er die Straßen entlangging, fiel ihm auf, dass ihn die Leute nicht anstarrten wie sie es sonst in den Barbaren- Städten taten. Anscheinend waren die Menschen hier mehr an Fremde gewöhnt als anderswo. Nach wenigen Minuten kam er am Gasthaus an. „Zur Waffenkammer“ war auf dem Schild über der Tür zu lesen. Er trat ein. Als erstes fiel ihm die unglaubliche Wärme auf. Das Gast-haus war nicht rechteckig oder quadratisch wie die meisten anderen, dieses hier war sechseckig. In den Ecken waren sogar noch kleine Nischen mit runden Tischen aus Eichenholz. In der Mitte war ein riesiger Käfig in dem ein sehr großes Feuer prasselte. Der Wirt war ausgesprochen freundlich, auch wenn es auf den ersten Blick nicht den Anschein machte, dass man ihn ansprechen könnte ohne sich von seiner monströsen Axt spalten zu lassen. Telenors Pferd wurde in die Stallungen hin-ter das Wirtshaus gebracht und von den Stallburschen versorgt. „So“, sagte der Wirt, „Jetzt zeige ich euch euer Zimmer“. Telenor folgte dem Wirt eine Wendeltreppe nach oben in den ersten Stock und ließ sich den Schlüssel für das Zimmer geben. Von den insgesamt fünf Zimmern waren schon zwei besetzt. „Wenn ihr etwas braucht, dann zögert nicht zu fragen“, sagte der Wirt übereifrig und trat aus dem Zimmer. „Alles klar, mach ich“, rief Telenor hinterher. Er schaute sich in dem Zimmer um. Es gefiel ihm, denn es war nicht zu klein und auch nicht zu groß, auf der Kommode stand eine Flasche mit frischem Wasser und eine Schüssel zum Waschen. Aber auch sonst gefiel ihm das Zimmer ganz gut. Das Bett hatte zwar schon bessere Tage gesehen, aber wenigstens gab es hier einen vernünftigen Tisch und Stuhl und- wie Telenor überrascht feststellte- auch hier war es ange-nehm warm. Das Feuer von unten wärmte auch die oberen Zimmer. An der Tür hing ein graues Wolfsfell, das der Gast wohl nutzen konnte, wenn es ihm zu kalt wurde. Offenbar ist es nicht oft benutzt worden, denn war sehr gut erhalten was Telenor nicht wunderte, denn immerhin war es durch das große Feuer warm genug im Zimmer. Telenor legte sein Hab und Gut auf die Kommode und den Tisch und verließ den Raum um etwas beim Wirt zu Essen zu bestellen.
„Hey Wirt!“, rief er. „Was kannst du mir zu Essen bringen?“. Mit einem freudigen Grinsen auf dem Gesicht kam der Wirt zu seinem Gast: „Also wir haben da einen ganz vorzüglichen Fisch, frisch aus dem Meer, dann hab’ ich noch Rossbraten und gerade habe ich eine Gänsebrust auf dem Feuer.“ „Das klingt gut, ich möchte die Gänsebrust und dazu einen Krug mit Honigmet und ach, sagt, das Wolfsfell in meinem Zimmer, steht das zum Verkauf?“ „Also, wenn ihr das Wolfsfell haben möch-tet, dann kann ich jemandem zum Kürschner schicken, der dann ein neues holt. Es kommt drauf an ob unser Kürschner noch eines hat. Wenn ihr wollt, dann schicke ich jemanden der nachfragt.“ „Bit-te, tut dies und so schnell wie möglich.“ „Sehr wohl“, entgegnete der Wirt und verschwand mit die-sen Worten in Richtung Stall. Nach einigen Sekunden jagte er einen der Stallburschen mit einem deftigen Tritt in dessen Hinterteil hinaus und schickte ihn zum Kürschner. „Und wehe du versäufst das Geld wieder!“, rief der Wirt hinterher und drohte mit seiner fetten Faust.
Das Essen schmeckte vorzüglich. Die Gänsebrust war mit Meloranit gewürzt, eine Spezialität, die nur in den Barbaren- Hochländern zu finden ist.
Während er aß, dachte er über seine Begegnungen nach, die ihn so erschrocken hatten. Zuerst die Mascusse und vorhin diese Harpien. Es ist nichts ungewöhnliches, das man hin und wieder von vereinzelten Dämonen hört, die angeblich gesichtet wurden, doch Telenor hatte noch nie etwas da-von gehört, dass so viele Dämonen aufgetaucht sind. Schon gar nicht in so kurzen Abständen. Ü-berhaupt, jetzt, da er über das Thema nachdachte fiel ihm auf das er in letzter Zeit ungewöhnlich viel von Dämonen gehört hatte, die aufgetaucht sein sollen. Das gab ihm zu denken. Es werden doch wohl nicht wieder Dämonen in die Welt der Menschen eindringen? Telenor konnte sich das nicht vorstellen, denn immerhin sind damals fast alle Dämonen vernichtet worden, als der Herr des Schreckens von diesem mysteriösen unbekannten Helden besiegt worden war. Trotzdem würde er seinen Auftraggebern davon berichten müssen, hoffte aber inständig das es nur purer Zufall war in so kurzer Zeit auf so verhältnismäßig viele Dämonen gestoßen zu sein. Doch wenn sich seine Be-fürchtungen bestätigen würden, wie könnten dann Dämonen in diese Welt eindringen? Er dachte eine Weile darüber nach, doch zu einer vernünftigen und logischen Antwort kam er nicht.
Gerade als er den letzten- leicht zähen- Bissen Gänsebrust hinuntergeschluckt hatte, kam auch schon der Stallbursche durch die Tür in das Gasthaus gestolpert und zu Telenors freudiger Überra-schung hatte er ein Wolfsfell über die Schulter geschlungen. Der Stallbursche kam zu Telenor an den Platz: „Hier mein Herr, euer Wolfsfell, wie ihr es befohlen habt.“ „Danke, du darfst dich wieder deiner Arbeit widmen und sag deinem Herren, das ich mit deiner Arbeit zufrieden bin.“ „Danke, mein Herr.“ Der Stallbursche zog sich mit einer kleinen Verbeugung zurück in den Stall. Kaum war er verschwunden kam auch schon der dicke Wirt angelaufen. „Ich hoffe es hat euch gemundet.“, sagte er, während er den Tisch abräumte. „Bestens“, antwortete Telenor. „Und euer Stallbursche hat gute Arbeit geleistet, als er mir das Fell brachte.“ „Das freut mich zu hören. Wünscht der Herr sonst noch etwas?“ „Nein, das wäre alles, danke“
Telenor erhob sich und wollte eigentlich raus aus der „Waffenkammer“ und in Richtung Hafen ver-schwinden, doch er drehte sich wieder um und ging auf sein Zimmer. Er wollte lieber seine Schwer-ter mit sich führen, denn er kannte diese Stadt noch nicht so gut und wollte lieber auf alles vorberei-tet sein. Als Telenor wieder mit seinen Schwertern auf dem Rücken herunterkam, musste er feststel-len, dass sich inzwischen eine handfeste Schlägerei in der Gaststätte entwickelt hatte.
„SAG DAS NOCHMAL!“, brüllte einer der anwesenden Gäste (ein Barbar, mit dem man sich lie-ber nicht prügeln sollte) einen anderen an. „DU STINKENDE AUSGEBURT DER HÖLLE“, rief der andere Barbar zurück, mit dem man sich lieber auch nicht angelegen sollte. „ICH SCHLAG’ DIR ALLE ZÄHNE EIN, AM BESTEN BESORGST DU DIR SCHONMAL NE’ SCHNABEL-TASSE!“ „NA WARTE!“, rief der andere und schmiss einen dreibeinigen Hocker auf den anderen. Der wich jedoch aus und griff nach einer leeren Metflasche. „ICH HAU’ DICH!“ schrie der mit der Flasche und stürmte auf den anderen los. „KOMM’ HER DU BAUER!“
Jetzt waren auch die anderen Gäste mit dabei. Alle schrieen wild durcheinander und nahmen sich Gegenstände, die sie dem nächsten Menschen an den Kopf werfen konnten: Überall flogen Stühle, Stuhlbeine, Flaschen, Essensreste und Fäuste. Telenor sah den Wirt vor Wut kochen. Er sah aus als würde er gleich platzen, nahm aber stattdessen seine monströse Axt in die Hände, sprang mit einem gewaltigen Sprung mitten ins Getümmel und zerteilte dabei einen Tisch, sodass nur noch Splitter zu sehen waren. „ALLE RAUS HIER, BEVOR ICH MICH VERGESSE!“ Das Geschrei des Wirts übertönte das der anderen um ein vielfaches und Telenor befürchtete im Ernst der Wirt würde gleich platzen. „HÖRT IHR SCHLECHT ODER WAS? RAUS HIER, ABER DALLI!“ Der dicke Wirt sah in diesem Moment bedrohlicher aus als eine Horde Dämonen aus der Hölle. Sein Gesicht war purpurrot, auf seiner Stirn pochte eine dicke Ade rund die Hände, mit der er die Axt umklam-merte, waren schneeweiß. Das Geschrei des Wirts wirkte und jeder machte dass er wegkam. Tele-nor war sich nicht sicher, ob das Geschrei oder das Gesicht des Wirtes alle zum fliehen brachten. „Diese verdammten Bastarde“, sagte der Wirt, als er und Telenor schließlich alleine im Gasthaus standen. Die meisten Stühle waren kaputt und der große Tisch, auf den der Wirt gesprungen war, lag in Stücken. Überhaupt könnte man denken, dass eine ganze Horde wilder Amazonen einen Ha-gel von Explosionspfeilen in das Gasthaus geschossen hätte.
Der Wirt war noch eine Weile damit beschäftigt, das Gasthaus mithilfe seiner Stallburschen aufzu-räumen und Telenor konnte zum Hafen, um das Schiff zu empfangen, das laut Auftrag gegen Mit-ternacht anlegen würde. Auf der Straße war nicht mehr viel los, die meisten Bewohner der kleinen Hafenstadt schliefen oder betranken sich in Kneipen. Hier und da liefen Telenor einige Betrunkene über den Weg, aber sonst niemand auf den er hätte achten müssen. Als er zum ersten Mal hier ge-wesen war, war er noch in der Ausbildung und fragte seinen damaligen Lehrmeister warum diese Stadt, so klein war, denn sonst waren alle Hafenstädte die sie besucht hatten groß und reich. Nara-gath wirkte wie eine normale Stadt. Sein Meister erklärte ihm, dass diese Hafenstadt nur sehr selten von fremden Schiffen angefahren wird, denn immerhin kennt sie kaum jemand und zweitens haben die Barbaren- wie auf dem Land- Vorposten in Form von kleinen Kriegsschiffen auf dem Meer po-sitioniert, die jedes Schiff auf dem Weg nach Naragath überprüfen und notfalls versenken. Als Te-lenor den Hafen erreichte war es schon Stockfinster und nur die spärlichen Fackeln am Hafen spen-deten wärmendes Licht in dieser eiskalten Nacht. Er zog sich das Wolfsfell über die Schultern und setzte sich auf die Hafenmauer. Schön waren die Nächte in Naragath, dachte sich Telenor, als er gerade ein Polarlicht beobachtete, das sich in der Ferne bildete. Einmal hörte er sogar das Knacken und Krachen eines Gletschers, der irgendwo in der Dunkelheit im eisigen Wasser trieb. Als der Mond hinter seinen Wolken hervorkam und sein Licht auf das Wasser fallen ließ, sah Telenor es endlich. Ein Schiff- langsam- um nicht an den treibenden Eisschollen zu zerschellen, trieb es lang-sam aber sicher auf ihn zu. Mit schwarzen Segeln, die sich leicht im eiskalten Wind blähten und seinem flachen Schiffsbau war es doch nicht so langsam wie Telenor es zunächst gedacht hatte. So schnell wie es fuhr, genauso leicht glitt es dahin, fast ohne Widerstand. Der Hafenmeister hatte wohl nicht damit gerechnet, so spät noch ein Schiff annehmen zu müssen, denn er war bis obenhin dicht und merkte nichts von einem Schiff. Sein Hafenbuch, indem er alle Schiffe eintrug, lag ir-gendwo in seinem Wärterhaus. Auch gut, dachte sich Telenor, denn so würden sie sich das Schmiergeld sparen können.
Telenor wollte beim Festmachen des Schiffes behilflich sein, doch von seiner Mauer sah er nur, wie eine Person von Bord sprang und das Schiff gleich wieder ablegte. Er ging den schmalen Weg zum Hafen hinunter. Ganz im Schatten stehend, sah er eine Person im schwarzen Reisemantel, die ihn bereits aus einiger Entfernung bemerkt zu haben schien. „Dunkel ist die Nacht….“, begann Telenor. Das war der Anfang einer Parole, die nur Eingeweihte kannten. Sein Gegenüber, eine Frau, musste nun den zweiten Teil der Parole aufsagen. „Und dunkler ist das Schiff“ war die Antwort. Telenor nickte, die Parole stimmte.
„Dann seid ihr sicherlich Noir, eine der besten Assassinen, wie mir berichtet wurde?“. „Ob ich die beste bin, darüber lässt sich streiten, aber es stimmt, ich bin Noir. Ich bin Mitglied eines geheimen Ordens, der sich geschworen hat abtrünnige Zauberer zur Strecke zu bringen.“ Die Attentäterin sprach mit kalter und fester Stimme, wirkte aber nicht bedrohlich. „Freut mich eure Bekanntschaft zu machen“ sagte Telenor. „Wir übernachten heute in einem Gasthaus hier in Naragath. Mein Bud-get reichte leider nur für ein Zimmer, wir sind also gezwungen uns ein Quartier zu teilen“. „Ich ha-be selbst einige Goldmünzen dabei. Ich nehme mir mein eigenes Zimmer“ sagte sie schnell und bestimmt. Also gingen sie wieder hoch zur „Waffenkammer“. Während sie hochgingen, bemerkte Telenor unter den Ärmeln des Reiseumhangs einen leichten Metallschimmer. Er konnte sich denken was es war. Schon oft hatte er von den Assassinen gehört, die Schrecken aller bösen Magier, sie trugen spezielle Krallenartige Klingen, die sie wie einen Handschuh über ihr Handgelenk streifen konnten. Schnell mussten diese Waffen sein, dachte sich Telenor. Der Angriff kam direkt mit der Faust, während bei Schwertern und ähnlichem der ganze Arm erst einmal ausholen musste um zu-schlagen zu können. Außerdem fiel Telenor auf, das unter dem Umhang von Noir eine lange Aus-beulung zu sehen war. Anscheinend trug sie auch noch ein Schwert.
„Wie geht’s weiter?“ fragte Noir, als sie zu der stockfinstere Hauptstraße kamen. „Immer mir nach“ rief Telenor, der ein wenig hinter ihr gegangen war und sie jetzt überholte. Auf der Hauptstraße brannte nur wenig Licht, die paar Fackeln an den Hauswänden reichten nicht ganz aus um die Stra-ße komplett zu beleuchten. Telenor versuchte ein Gespräch: „Ihr wollt also nach Duncraig? Darf ich fragen was ihr dort wollt?“ Ein dämlicher Anfang für ein Gespräch dachte sich Telenor, aber er war schon ziemlich müde und etwas Besseres fiel ihm momentan nicht ein. „Über meinen Auftrag rede mit niemandem“ bekam er nur als Antwort zurück. Ob wohl alle Attentäterinnen so kühl waren?
Als sie in der Waffenkammer ankamen, fiel Telenor ein, das Noir ja noch ein Zimmer brauchte. Der Wirt hatte zum Glück noch eines und so ging jeder in sein Zimmer um sich auszuschlafen.
Die Sonne war wohl schon seit geraumer Zeit aufgegangen, als Telenor von ihr geweckt wurde. Er stand auf, zog sich an und ging die große Wendeltreppe hinunter. „Ah, ich hoffe ihr habt gut ge-schlafen?“ Der Wirt kam sofort auf ihn zu und war natürlich fröhlich wie immer. „Ganz gut, danke der Nachfrage“. An einem Tisch in der Ecke saß auch schon Noir. Sie schien ihn gar nicht zu be-merken, sondern sich ihrem Frühstück zu widmen. Telenor setzte sich ihr gegenüber an den Tisch und aß sein Frühstück, das er vom Wirt bekommen hatte. „Woher wisst ihr dass ich nach Duncraig muss?“ kam es plötzlich aus ihr heraus. Telenor brauchte ein bisschen um zu verstehen, dann sagte er: „Ach, das meint ihr. Tja, ich habe eben auch so meine Aufträge.“ Er grinste. Einer Frau wie Noir würde es bestimmt nicht gefallen, dass man ihre Fragen nicht beantwortet. „Macht euch nicht über mich lustig und erzählt mir woher ihr das wusstest“ zischte sie ihn an. „Also gut“, Telenor befürch-tete das sie ihm die Kehle aufschlitzte wenn er es nicht sagte. „Ich habe den Auftrag euch hier in Naragath abzuholen und sicher nach Duncraig zu bringen. So steht es in meinem Auftrag.“ „Sagt mir wer euch den Auftrag gegeben habt, sofort!“ „Hey, Moment mal, ich verrate doch nicht meine Auftraggeber. Nur über meine Leiche.“ Noir schaute ihn mit einem eiskalten stechenden Blick an, lies dann aber doch von ihm ab. Traute diese Frau überhaupt noch jemandem?
Als sie mit dem Essen fertig waren, nahmen sie ihre Sachen aus den Zimmern, fragten beim Wirt nach Telenors Pferd und verabschiedeten sich dann bei ihm. „Also, auf geht’s.“ meinte Telenor als sie das Stadttor passierten. Er lies Noir hinter sich aufsitzen und ritten dann zurück in Richtung des Osttores von dem Telenor nach Naragath gekommen war. „Wie lange brauchen wir bis wir dort sind?“, fragte Noir hinter ihm. „Wenn wir Glück haben zwei Tage, wenn wir Pech haben… keine Ahnung wie lange wir dann brauchen.“ „Was soll das heißen, wenn wir Pech haben? Wie meint ihr das?“ „Als ich gestern hier nach Naragath kam, hatte ich ein paar unliebsame Begegnungen. Dämo-nischer Art müsst ihr wissen.“ Er konnte Noirs Gesicht nicht sehen, doch die Kälte die von ihr aus-ging war fast zu spüren. Sie kamen gut voran. Zweimal hielten sie an kleinen Flüssen damit sie und das Pferd essen und trinken konnten. Telenor war neugierig auf das Schwert von Noir. Es hatte eine gebogene Klinge, war aber kein richtiges Säbel und kein wirkliches Schwert. Auch der Griff und der Handschutz waren merkwürdig. Zum einen war der Griff im Verhältnis zur Klinge sehr lang, jedoch war das Schwert- wenn es denn eines war- kein Zweihänder. Der Handschutz war aber noch merkwürdiger: Normale Schwerter hatten einen Flügel der zu zwei Seiten hin abstand. Bei diesem Schwert war er aber wie ein breiter Ring um das Schwert geformt. Telenor hakte nach: „Was ist das für ein seltsames Schwert das ihr da tragt? Es sieht aus wie Säbel und Schwert zugleich. So etwas habe ich noch nie gesehen.“ „Das ist ein Schwert, ein Katana, um genau zu sein“ antwortete Noir überrascht und klang diesmal überhaupt nicht kühl. Sie zog es aus der Scheide und zeigte es Tele-nor, behielt es aber immer noch in der Hand. „Das ist ein sehr schönes Schwert.“ Telenor hätte es gerne einmal in der Hand gehabt, aber Noir steckte es wieder in die Scheide zurück. Sie erzählte ihm dennoch viel über ihr Schwert. Es wurde von den Schmieden ihrer Ordensschwestern herge-stellt, tage- und nächtelang geschmiedet und Telenor erfuhr, das das Metall sehr viele Male gefaltet worden war und so stabil und leicht zugleich gemacht wurde. Das Schwert sah noch relativ neu aus, denn Noir verwendete es nur selten. „Ich benutze hauptsächlich meine Klauen“, meinte sie. Warum das Schwert selbst, der Griff und der Handschutz aber so anders geformt waren wie bei den ge-wöhnlichen Schwertern, dass konnte sie auch nicht erklären. Sie wusste lediglich dass der breite und ringförmige Handschutz in der Fachsprache „Tsuba“ genannt wurde.
Als sie langsam wieder Aufbrechen wollten, überlegte Telenor, wie sie nach Duncraig kommen wollten, wenn sie das Pferd wieder abgeben mussten. Sie waren im Hohen Norden und Duncraig war einer der südlichsten Punkte in ganz Sanktuario. Wenn sie zu Fuß gehen würden, bräuchten sie ein ganzes Jahr. Ihm fiel ein, dass die Amazonen eine beachtliche Handelsflotte haben und auch mal Passagiere mit an Bord nehmen. Doch Halt! Sie hatten nun fast kein Geld mehr und eine Schiffsfahrt von den Osttoren bis nach Duncraig würde sie ein Vermögen kosten. Dann fiel ihm noch Sonel ein, den Barbaren, den er vor den Harpien gerettet hatte. In Elekrak wohnte Sonel, so-viel wusste Telenor noch, aber wo lag das? Er beschloss Noir erstmal nichts davon zu erzählen und hoffte ihm würde etwas einfallen bis sie das Pferd wieder abgeben mussten.
Als die Dämmerung langsam eintrat und sich Telenor und Noir nach geeigneten Plätzen für eine Übernachtung suchten, entdeckten sie einen kleinen Felsvorsprung, unter dem sie vor Regen gut geschützt waren. Noir bastelte noch etwas aus mehreren Drähten und kleinen Ästen. Telenor fragte warum und Noir erklärte ihm, das diese Fallen eventuelle Feinde mit starken Stromstößen vertrei-ben soll. Sie hielt noch eine ihrer Klauen an die Fallen und nacheinander luden sie sich mit elektri-scher Energie auf.
Am nächsten Morgen bestand Telenor darauf früh loszuziehen. Das Pferd musste heute abgegeben werden und eine Verspätung konnte er sich nicht leisten. Der Ritt dauerte etwa sechs Stunden und als sie am Osttor ankamen war Telenor erschöpft und erleichtert zugleich. Der Stallmeister sah sie schon von weitem. „He ihr da!“ rief er. „Das Pferd müsst ihr heute abgeben“ „Ich weiß“, sagte Te-lenor als er näher kam und übergaben dem Stallmeister die Zügel. „Es hat gute Dienste geleistet, dein Pferd. Pass gut darauf auf“. Telenor nahm noch seine und Noirs Sachen, die sie in den Sattelta-schen verstaut hatten, vom Pferd und ging mit ihr von dannen.
„Äh, Entschuldige mal“, fragte Noir. Die beiden hatten ausgemacht, dass sie sich duzten. „Was denn?“, fragte Telenor seinerseits. „Wie wollen wir jetzt nach Duncraig kommen, so ganz ohne Pferd?“ Telenor blieb das Herz stehen. Diese Frage hatte er befürchtet. „Öhh, jaaaaa, also das ist so weißt du, ich äääähhhh“ Er sah sich schon auf Noirs Krallen aufgespießt, als ihm der rettende Zufall zu Hilfe kam: „Hey Telenor!“ Ein großer Barbar kam angerannt und obwohl er seine blau-weiße Kriegsbemalung trug, erkannte ihn Telenor sofort wieder. „Hallo Catanos“, erwiderte Telenor, dem Catanos noch gut vertraut war. „Was machst du hier? Musst du nicht bei den anderen sein und auf-passen, dass niemand eure Länder betritt?“ „Ich hab’ keine Zeit das zu erklären, Telenor. Du und Noir, ihr zwei müsst mitkommen und zwar sofort“ „Woher…“, begannen Noir und Telenor gleich-zeitig. „Ich weiß schon über alles Bescheid“ Catanos sprach schnell, fast aufgeregt und die beiden merkten das etwas wichtiges passiert sein musste. „Kommt mit“, sagte Catanos. „Jemand will euch sehen“
„Du kennst ihn?“ fragte Noir neugierig, als sie Catanos hinterher gingen. „Ja, aber nur flüchtig. Ich würde gerne wissen wo er uns hinführt“ Catanos ging in eine Seitengasse, bog dann scharf rechts ab und dann gleich wieder links. Catanos führte sie durch ein wahres Labyrinth aus Häusern und Gas-sen, bis sie zu einer kleinen Tür kamen. Catanos klopfte und sofort öffnete sich ein Guckloch. „Lass uns rein, wir werden erwartet“ Sie hörten das Klicken des Schlosses und die Tür öffnete sich. Sie waren in einem Turm, soviel konnten sie erkennen. „Warum sind wir hier?“ wollte Noir wissen. „Kommt einfach mit“ war die einzige Antwort, die sie bekam. Sie folgten Catanos eine große Wen-deltreppe hinauf, bis sie schließlich vor einer schweren Eisentür halt machten. „Ist das hier euer Verlies? Hey Moment mal, ich hab’ das Pferd rechtzeitig abgegeben und auch sonst…“ Catanos unterbrach ihn. „Nicht doch. Das ist nicht das Verlies, sondern hier hält sich unser Ältester auf, wenn er hier ist“ Er öffnete die Tür und sie traten ein.
Der Raum indem sie standen, war kreisrund und- trotz eines kleinen, vergittertem Fenster- fast komplett dunkel. An einem kostbaren Tisch saß ein alter Mann auf einem mit wertvollem Fell be-zogenem Stuhl und neben der Tür standen zwei Barbaren mit jeweils einer Hellebarde in der Hand und einem Schwert in der Scheide. Beide trugen die Rüstung eines Ratwächters, einer Leibwache des Hohen Rates von Harrogath. „Catanos wer ist das?“ fragte Telenor. „Wie, du weißt nicht wer das ist? Aber du musst ihn doch schon mal gesehen haben, als er deine Urkunde …“
Weiter kam er nicht, denn der alte Mann räusperte sich und trat aus dem Schatten hervor. Und jetzt erkannte ihn auch Telenor: „Ord Rekar, der Älteste von Harrogath. Es ist mir eine Ehre.“ Er tat eine hastige Verbeugung und Noir tat ihm gleich.
Nachdem sie sich wieder erhoben durften, erklärte ihnen Ord Rekar warum er sie eigentlich hier in den Stadtturm bestellt hatte. „Es gibt schlechte Nachrichten im Osten“, fing Ord Rekar an. „Wir hatten vor längerer Zeit Späher ausgesandt, die mir über die Lage im Osten Bericht erstatten sollten. Von den 15 die ich aussandte, kamen 9 in die tieferen Gebiete im Osten. Vor 7 Tagen kam einer der Späher schwer verwundet zurück und berichtete mir, er wäre der einzig noch Überlebende. Mit letz-ter Kraft schilderte er mir wie die anderen Späher umgekommen sind und übergab mir eine küm-merliche Nachricht. Der Osten wäre von Dämonen besetzt, stand da mit Blut geschrieben. Er starb daraufhin in meiner Halle.“ Ord Rekars Mine verdüsterte sich. „Ich, die Könige einiger großer Kö-nigreiche sowie einige Organisationen in ganz Sanktuario sind der Meinung, dass es das Beste ist, wenn jeweils ein hohes Mitglied von diesen Vereinigungen eine Gruppe bildet und in den Osten vorstößt. Nun, Telenor und Noir, ihr seid zwei von insgesamt acht Mitgliedern dieser Gemeinschaft. Telenor, du vertrittst das Königreich Westmark und Noir du gehst stellvertretend für deinen Orden nach Osten.“ „Ich bin auch noch dabei“, meldete sich Catanos hinter ihnen. „Ach ja, stimmt, jaja. Ich vergaß. Catanos wird sich euch anschließen und die Barbaren- Hochländer vertreten“.
„Hey Moment mal, so geht das aber nicht“, beschwerte sich Noir. „Ich habe einen ganz anderen Auftrag zu erfüllen und werde keinen anderen annehmen, bevor ich meine eigentliche Mission nicht beendet habe.“ „Ich weiß, ich kenne deinen Auftrag. Du musst nach Duncraig, nicht wahr?“ „Wo-her wisst ihr das?“ fragte sie spitz. „Deine Ordensführerin und ich haben miteinander gesprochen, als sie vor zwei Monaten nach Harrogath kam. Sie hatte dich als Mitglied der Gruppe auserwählt und hatte vor, dich nach Duncraig zu schicken. Dort sollte sich die komplette Gruppe zusammen-finden, doch unsere Zeit wird knapp. Vereinzelte Dämonen sind bereits im Westen gesichtet wor-den. Deshalb haben wir den Plan geändert. Ihr drei sollt nun von hier aufbrechen und die anderen Mitglieder sozusagen einsammeln.“
Ein längeres Schweigen trat ein, indem sich jeder die Worte von Ord Rekar noch einmal durch den Kopf gehen ließ. Schließlich brach Telenor das lange Schweigen: „Wieso sollen ausgerechnet wir in den Osten gehen und wohin dort überhaupt?“ „Nun, wie ich bereits sagte, von meinen Spähern kehrte nur einer lebendig zurück und selbst er starb in meiner Halle. Ich habe alle anderen großen Führer und Könige kontaktiert und sie haben meinem Vorschlag zugestimmt, dass jeder von ihnen einen ihrer besten Leute gemeinsam in einer Gruppe losschickt, um die Lage im Osten zu erkunden. Wenn es meine Späher nicht schaffen, dann vielleicht ein Zusammenschluss von den besten Krie-gern der größten und mächtigsten Reiche in Sanktuario.
Aber da ist noch etwas. Ihr kennt doch sicherlich die alten Horadrim, oder? Nun, wenn ich mich recht erinnere, hatten die Horadrim einmal einen sehr bekannten Propheten, dessen Name mir leider entfallen ist. Inzwischen ist dieser Prophet längst tot, allerdings hat er einmal eine Vision gehabt, kurz bevor sein Volk unterging. Diese Vision handelte von unserer jetzigen Situation, nämlich das der Feind im Osten wächst, aber niemand ihn kennt oder genaueres sagen kann. Unser alter Ho-radrim- Prophet hat ihn in seiner Vision gesehen und alles niedergeschrieben, wer er ist, wie man ihn bekämpft und so weiter. Es wird die Aufgabe der Gruppe, sprich also von euch, sein die östliche Lage auszukundschaften und nach Möglichkeit die Aufzeichnungen des Propheten zu finden und nach Harrogath zurückzubringen.“
Ord Rekar tat sich schwer nach dieser langen Erzählung. Trotzdem ließen Telenor und Noir nicht locker. „Wer wird noch zu unserer Gruppe stoßen?“ wollte Telenor wissen. „Insgesamt werden es acht sein. Du, Telenor für Westmark, Noir für ihren Geheimorden und Catanos für uns. Weiterhin kommen noch fünf weitere dazu. Ein Paladin, Arthur ist sein Name. Er kommt um die Kirche der Zakarum zu vertreten. Dann wurde uns Zerae versprochen, eine Amazone von den Amazonenin-seln. Wie man mir versichert hat, ist sie sehr geschickt im Umgang mit Speer und Bogen. Unsere Verbündeten, die Druiden von Scosglen stellen uns außerdem Alchimetrix zur Verfügung. Dann kommt uns noch der Orden der Rhamat zu Hilfe.“ Telenor war bei diesen Worten nicht begeistert. Seine letzte Zusammenarbeit mit einem Totenbeschwörer vergisst er so schnell nicht wieder. Ord Rekar machte weiter im Text: „Das letzte Mitglied der Gruppe ist eine Anhängerin des Zann- Esu Clans. Sie ist eine Zauberin und heißt Yatira.“
Diesmal meldete sich Noir zu Wort: „Eine Zauberin?“ fragte sie mit unheilvoll klingender Stimme. „Keine Sorge, sie ist hundertprozentig auf unserer Seite und ihr Clan genießt den Ruf immer dem Guten gedient zu haben“ erklärte ihr Ord Rekar. „Das will ich hoffen, denn ansonsten ist sie schnel-ler tot als sie uns verhexen kann“ zischte sie eiskalt.
„Wo werden wir eigentlich die anderen finden? Und wissen die überhaupt, dass sie sich uns an-schließen sollen?“ fragte Catanos. Ord Rekar antwortete: „Die anderen Mitglieder der Gruppe wis-sen bereits, dass sie sich nicht in Duncraig treffen werden und wer der Gruppe angehört. Was sie nicht wissen ist, wo sie euch treffen sollen. Yatira, deren Clan sich im Osten befindet, wartet in Ku-rast auf euch, soviel ist sicher. Die anderen werden versuchen euch auf eurem Weg nach Osten ab-zupassen, beziehungsweise sie warten wahrscheinlich in anderen größeren Orten auf euch. Alchi-metrix ist, soviel wurde mir berichtet, schon auf dem Weg nach Lut Gholein. Er kam hier durch, als du in Naragath gewesen bist, um Noir abzuholen, Telenor. Zu der Zeit war ich auch noch nicht hier, ansonsten hätte ich ihn angehalten auf euch zu warten.“
„Dann dürfen wir also keine Zeit verlieren?“ wollte Noir wissen. „Richtig“ antwortete Ord Rekar. „Frische Pferde stehen zu eurer Verfügung, ebenso Proviant. Doch für Waffen und Rüstungen ist die Zeit zu knapp. Am besten reitet ihr noch heute nach Lut Gholein und holt unterwegs Alchi-metrix ein.“
Es war schon fast Mittag, als sie aufbrachen. Im schnellen Tempo verließen sie das Osttor der Bar-baren- Hochländer. Sie ritten weiter über die steinigen Tundren, bis sie zu den grünen Wiesen der Westlichen Königreiche kamen. Auf einem großen, grünen Hügel machten sie kurz halt.
„Haben wir uns verirrt?“ wollte Catanos, der noch nie außerhalb der Hochländer gewesen war, wis-sen. „Ich dachte Lut Gholein liegt mitten in einer riesigen Sandwüste. Wie kommt es, das hier Gras wächst?“ „Auf dem Weg nach Lut Gholein müssen wir einen Teil der Gräserlandschaft von den Westlichen Königreichen durchqueren, das ist der schnellste Weg“ antwortete ihm Telenor.
Sie beschlossen die Reise ein wenig langsamer anzugehen. Alchimetrix hätten sie bestimmt schon eingeholt, bei dem Tempo das sie vorlegten. Bestimmt waren sie, ohne es bemerkt zu haben, ein-fach an ihm vorbei geritten und er würde sie in der nächsten Stunde einholen. Immer noch auf den Rücken ihrer Pferde, jedoch in Schritttempo, lernten sie sich alle etwas besser kennen und Catanos fragte viel über die Gegend, entfernte Königreiche und Ländereien. Telenor und Noir konnten ihm viele ihrer selbst erlebten Abenteuergeschichten erzählen, auf die er ganz besonders begierig war. Aber auch er selbst konnte einige hörenswerte Geschichten erzählen, die wiederum die beiden ande-ren in ihren Bann zogen.
An einem einsamen Baum, der ganz allein mitten auf einer Wiese stand, machten sie eine Rast. Sie aßen und tranken von dem Proviant, den ihnen Ord Rekar mitgegeben hatte.
Noir probierte etwas, das aussah wie ein kleines Stück Wurst. Zuerst nahm sie nur einen vorsichti-gen Bissen und als ihr es schmeckte, schob sie sich das ganze Stück in den Mund.
„Diese Wurst schmeckt gut, woraus wird sie gemacht?“ fragte sie Catanos, noch immer kauend. „Catanos warf einen Blick auf den Rest ihrer Wurst, den sie in den Händen hielt und fing auf ein-mal an zu Grinsen. „Was denn?“ wollte Noir wissen. „Das ist keine Wurst“ belehrte er sie und schluckte seinen letzten Bissen Apfel herunter. „Was soll das denn sonst sein?“ fragte Noir ein we-nig angesäuert und kalt, ganz so wie es ihre Art war. „Das ist gebratene Grubennatter, gefangen in den Steppen rund um den heiligen Berg Arreat.“ Erklärte ihr Catanos stolz. „Eine Delikatesse ohne-gleichen, schmackhaft und würzig, am besten fein abgeschmeckt mit einem kleinen Schuss Rum. Oder einem zarten Zitronenspritzer, von den Amazoneninseln, der tut’s zur Not auch.“ Doch Noir hörte ihn nicht mehr. Schon beim ersten Satz hatte sie angefangen die Schlange auszuspucken und auszuwürgen. „Bähh, das ist ja widerlich. Wie kann man nur so etwas essen?“
„Also MIR schmeckt es gut“ ließ Telenor sie wissen. Er wusste sofort, was er da in der Hand hielt, als er sein Paket Schlange aufmachte. „Genau, mir nämlich auch“ meckerte Catanos beleidigt und riss ihr den Rest der Grubennatter aus der Hand. „Wer mein Lieblingsessen beleidigt, hat es nicht verdient davon zu essen.“
„Ihr seid widerlich, alle beide“ war das einzige was Noir dazu zu sagen hatte. „Hast du auch nur die leiseste Ahnung, wie schwer es ist, eine Grubennatter zu fangen?“ fragte Catanos. „Ich will’s gar nicht wissen“ erwiderte sie, spuckte die letzten Reste Schlange aus und spülte sich die letzten Reste mit einem kräftigen Schluck Wein herunter. „Dieses ekelhafte Gefühl, eine Schlange im Mund zu haben werde ich bestimmt nicht so schnell los.“ „Frauen …“ meinte Telenor leise zu Catanos, die beiden waren schon ein kleines Stück vorausgeritten. „Das habe ich gehört!“ rief Noir den beiden zu und holte auf.
„Hör auf zu meckern und komm endlich“ rief Catanos über seine linke Schulter. Währendessen suchte er die Hügelige Gegend mit seinem Auge ab. „Keine Spur von diesem Alchimetrix“ meinte er schließlich. „Ob er uns doch noch voraus ist?“ „Das glaube ich nicht“ meinte Telenor. „Wir ha-ben ein derartiges Tempo vorgelegt, dass wir ihn eigentlich schon vor uns sehen müssten, mindes-tens“ Sie ritten weiter ihm schnellen Trab.
Eine Weile später bohrte Noir nach: „Aber hat Ord Rekar nicht gesagt, das Alchimetrix sich schon auf den Weg nach Lut Gholein gemacht hat, als du mich in Naragath abgeholt hast? Und wer weiß, vielleicht ist er ein guter Reiter und schneller als wir glauben. Immerhin ist er ein Druide.“ Das klang einleuchtend. Ein Druide hat einen sehr guten Umgang was Tiere angeht, soviel steht schon mal fest. Vielleicht hatte er die Gruppe beim Osttor verpasst und reitet jetzt wie der Teufel hinter ihr her. Es könnte ja sein, dass er die drei einzuholen versucht und das er denkt, er liege weit zurück. Das würde bedeuten, dass der Abstand zwischen ihnen und Alchimetrix immer größer werden wür-de.
„Ach ich habe keine Ahnung“ klagte Telenor. „Ob vor uns, oder hinter uns, wenn er vor uns in Lut Gholein ankommt und merkt, dass wir noch nicht da sind, wird er auf uns warten. Andersrum war-ten wir halt auf ihn. So einfach ist das.“ Damit gaben sich die anderen zufrieden. Sie würden ihn auf diese Weise schon finden, da waren sie sich alle ganz sicher.
Am späten Nachmittag ließen sie, um die Pferde zu schonen, diese im Schritttempo neben sich her-laufen. Und als sie sich schon einmal Gedanken über ihr Nachtlager machten, bemerkten sie fast gar nicht, dass sich die Landschaft um sie herum ganz allmählich veränderte. Die Wiesen waren noch da, jedoch nicht mehr so saftig und grün wie sie es noch am Morgen gewesen waren. Es zogen sich vereinzelt Streifen gelben Grases und Steine durch das langsam abnehmende Grün. Hier und da konnten sie mal einen Baum erspähen, doch auch die wurden immer seltener. Sie beschlossen am nächsten Baum die Pferde anzubinden und auch dort ihr Nachtlager aufzuschlagen. Als sie einen Baum fanden, eine abgemagert aussehende, alte Buche, waren sie alle froh sich endlich ausruhen zu können. Gerade als Telenor sein Pferd festmachen wollte, hörte er ein scharfes Krächzen, das sich schnell wiederholte. Er wollte gerade ausmachen, woher dieses Geräusch kam, doch Noir war schneller als er. „Da!“ rief sie und stieß mit dem Finger in die Luft. Ein einzelner, schwarzer Rabe kreiste über ihnen und landete überstürzt auf einem Ast. „Was macht denn ein einzelner Rabe hier im Nirgendwo?“ wollte Catanos wissen. Die Antwort kam sofort: Eine Art Vision packte Telenor. Verschwommene Bildfetzen schwirrten in seinem Kopf umher. Er sah eine Wiese, ganz ähnlich wie die, auf der sie standen. Moment mal, das war die Wiese auf der sie standen. Jetzt sah er mehrere Menschen auf der Wiese. Nein, es war ein einzelner Mensch, der Rest waren Dämonen. Sieben Stück zählte er. Jetzt konnte er sehen, wie sie den Menschen attackierten, ohne Erfolg, aber trotz-dem brachten sie ihn ganz schön in Bedrängnis. Bogenschützen feuerten auf den Druiden, den man inzwischen recht gut erkennen konnte.
„Helft mir!“ drang eine widerhallende Stimme durch Telenors Kopf. „Bitte helft mir!“
Dann war die Vision zu Ende. Telenor drehte sich zu seinen Gefährten um. Sie schienen das gleiche gesehen zu haben wie er, den sie waren auch ziemlich geschockt und verwirrt. „Das muss Alchi-metrix sein!“ sagte Catanos hastig, der zuerst seine Worte wieder gefunden hatte. „Ja, stimmt, das muss er sein“ stimmte ihm Telenor zu, immer noch ein wenig verwirrt. Und dann zum Raben: „Bring uns zu ihm, rasch!“ Schnell saßen sie wieder auf und folgten dem Raben, der seine Flügel ausgebreitet hatte und voraus flog. Nach wenigen Sekunden im rasanten Galopp sahen sie den Ra-ben über einer Stelle kreisen und als sie den letzten Hügel überquerten, sahen sie das Geschehen: Eine kleine Horde Dämonen griffen einen Druiden an, der vermutlich Alchimetrix war. Vier von ihnen verwickelten ihn in den Nahkampf, hielten jedoch Abstand, um nicht von den Pfeilen der drei anderen Dämonen getroffen zu werden, die unablässig auf den Druiden feuerten. Sein Pferd lag bereits tot im Gras, es war mit nicht gerade wenigen Pfeilen gespickt.
„Ihr zwei nehmt euch die vier da unten vor!“ bestimmte Telenor und nickte in Richtung der vier abtrünnigen Jägerinnen, die den Druiden angriffen. „Ich hol mir die Bogenschützen!“ „Okay, los geht’s!“ rief Catanos, mit einer Mischung aus Fröhlichkeit, weil er Dämonen erschlagen konnte und ein wenig Besorgnis über den Druiden. Während die beiden mit gezogenen Waffen und im vollen Galopp auf die Jägerinnen zustürmten, nahm Telenor seinen Bogen und zog einen Pfeil aus dem Köcher. Die Bogenschützen waren vielleicht fünfzig Meter entfernt, also ein ziemlich leichtes Ziel. Er ließ den ersten Pfeil von der Sehne und der mittlere Bogenschütze hielt sich den Bauch und seine Waffe glitt ihm aus der Hand. Ein klarer Volltreffer! Inzwischen hatten die anderen beiden jeweils eine abtrünnige Jägerin aus dem Verkehr gezogen. Der zweite Pfeil Telenors verfehlte sein Ziel, aber unbeirrt davon flog auch schon der dritte seinem Ziel entgegen, was wie ein Kopfschuss aus-sah, soweit Telenor das beurteilen konnte. Verunsichert von den Verlusten seiner Kameraden wuss-te der letzte feindliche Bogenschütze nicht, wen er jetzt angreifen sollte: Entweder Telenor, der ihn schon ins Visier nahm, oder die drei Gestalten unterhalb des Hügels, die bereits mit den anderen Jägerinnen reinen Tisch gemacht hatten. Er entschied sich für Telenor und feuert seinen Pfeil ab, der sein Ziel jedoch verfehlte. Telenor traf seinen Feind an der Schulter, jedoch war dieser noch nicht tot, sondern kreischte laut auf. Der nächste Pfeil ließ ihn verstummen.
Telenor entspannte seinen Bogen wieder und verstaute ihn im Gepäck. Dann ritt er herunter zu den anderen, die sich bereits miteinander unterhielten.
„Telenor, das ist Alchimetrix“ erklärte ihm Noir, als er angeritten kam. Alchimetrix hatte lange, rotbraune Haare, die er zu einem Zopf über seinen Rücken zusammengebunden hatte. Er trug eine leichte Fellrüstung, die aus mehreren Tieren zu bestehen schien. Seine linke Schulter wurde durch eine gewaltige Bärentatze geschützt. Bewaffnet war er mit einer Dornenkeule und einem Rund-schild. „Seid mir gegrüßt, meine Helfer. Wie ich sehe hat mein Rabe euch gefunden.“ „Ja, das hat er in der Tat und wir sind froh dass wir euch gefunden haben, Alchimetrix. Wir wussten nicht ob ihr hinter uns oder wir hinter euch waren.“ Telenor stieg von seinem Pferd. „Auf jeden Fall haben wir uns gefunden, das ist die Hauptsache.“ Während des Gesprächs mit Alchimetrix ertönte plötzlich von dem Hügel, auf dem die Bogenschützen standen, ein fürchterlich lautes und grässliches Weh-klagen. Einer der Bogenschützen hatte wohl doch noch überlebt. „Bin gleich wieder zurück“ sagte Telenor, zog eins seiner Schwerter und ritt dem Gejammer entgegen.
Danach unterhielten sie sich noch eine Weile mit Alchimetrix, der recht freundlich und ausgegli-chen zu sein schien, denn seinen Schock vom Überfall der Dämonen schien er schnell überwunden zu haben. „Ich hab nur gemerkt, wie sie mein Pferd abgeschossen haben und wie dann die anderen auf mich losgestürmt sind. Na ja, ich habe dann meinen Raben beschworen, der euch suchen und zu mir führen sollte. Und ihr seid also diejenigen, von denen mir berichtet wurde. Telenor, Noir und Catanos; stimmt doch, oder?“ „Ja das ist richtig“ antwortete Telenor, der gerade zurückgekommen war. „Weißt du von unserem Auftrag?“ wollte Noir wissen. „Ja. Ich weiß dass sich der Feind im Osten sammelt und wir die Lage auskundschaften sollen. Außerdem scheinen sich die Dämonen wieder zu verbreiten.“ Alchimetrix nickte in Richtung der toten Dämonen im Grass.
„Wie hattet ihr vor in den Osten zu gelangen?“ wollte er weiter wissen. „Wir hatten vor nach Lut Gholein zu reiten und von dort aus dann mit dem Schiff nach Kurast überzusetzen“ ließ ihn Catanos wissen. „Wenn wir erstmal dort sind, treffen wir hoffentlich auf Yatira. Vielleicht kann die uns mehr über den Osten sagen.“
Sie schlugen ihr Nachtlager auf. Beim Lagerfeuer machen gab es Probleme. Sie hatten kein Holz mit dabei und ohne dies ging es nun mal nicht. Catanos schlug vor, mit seiner Axt den Baum zu fällen, an dem der Rabe die drei gefunden hatte. Erstaunlicherweise hatte Alchimetrix nichts dage-gen, wenn sie einen Baum fällten. „Dieser Baum ist schon seit langem tot“ ließ er die anderen wis-sen. Es dauerte auch nicht lange, bis Catanos mit einigen großen Ästen zurückkam. Bald hatten sie genug Holz, um das Feuer ein paar Stunden lang brennen zu lassen. Auf einem sandigen Streifen legten sie alles auf den Boden. Telenor und Noir suchten die Wiese nach kleineren Ästen ab, die als „Anmachholz“ dienen sollten und als alles vorbereitet war, ließ Alchimetrix einmal seinen Feu-ersturm los und das Feuer brannte und wärmte sie alle. Als sie alle gemütlich schwatzend beim La-gerfeuer saßen, warf Alchimetrix die Frage in die Runde wie lange sie denn bis nach Lut Gholein brauchen würden. „So ungefähr sieben bis acht Tage, wenn wir immer an der Küste entlang reiten“ antwortete ihm Telenor. „Sieben bis acht Tage?“ Alchimetrix schien entsetzt. „Und ganz alleine nehme ich an.“ „Natürlich ganz alleine oder kennst du einen anderen Weg?“ wollte Noir wissen. „Bei uns in Scosglen erzählte man mir, das mehrere Karawanen Lut Gholein aufsuchen. Und erfah-rene Karawanen kennen bekanntlich immer den kürzesten Weg. Wenn wir Glück haben, könnten wir uns einer anschließen.“ Alchimetrix guckte viel sagend in die Runde. „Na was ist?“ fragte er mit Nachdruck, als ob er irgendetwas erwartete. Irgendein `Gute Idee Alchimetrix, du bist ein schlaues Kerlchen’ oder dergleichen. Stattdessen fragte Catanos:
„Bist du besoffen oder was?“ Alchimetrix stutzte und fragte was sie denn alle hätten. „Die Karawa-ne die du meinst, reist immer von den Westlichen Königreichen über das Kloster der Jägerinnen vom Verborgenen Auge bis hin nach Lut Gholein. Wusstest du das etwa nicht? Die kennt nämlich jedes Kind. Die verlässt Lut Gholein in westlicher Richtung. Die kommt nicht mal in unsere Nähe“ Telenor konnte nicht fassen, was er da hörte. Ein Druide der als Kriegerelite seines Volkes galt, wusste nichts von der Handelsroute der bekanntesten Karawane von ganz Sanktuario. Noir führte Telenors Ausführungen fort: „Zu Zeiten der großen Magierkriege musste die Karawane ihre Route ändern und sie kam schließlich in die Westlichen Königreiche. Hier entdeckten sie neue, bessere Handelspartner und andere Ware, die sie in Lut Gholein und anderswo sehr gut an den Mann brin-gen konnten. Seitdem verkehrt diese Karawane nur noch zwischen Lut Gholein und den Entsteig.“ Alchimetrix schwieg, sein Gesicht war wie eingefroren. Dann, ganz langsam fing er an zu lachen. Zuerst ansatzweise, dann immer schneller und lauter. „Ich glaube er ist wirklich besoffen“ meinte Catanos mit viel sagendem Blick zu Telenor und Noir. „Nein, nein, nein“…. Der Druide bekam sich langsam wieder in den Griff. „Diese Karawane, die nur von Lut Gholein, durch die Wüste, über den Pass und dann nach Entsteig reist, die kennt doch nun wirklich jeder. Ich spreche von der Ka-rawane, die von Lut Gholein aus mit dem Schiff nach Kurast, dann dem Fluss Argentek folgt und schließlich nach Scosglen kommt.“ Alle sahen sich an. Von so einer Karawane hatte anscheinend noch nie jemand etwas gehört. „So eine Karawane kenne ich gar nicht“ meldete sich Noir zu Wort. „Und du bist sicher, dass es eine aus Lut Gholein ist?“ „Natürlich“ versicherte Alchimetrix. „Ich habe sie einmal gesehen, als sie durch unseren Hain reisten. Sie hatten Waffen, Stoffe, exotische Tiere, Rüstungen und Gewürze dabei. Diese Karawane gibt es, das könnt ihr mir glauben. Ich habe mir gedacht, dass wir vielleicht mit ihr bis nach Kurast reisen könnten. Wenn uns das Glück hold ist, könnten wir sie sogar auf ihrem Rückweg von Scosglen nach Lut Gholein abpassen und mit ihr in die Wüstenstadt reisen. Ich bin mir sicher, wir würden mindestens zwei Tage einsparen.“
Alle sahen sich an. Diese Karawane kannte anscheinend wirklich niemand aus ihrer Runde. Alchi-metrix lügte anscheinend auch nicht. „Hast du eine Ahnung, welchen Weg diese Karawane nach Lut Gholein nehmen wird?“ fragte Noir. „Nun ich denke mir, dass sie den kürzesten Weg nehmen wird. Und der kürzeste Weg verläuft nun mal entlang der Küste, würde ich sagen. Aber ich habe gehört, dass der Pfad an der Küste sehr gefährlich sein soll. Viele steile Klippen und ne Menge Treibsand und so’ n Zeug. Vielleicht nimmt sie auch den etwas längeren Weg. Der ist aber genauso gefährlich, würde ich sagen, ich hab da was von Banditenüberfällen und Monster gehört. All so ein Zeug, was man nicht zum Tee einlädt, versteht ihr?“ Alchimetrix holte eine Karte von ganz Sanktu-ario aus seiner Fellrüstung. „Hey, wo hast du die denn her?“ wollte Catanos wissen. „Na ja, wir haben halt gute Kartographen bei uns in Scosglen. So eine Karte ist nicht schwer zu zeichnen.“ Mit dem Zeigefinger reisten sie auf der Landkarte herum und diskutierten, welcher Weg nach Lut Gho-lein denn nun der Beste wäre. Sie redeten noch bis spät in die Nacht und entschieden dann alle, die alte Handelroute der Karawane einzuschlagen, in der Hoffnung mit ihr reisen zu können.
Als sie am nächsten Morgen aufwachten, war die Sonne schon aufgegangen. Es dauerte ein wenig bis sie weiterreiten konnten, da Alchimetrix, der fortan ihr Navigator war, mit Kompass und Karte die Himmelsrichtung und somit ihre Route bestimmen musste. Der Ritt war im Vergleich zu den vorangegangenen Kämpfen recht Ereignislos. Nur Pflanzen, Gräser und Bäume säumten ihren Weg. Die Karawane war aber weit und breit nicht in Sicht. Es hätte sie aber auch alle gewundert, wenn sie über eine so weite Strecke eine kleine Karawane aufspüren könnten. Was Telenor aber noch viel stärker Sorgen machte, war die Tatsache, dass sie keine Ahnung hatten, wo sie die anderen Mitglie-der treffen sollten. Gut und schön, Ord Rekar hatte ihnen einen Tipp gegeben, das Alchimetrix ih-nen Voraus war und ihn hatten sie ja auch gefunden- oder vielmehr er hatte sie gefunden, aber wie sollte es weitergehen? Wegen einem aufgespürten Gruppenmitglied wollte er sich keine großen Hoffnungen machen.
Hoffnungen setzte er in Lut Gholein. Lut Gholein war eine große, bekannte Stadt am Meer und mit-ten in der Wüste gelegen. Man nannte sie auch das ‚Juwel der Wüste’. Mit etwas Glück würden sie die restlichen Gruppenmitglieder dort finden.
Sie ritten nun schon seit 3 Stunden im schnelleren Trab, als Noir auf die Idee kam, dass Alchimetrix seine Raben losschicken könnte um die Karawane zu suchen. Also beschwor Alchimetrix seine Ra-ben und schickte sie los. Und als sie davonflogen, erklärte Alchimetrix noch wie er mit den Raben in Kontakt blieb, wie er sehen konnte was sie sahen und wie das alles mit der geistigen Gedanken-übertragung ablief und so weiter und so fort, doch keiner von ihnen verstand es. Gegen Mittag ras-teten sie. Sie unterhielten sich über ihren Auftrag, die Leute die noch dazukommen sollten. Sie wa-ren nun vier an der Zahl: Telenor aus den Westlichen Königreichen, Noir, die nicht sagen wollte, aus welchen Land sie kam, Catanos aus den Hochländern und Alchimetrix aus Scosglen. Es fehlten also noch die Amazone Zerae, der Paladin Arthur, die Zauberin Yatira und ein Totenbeschwörer, dessen Namen sie nicht kannten.
Arthur und Yatira würden sie höchstwahrscheinlich in Lut Gholein antreffen. Ord Rekar sagte, dass der Rest der Gruppe ihnen entgegenreisen würde und da die beiden aus Kurast kamen, müssen sie mit dem Schiff nach Lut Gholein, der größten Hafenstadt an der Ostküste des Zwillingsmeeres- und auch die einzigste. Wo sie aber Zerae und den Totenbeschwörer finden sollten, das wusste keiner von ihnen. Vielleicht hatten sie Glück und sie würden ihnen ganz zufällig über den Weg laufen. Eventuell würden sie auch Zerae in Lut Gholein finden, denn Ord Rekar sagte ja auch, dass sie von den Amazoneninseln kommen würde.
Am späten Nachmittag kamen schon die ersten Anzeichen, das die Wüste nicht mehr weit war. Die Landschaft wechselte langsam ihre Farbe und war nun nicht mehr so sattgrün wie am Anfang ihrer Reise und auch die Gräser wurden dünner und gelber, genau wie die Bäume. Die folgenden 3 Tage geschah absolut überhaupt nichts. Sie ritten durch nunmehr zerfurchte Landschaft. Sie hatten weder die Karawane noch einen der anderen Mitglieder gefunden. Alchimetrix hatte sich in einen Werwolf verwandelt. Da sein Pferd tot war, rannte nun ein übergroßer Wolf neben den Pferden her. Sie wa-ren überrascht, das Alchimetrix mit ihnen mithalten konnte, aber er erklärte ihnen, dass ein Wolf eine unvorstellbare Ausdauer besaß.
Um eine Antwort auf die ihn quälende Frage zu bekommen, rief Telenor einfach in die Runde: „Habt ihr eine Ahnung, wo wir die anderen treffen werden?“
Noir, die vorausritt, hielt ihr Pferd an, das genauso schwarz war wie sie und wendete sich zu den anderen, die jetzt auch anhielten. „Was wolltest du?“ fragte sie. „Ich wollte wissen ob einer eine Ahnung hat, wo wir auf die anderen treffen könnten“ wiederholte Telenor. „Keine Ahnung, das hat er uns ja nicht gesagt. Er hat uns nur gesagt, das Alchimetrix vor uns ist. Mehr wissen wir nicht“ Alchimetrix, der natürlich nichts verstanden hatte, hakte nach: „Wer hat euch was erzählt?“ Noir fing an ihm alles zu erklären. Wie sie Catanos getroffen hatten, wie dieser sie zu Ord Rekar geführt hatte und wie er ihnen von Alchimetrix erzählt hatte. Nachdem er auf den neuesten Stand gebracht wurde, wollte er mehr wissen. „Wie viele werden noch kommen?“ fragte er alle. „Na ja, wir sind vier, du, Noir, Telenor, Noir und ich. Es sollen aber noch vier andere kommen. Das Problem ist, wir wissen nicht wo und wann. Wir reiten jetzt also nach Lut Gholein und hoffen das wir da zumindest auf einen der anderen treffen.“ „Aha, aber woher wollen wir wissen wer die anderen sind? Es könn-te doch irgendjemand kommen und sagen er gehört zu uns. Dann haben wir vielleicht einen Meu-chelmörder oder noch schlimmer einen Spion unter uns.“ Stille. Irgendwie hatte er Recht mit dem was er sagte. Doch irgendwie auch nicht. Noir sagte zuerst etwas: „Ja, vielleicht hast du Recht, es könnte sein, das uns komisches Volk anredet, aber niemand weiß was wir vorhaben, oder? Außer-dem kennen wir die anderen beim Namen, es kann uns also keiner krumm kommen.“ Alchimetrix schaute zweifelnd. „Ich will für uns hoffen, dass niemand von uns und den anderen weiß. Lut Gho-lein ist voller Spione, Diebe und anderem. Es würde mich wundern, wenn wir unerkannt die Stadt verlassen.“ Er verwandelte sich wieder in einen Wolf und lief weiter Richtung Süden. „Wenn der immer so gute Laune hat, dann gute Nacht.“ „Aber Recht hat er. Ich habe schon gehört, dass in der Wüstenstadt nicht nur saubere Personen herumlaufen sollen. Lut Gholein zieht viele Reisende an, nicht nur Karawanen, Wanderer, Abenteurer oder Händler, sondern auch Leute, denen man lieber nicht begegnet.“
Somit ritten sie weiter nach Süden, immer an der Küste entlang und Lut Gholein entgegen.
Der am Nachmittag von der Wüste gezeichnete und von Gräsern teilweise durchstreifte Boden war nun vollends durch die Wüste abgelöst worden. Alle vier Kämpfer standen nun mitten in der riesi-gen Sandwüste Aranoch.
„Also“, meinte Noir. „Wollen wir es angehen?“ „Müssen wir wohl, wenn wir nach Lut Gholein wollen.“ antwortete Alchimetrix. „Vielleicht haben wir ja Glück und wir treffen wirklich noch auf eine Karawane. Egal welche.“ fügte er noch hinzu. Und mit diesen Worten ritten sie die große Düne hinab, auf der sie standen. Mit der langsam untergehenden Sonne im Rücken war es nicht mehr so heiß wie am Nachmittag, doch in der Nacht wurde es in der Wüste immer verdammt kalt. Sie alle wussten das und sie alle hofften das es nicht so schlimm werden würde wie in den Geschichten, die sie immer hörten. „Wie weit schätzt ihr ist es bis nach Lut Gholein?“ fragte Alchimetrix. „Hast du das nicht schon mal gefragt?“ rief Telenor über die Schulter zu Alchimetrix. „Es sind noch acht Tage bis nach Lut Gholein, vielleicht auch sieben. Wenn uns das Wasser ausgeht, dann kannst du mit locker zwölf Tagen rechnen. Weil wir einen Umweg zur Oase machen müssen. Sie alle hatten ihre Wasservorräte aufgefrischt, als sie auf dem Weg zur Wüste einen kleinen Fluss überquerten. Nun waren ihre Sattel- und Trinktaschen voll beladen mit Wasser und Gepäck. Telenor ritt voraus, danach Noir, hinter ihr Alchimetrix als Wolf und ihm folgte Catanos auf seinem kräftigen Hengst. Sie hatten sich alle- mit Ausnahme von Alchimetrix- mit einem Seil angebunden, um im Falle eines Sandsturmes nicht verloren zu gehen. Die Pferde wehrten sich gegen das Seil- völlig zwecklos, es war fest an ihr Zaumzeug gebunden und so konnten sie es nicht durchbeißen. So liefen sie nun Stunde um Stunde durch die Wüste und die Hitze, die ihnen ganz schön zu schaffen machte. Und als langsam die Nacht hereinbrach, machten sie sich daran eine geeignete Stelle zum Übernachten zu finden, was gar nicht so leicht war, wenn man sich mitten in der Wüste befand und bis zum Ho-rizont nur von Sand umgeben war.
„Oh man diese Wüste ist ja noch öder als ich gedacht hatte“ stöhnte Catanos, der sich kurz um-schaute. „Sand, Sand und noch mal Sand. Wenn wir hier rauskommen, dann möchte ich für die nächste Zeit keinen Sand mehr sehen“ „Tja tut mir Leid Catanos, aber wir haben noch einige Tage vor uns, da musst du den Sand noch eine Weile ertragen müssen“ kam es von Noir. „Wir sollten uns mal lieber nach einem geeigneten Schlafplatz umsehen, meint ihr nicht?“ kam es von es von ganz vorne. „Ja, sicher warum auch nicht?“ In Catanos Stimme lag so viel Ironie, sodass sie für drei Menschen ausgereicht hätte. „Wir könnten das Sandloch gleich hier nehmen, oder aber wir reiten ein Stück weiter, denn da hinten ist der Sand ein bisschen weicher. Ach, was rede ich denn da? Da hinten ist er so schön gelb, da will ich unbedingt hin. Es ist doch scheißegal wo wir einschlafen, mehr als Sand gibt’s hier nicht.“
„Jetzt reg dich mal nicht auf, wir finden bestimmt irgendwas“ redete ihm Alchimetrix zu. „Ja, ein hübsches Loch mit Treibsand vielleicht“ So ging das noch den ganzen Abend und niemand schaffte es Catanos dazu zu bringen, seine Wut für die Dämonen im Osten aufzusparen. So mussten sie also mit dem meckernden Barbaren durch die Wüste ziehen. Sie ritten weiter, auch nach dem sich der Mond schon blicken ließ, denn in der Nacht kühlte die Wüste rasch ab und es war für Mensch und Tier angenehmer. „Es ist aber verdammt kalt hier“ bibberte Noir von hinten zu Telenor. „Wieso ist es auf einmal so kalt, vor ein paar Stunden war’s noch angenehm warm. Dieser Ort ist verflucht!“ zischte sie noch heraus, voller Hass gegenüber jede Art der dunklen Magie. „Warum fragst du nicht unseren Experten in Sachen Natur?“ kam es von Telenor zurück. „Hey, Alchimetrix!“ rief er nach hinten. „Noir möchte wissen warum es hier so kalt ist und ob diese Wüste verflucht ist.“
„Verflucht?“ Alchimetrix musste fast lachen. „Wer denkt sich so was Verrücktes aus?“ Noir sah ihn finster an. „Die Wüste wird deshalb so heiß und kalt, weil der Sand die Hitze der Sonne aufnimmt. Das ist der Grund. Sonst nichts“ „Aber wieso ist es hier so verdammt kalt? Du sagtest der Sand wird von der Sonne aufgeheizt“ „Ja, das schon, aber dieser kann die Hitze wiederum nicht lange speichern, verstehst du? Wenn die Nacht hereinbricht und die Sonne keine Wärme mehr spendet, gibt der Sand die Wärme eben wieder an die Luft ab. Das hat zur Folge, dass der Sand sich abkühlt und in der Nacht Minustemperaturen herrschen.“ Niemand sagte etwas nach dieser logischen Erklä-rung, sie alle waren beeindruckt. Bis auf Catanos, der die Wüste ein weiteres Mal verfluchte. „Wo-her weißt du das?“ wollte Telenor wissen. „Na ja, ich hab da so ein paar Naturgeister die mich ab und zu mal besuchen, verstehst du?“
Nach einer weiteren Stunde durch die Wüste entdeckten sie etwas am Horizont. Sie konnten nicht erkennen was es war, aber es war groß und schwarz. Sie entschlossen sich darauf zuzureiten, um nachzusehen was es war. Sie brauchten ein paar Minuten, dann konnte es Telenor von weitem er-kennen. „Es ist ein Felsen. Ein riesiger Felsen mitten in der Wüste. Kommt schon, vielleicht können wir da übernachten“ Sie trieben die Pferde an und nach wenigen Minuten erreichten sie den Felsen. Eigentlich waren es zwei riesige Felsen, doch das konnten sie erst entdecken, als sie dort waren. „Es sieht aus als ob jemand den Felsen mit einer riesigen Axt gespalten hätte“ bemerkte Noir. „Ist doch perfekt“ Alchimetrix war froh, einen Schlafplatz gefunden zu haben. „Hier gibt es bestimmt ein paar Höhlen, da können wir übernachten“ Und er hatte Recht. Tatsächlich fanden sie einige Höhlen, die groß genug waren um darin zu übernachten. „Alchimetrix“ flüsterte Telenor. „Was denn?“ „Mach mal Licht“ Er hielt dem Druiden eine Fackel vor die Nase. „Na wenn es weiter nix ist“ sagte er gelangweilt und wirkte einen Feuerzauber, der beinahe die ganze Fackel versengt hätte. „Bitte-schön“ Telenor nahm die Fackel und ging voraus. „Die ist ja größer als ich dachte“ sagte er und ging einige Schritte gebeugt hinein. Doch nach einigen Sekunden konnte er aufrecht gehen. „Dieses Gewölbe ist von Menschen gemacht worden“ sagte Alchimetrix und betrachtete die bemalten und verzierten Wände. „Aber wozu? Zu welchem Zweck?“ „Ich glaube die Antwort ist da unten“ sagte Telenor und deutete auf eine kleine enge Treppe, die nach unten zu führen schien. „Wollen wir nachsehen was da unten ist?“ wollte alchimetrix wissen. „Natürlich sehen wir nach. Hol die ande-ren.“ „Nicht nötig, wir sind schon da“ meinte Noir plötzlich hinter ihnen. Ihr folgte Catanos. „Also, gehen wir runter?“ „Na klar was denkst du denn? Runter mit dir!“ Also ging Telenor die Treppe runter.
Als er nach einigen Minuten unten ankam, fand er sich in einem Gewölbe wieder. Die Decke war so hoch, das er hätte hochspringen können, ohne sie zu berühren. Der Raum wurde von einigen Säulen gestützt und es zweigten mehrere Gänge ab. Telenor vermutete ein Labyrinth. Er ging ein paar Schritte in die Mitte der kleinen Halle und sah sich um. Die Gänge waren mit schweren Steintüren verschlossen und schienen sich nicht so leicht öffnen zu lassen. „Wo sind wir hier?“ Alchimetrix und die anderen waren hinterhergekommen. „Ist doch egal. Hier gibt es keinen Sand und das is gut“ Catanos war wirklich froh den Sand los zu sein. „Tja ich weiß nicht“ meinte Noir. „Wenns nach mir ginge, könnten wir hier übernachten. Was meint ihr?“ „Wir sollten dieses Gewölbe vorher erfor-schen. Vielleicht sind hier ja noch andere Menschen“ Alchimetrix war scheinbar fasziniert von die-sem Gewölbe. „Ich meine, schaut euch die Wände an. Diese Wandmalereien und Verzierungen, die sind von Menschenhand gemacht worden“ „Ja, er hat Recht. Es ist zwar schon spät, aber vielleicht gibt’s hier unten ja wirklich Menschen die uns helfen können“
Er ging zu einer Tür, stemmte sich dagegen. Nichts tat sich. „Hat einer eine Ahnung wie diese Tür aufgeht?“ Alchimetrix ging zur Tür, drückte einen versteckten Schalter und die Tür versank im Bo-den. „Ist ganz leicht, wenn man den Mechanismus kennt“ meinte er und ging vor. Die anderen folg-ten ihm. Catanos, der sich eine Fackel von der Wand genommen hatte, sagte was sie alle dachten: „Also, wenn ihr mich fragt; dann sieht das eher nach Untoten als nach Menschen aus“ „Ich hoffe du irrst dich. Das wäre das letzte was ich jetzt brauche“ sagte Telenor. Sie gingen den langen Gang entlang, der um die Ecke führte und so gut wie nicht beleuchtet war. Als sie weiter nach vorne gin-gen, meinte Telenor etwas zu hören, doch er täuschte sich wahrscheinlich. Dann bogen sie um die Ecke in den nächsten Gang und dann sahen sie es. Auf dem Gang verstreut lagen Leichen, mensch-liche Leichen, die allerhöchstens drei Tage alt waren.
„Was zum Teufel….“ Begann Catanos, völlig überrascht. Noir ging zu einer der Leichen, in der ein Pfeil steckte und zog ihn heraus. „Skelettbogenschützen“ sagte sie laut und schnell. Alle zogen ihre Waffen: Catanos ergriff die Axt, Telenor seine beiden Schwerter, Noir streifte sich die Klauen über ihre Handgelenke, Alchimetrix stellte mit seinem Streitkolben in den Händen vor der nächsten Tür auf.
„Glaubt ihr, dass die immer noch hier sind?“ wollte Catanos wissen. „Na klar sind sie das. Warum sollten einfache Skelettbogenschützen ihre Gruft verlassen? Es sei denn ihr Herr ruft sie. Aber das glaube ich nun wirklich nicht. Außerdem- schau dir die Leichen an. Die sind höchstens ein paar Tage alt. Die sind noch hier, das kannst du mir glauben“ Mit diesen Worten nickte Telenor zu Noir und Catanos, der seine Axt schon schwang. Die beiden nickten zurück und auch Alchimetrix war soweit. „Alles klar“ meinte er und öffnete die Tür.
Es dauerte nicht lange, da brach auch schon die Hölle über sie herein. Drei Dutzend Skelettkrieger marschierten auf sie zu. Im Hintergrund spannten schon die ersten Bogenschützen ihre Pfeile ein, direkt daneben machten sich zwei Mumien kampfbereit. Noir warf den drei vordersten Skelettkrie-gern erstmal einen Feuerstoß an den Kopf, der sie in die Einzelteile zerfallen lies. Plötzlich stürmten die anderen Krieger nach vorne. „Lass uns die Tür versperren“ rief Telenor dem Druiden zu, der schon die ersten anstürmenden Skelette kaputtgeschlagen hatte. „Ja, gute Idee“ meinte dieser. Cata-nos und Alchimetrix versperrten die Tür und schlugen dabei so viele Knochen wie möglich kaputt. Doch es half nichts, denn durch die Mumien standen sie sofort wieder auf. Telenor und Noir konn-ten auch nicht viel machen, da die Tür ja versperrt und die beiden Waffenbrüder den ganzen Platz einnahmen. „Los Telenor. Wir können die zweite Tür nehmen“ Sie zeigte über die Köpfe der Kämpfenden hinweg auf die andere Seite des Raumes. „Wir nehmen die andere Tür und greifen die Mumien und Bogenschützen von hinten an“ „Sauber! So machen wir das“ Telenor liebte gute und viel versprechende Ideen. „Catanos! Alchimetrix! Wir kommen durch die andere Tür und machen die Mumien fertig“ Mit diesen Worten verschwanden er und die Assassine um die Ecke. „Alles klar“ kam von Catanos zurück, der um die eigene Achse wirbelte und somit drei Skelette auf ein-mal tötete. Mit einem weiteren horizontalen Hieb gelang es ihm einem Skelett den Kopf abzuschla-gen. Der leblose Rest stand einfach nur da, jeden Moment würde er wiederbelebt werden. Doch Alchimetrix reagierte schnell, nahm mit einer freien Hand einen Skelettrumpf und schleuderte ihn um sich, wobei er fast Catanos getroffen hätte. Er traf jedoch auch alle umstehenden Skelette und für einen kurzen Moment entstand eine Lücke. „Komm, Wir müssen rein, sonst kommen wir nicht weiter“
Währenddessen rannten Telenor und Noir so schnell sie konnten wieder den Gang entlang, den sie gekommen waren. Aus einiger Entfernung konnten sie die Haupthalle sehen, auf die sie zurannten. Noir sah auch, wie ein Zombie auf ihren Gang einbog, die Hände ausgestreckt und langsam, aber zielstrebig auf sie zuschlurfend. „AUS DEM WEG!“ rief Telenor, kurz bevor er den Zombie über den Haufen rannte. Danach kamen sie in die Haupthalle. „Wo lang?“ fragte Noir. „Hier gleich rechts“ rief Telenor. Er rannte vor, bis er zu einer Tür kam. „Das ist aber noch nicht die Tür, die du meintest oder?“ „Nein, das kann nicht sein. Mach auf, schnell“ Telenor öffnete die Tür und bekam sofort etwas hartes in die Fresse, das ihn zurück auf den Boden warf. Ein Ghulfürst hatte sich vor der Tür aufgebaut und Telenor mit seinem Stab mitten ins Gesicht geschlagen. Die überraschte Noir fing sich wieder und rammte dem Ghulfürsten ihre Klaue in den Magen. Der krümmte sich vor Schmerz und hielt sich den Bauch, als sie ihre Klaue wieder aus ihm herauszog. Telenor, der inzwi-schen aufgestanden war, war nun richtig wütend. „Jetzt reichts“ zischte er. Er nahm eines seiner Schwerter, holte zu einem gewaltigen Wurf aus und voller Zorn warf er dem Ghulfürsten aus nächs-ter Nähe sein Schwert in den Kopf. Dieser brach krächzend zusammen. „Nett“ kommentierte Noir. „Geschieht ihm Recht, dem alten Bastard“ Dann erschienen plötzlich hinter dem toten Fürsten wei-tere Kreaturen. „IHR DA!“ rief Telenor ihnen wütend zu. Um die Lautstärke machte er sich nun keine Sorgen mehr. „Komm schon Noir, die holen wir uns“ „Aber immer doch“ Telenor sprintete los, zog im vorbeilaufen mit einer Drehung das Schwert aus dem Kopf seines Opfers, um es gleich in dem nächsten wieder zu versenken. Die anderen Feinde machte er ebenso nieder, ohne zu reali-sieren, gegen wen er da kämpfte. Dann war der Weg frei. Sie rannten weiter, bis sie zu einer weite-ren Biegung kamen, hinter der wiederum ein Ghulfürst mit seinen Dienern stand. Wieder stürmte Telenor los, fügte den ersten Ghulen schwere Wunden zu und versuchte zu deren Fürsten zu gelan-gen. Dieser schleuderte ihn einem Feuerball entgegen. Telenor duckte sich, Noir tat ihm gleich und der Feuerball tötete einen der Ghule. Noir schlitze dem vorletztem Ghul den Nacken, während Te-lenor den Ghulfürsten beim sterben half. Den letzten Ghul tötete Noir, indem sie mit ein wenig An-lauf hochsprang und ihm mit aller Kraft und Schwung ins Gesicht trat. Ein hässliches Knacken war zu hören, als der Kopf des Ghuls sich um die eigene Achse drehte.
Währenddessen waren Catanos und Alchimetrix noch immer damit beschäftigt, die letzten Skelette abzuwehren. Alchimetrix hatte inzwischen einige Wölfe beschworen, die die Bogenschützen be-schäftigen sollten. Doch nun schlugen auch die Mumien auf die Wölfe ein, die langsam nachgaben. „Verdammt, wo bleiben die zwei?“ „Ist doch egal. Ich finde die können sich noch ein bisschen Zeit lassen.“ Catanos war in Kampfeslaune verfallen und sah mit großer Freude, dass er von einem rie-sigen, stinkendem Blutbauch in Augenschein genommen wurde. Er brachte sein letztes Skelett um die Ecke und wandte sich dem Blutbauch zu. Der holte zu einem großen, vertikalen Hieb aus. Cata-nos war enttäuscht. „Wie dämlich bist du eigentlich?“ fragte er das Ungetüm. Er sprang schnell nach vorne Richtung Feind, um den Hieb zu entgehen und hatte nun freie Bahn. Nach ein paar Hie-ben in Bein und Bauch fiel der Blutbauch tot auf den Boden.
In der Zwischenzeit hatten die Mumien die Wölfe getötet und fingen an Alchimetrix kleine, schwarze Kugeln zuzuwerfen, die dem Druiden anscheinend große Schmerzen bereiteten. Catanos eilte zu Hilfe, brachte eine Säbelkatze um, die gerade auf Alchimetrix einschlage wollte und zog den Druiden hinter eine Säule. „Bist du in Ordnung?“ wollte Catanos wissen. Die Mumien ließen neue Skelette entstehen. „Ja außer den Schmerzen geht es mir gut. Danke der Nachfrage“ „Gut. Dann bringen wir noch die letzten verdammten Skelette um und dann sind die Mumien dran.“ Mit diesen Worten sprang er auf eines der Skelette drauf, das unter der Wucht zu Boden ging. Catanos Axt landete einen tödlichen Treffer gegen ein weiteres Skelett. Jetzt hatten die Bogenschützen je-doch freie Schussbahn. Sie zielten nun direkt auf Alchimetrix und Catanos. Catanos wollte dem Druiden gerade ‚Geh in Deckung’ zurufen, als sich hinter den Skeletten eine Tür öffnete und Noir und Telenor erschienen. Noir stürzte sich auf die Bogenschützen, die sie mit einer atemberaubenden Geschwindigkeit niedermachte. Telenor kümmerte sich um die Mumien. Der ersten schlitzte er durch die Kniekehlen, sodass es auf die Knie fiel. Dann holte er mit seinen beiden Schwertern aus und schlug der Mumie den Kopf ab. Die zweite holte zu einem Schlag in Telenors Gesicht aus, doch er blockte de Schlag, machte einen Schritt nach vorne und stach ihr mit dem zweiten Schwert in den Bauch. Doch die Mumie ließ sich dadurch nicht beeindrucken. Sie packte Telenor am Hals und würgte ihn. Schnell waren die anderen zur Stelle: Noir und Catanos sprangen auf die letzte Mumie zu, die eine mit einem fürchterlichen Tritt gegen den Kopf, der andere trieb seine Axt tief in das vermoderte Fleisch der Mumie. Doch diese würgte Telenor immer noch, hob ihn nun sogar vom Boden hoch. Und auf einmal begann sie sogar zu sprechen. Undeutlich zwar, aber sie konnte spre-chen: „Zeit zu sterben“ kam aus ihrem fauligem Mund. „Ja, da hast du Recht“ Mit diesen Worten holte er aus und schlug der Mumie den rechten Arm ab. Damit hatte er sich befreit. Die Mumie taumelte rückwärts und stieß gegen eine Säule. Dann kam sie wieder nach vorne gehechtet, von einer Kraft getrieben, die keiner der anderen begreifen konnte. Ihr Ziel war diesmal Alchimetrix, der sich ihr in den Weg gestellt hatte. Ihren letzten Arm ausgestreckt und auf Alchimetrix zu lau-fend, zertrümmerte ihr der Druide den Schädel. Nun war sie endgültig tot. Telenor nahm sich eine Fackel und verbrannte die Mumie. „Hey, du blutest ja“ bemerkte Catanos ein wenig erschrocken und zeigte auf Telenors Gesicht. „Ja, das war so ein Ghulfürst, der wohl dachte er könnte sich das erlauben. Aber jetzt blutet er auch. Nur ein bisschen schlimmer als ich“ fügte er mit einem Grinsen hinzu und spuckte das Blut aus.
Sie gingen zurück in die Haupthalle und von dort aus erforschten sie die weiteren Gänge und Räu-me, fanden jedoch keine Monster, Dämonen oder ähnliches. „Sieht so aus als wäre das alles gewe-sen“ meinte Noir. „Das ist gut, dann können wir ja endlich schlafen gehen“ Telenor war sichtlich erschöpft. „Ich glaube ganz so einfach wird das nicht“ hörten sie Alchimetrix aus einem anderen Gang rufen. „Hier ist noch ein Raum, in dem wir noch nicht waren“ Die anderen gingen zu dem Druiden und nun sahen sie in einiger Entfernung eine weitere Tür.
„Täusch ich mich, oder ist da wirklich ein Glühen im Türschlitz?“ Er täuschte sich nicht, die ande-ren sahen es auch. Ein furchtbarer Gegner musste hinter dieser Tür stehen. „Alles Klar, das ist der letzte Raum. Machen wir den noch eben und dann ist Schluss für heute“ Noir machte wieder ihren Feuerstoß bereit, um gleich den ersten Gegner zu empfangen. Alchimetrix rief wieder ein paar Wöl-fe zur Unterstützung. „So“ sagte er entschlossen. „Los geht’s“ Mit diesen Worten öffnete er die Tür. Die Wölfe stürzten sich zähnefletschend hinein, Alchimetrix schwang seinen Streitkolben, Noir warf ihre Feuerstoß- Falle mitten in den Raum, Catanos sprang direkt in den Raum auf einen Sar-gopharg und schwang bedrohlich seine Axt hin und her, Telenor wollte sich auf den ersten Gegner stürzen.
Aber da war niemand. Der Raum war vollkommen leer. Das Glühen, was sie vor der Tür gesehen hatten, kam vom Mond, der durch die Decke auf einen Sargopharg schien. Von dort aus wurde er reflektiert und erhellte so ein wenig den Raum. Außerdem war dieser Raum ganz anders als die anderen. Die Wände waren schneeweiß und glatt. Es gab andere Wand- und Deckenverzierungen als in den anderen Teilen der Gruft. Überhaupt war dieser Raum viel größer und viel höher als die anderen. Und es schien ihnen, als ob in diesem Raum eine Aura der Macht herrschte, die einen nicht losließ. „Was ist das?“ fragte Telenor und ging auf den Sargopharg zu, auf den Catanos gesprungen war. Catanos sprang herunter und sie erkannten eine Inschrift auf dem Sargopharg, die jedoch in einer Sprache geschrieben war, die keiner von ihnen kannte. „Was das wohl heißt?“ fragte Telenor, fasziniert vom ganzen Raum, insbesondere von der Inschrift. „Vielleicht können wir es herausfin-den“ meinte Alchimetrix, der eine Pergamentrolle aus seiner Rüstung hervorholte. „Hat jemand was zum Schreiben?“ wollte er wissen. „Dreimal darfst du raten“ „Also schön“, er legte die Pergament-rolle auf dem Sargopharg ab und verschwand aus dem Raum. „Wo willst du denn hin?“ riefen ihm die anderen nach. „Ich komme gleich wieder, ich muss nur schnell was suchen“ „Was er jetzt schon wieder vorhat?“ Noir klang skeptisch. „Er will doch jetzt wohl keine Feder zum Schreiben suchen oder? Doch nicht etwa hier?“ „Ach was, nein das glaube ich nicht. Ich glaube er sucht ein Messer“ Catanos schien zu wissen was der Druide vorhatte, woher auch immer. Tatsächlich kam Alchi-metrix nach einigen wenigen Augenblicken mit einem Messer in der Hand zurück. Seine Miene war sehr finster und als Noir ihn fragte was passiert ist, erzählte der Druide es ihnen: „Also ich sah die-ses Messer am Boden, versteht ihr? Ich, natürlich nichts ahnend, gehe hin um es aufzuheben. Und als ich aufstehe und mich umdrehe, steht dieser verdammte Ghulfürst vor mir“ „Wie, da hat einer überlebt?“ Sie waren alle überrascht, dass sie einen Ghulfürsten übersehen hatten. „Ja, aber ich hab ihn an die Wand geklatscht. Der steht nicht mehr auf“ „Aber wozu brauchst jetzt das Messer?“ wollte Telenor wissen. „Ganz einfach: ich ritze mir damit in den Finger und benutze mein Blut zum Schreiben. Alter Druiden- Trick“
Dann nahm er das Messer und schneidete sich in den Finger. Dann wälzte er das Messer mehrmals in seinem Blut und begann mit dem Messer die Inschrift abzuschreiben.
„So, Fertig“ meinte er und stand wieder auf. „Sieht zwar nicht schön aus, aber man kann es erken-nen“ Telenor unterdessen war so fasziniert von dem Sargopharg, das er jeden Millimeter davon unter die Lupe nahm. Auf der Rückseite des Steines entdeckte er eine weitere Inschrift. Diese war jedoch in der Sprache der Westlichen Königreiche verfasst und nicht in einer fremden. Außerdem konnte man ganz deutlich das Wappen des Westlichen Königreiches Westmark erkennen. Er staun-te nicht schlecht und die anderen waren ebenfalls verblüfft, als er es ihnen zeigte. Mit Hilfe von den anderen konnte er auf der Vorderseite des Sargopharges ein Symbol identifizieren, welches ein altes Druiden- Symbol war und den Mond verkörperte. „Mondlicht“ erinnerte sich Alchimetrix. „Damit kann auch das Mondlicht gemeint sein“ meinte er. „Wir müssen versuchen das Mondlicht, das von der Decke hereinfällt, auf dieses Symbol zu lenken. Los helft mir. Wir müssen etwas finden, womit wir das Licht reflektieren können“ Sie alle guckten sich um, fanden jedoch nichts. Der Raum war absolut leer, ausgenommen der Sargopharg. Doch Telenor kam plötzlich die Idee: Er nahm eines seiner beiden Breitsäbel und hielt es in einen Lichtstrahl. Doch dann gab es ein Problem. Aus dieser Position konnte er den Lichtstrahl nicht auf das Symbol lenken. „Nimm deinen zweiten Säbel“ riet ihm Noir. Er tat wie ihm geheißen, zog den zweiten Säbel aus der Scheide und versuchte den abge-henden Lichtstrahl vom ersten Schwert auf das zweite zu lenken und von da aus wieder zum Sym-bol. Er musste sich ganz schön strecken und Spagat machen, um den Strahl in die gewünschte Posi-tion zu lenken. Doch schließlich gelang es ihm und der Strahl traf das Symbol. „Ooooowww“ Tele-nor verlor das Gleichgewicht und fiel auf den Boden, in dieser Position konnte er sich nicht lange halten. Doch er hatte es geschafft: Das Symbol fing an zu leuchten und der Deckel des Sargophar-ges schob sich langsam zur Seite.