• Herzlich Willkommen!

    Nach der Schließung von inDiablo.de wurden die Inhalte und eure Accounts in dieses Forum konvertiert. Ihr könnt euch hier mit eurem alten Account weiterhin einloggen, müsst euch dafür allerdings über die "Passwort vergessen" Funktion ein neues Passwort setzen lassen.

    Solltet ihr keinen Zugriff mehr auf die mit eurem Account verknüpfte Emailadresse haben, so könnt ihr euch unter Angabe eures Accountnamens, eurer alten Emailadresse sowie eurer gewünschten neuen Emailadresse an einen Administrator wenden.

Ist Gerechtigkeitsempfinden sinnvoll?

Bertold Brecht meint dazu: Zuerst kommt das Fressen, dann kommt die Moral.

Ich denke es gibt Rahmenbedingungen, die das Gerechtigkeitsempfinden aushebeln. Wenn die Grundbedürfnisse nicht erfüllt sind, dann wird man vermutlich (unter Bauchgrimmen) auch sehr ungerechte Angebote akzeptieren.

Ich denke auch, wenn der Zugewinn aus einem ungleichen Angebot bei einem kleineren Betrag groß genug ist, dann wird man sich auch dafür entscheiden. Dann tritt der Nutzenaspekt in den Vordergrund.

Weiterhin kommt es dann stark auf den Kontext an vor dem dieses Spiel gespielt wird.

Dieselben Leute werden bei 10€ teilbaren Betrag vermutlich dem Versuch entsprechend handeln. Ich glaube also nicht, dass das Gerechtigkeitsempfinden käuflich ist. Es wird durch andere Aspekte der Persönlichkeit überlagert.

Der Versuchsaufbau und die Höhe des Betrages ist schon sinnvoll, weil die Ergebnisse aussagekräftig sind. Viele Randbedingungen sind eleminiert (Not, Saturiertheit, Habgier).

Es geht in diesem Falle halt um (fast) nichts. Also kann man sein wie man will / wie man im Wesenskern ist.
 
Zuletzt bearbeitet:
Bertold Brecht meint dazu: Zuerst kommt das Fressen, dann kommt die Moral.

Da hat Brecht recht!
Ich denke da ähnlich wie Nietzsche. Der Mensch ist und bleibt in gewissem Maß ein Tier
mit aufgesetztem Verstand. Solche Experimente erinnern mich an das Verhalten eines Rudels.
Wenn der Gewinn des Gegenübers größer ist wie der eigene, gesteht man ihm die stärkere Position ein.
Man lehnt ab und geht ''siegreich'' aus dem Kampf hervor. Bei 50:50 spielt meiner Meinung
nach nicht der Gerechtigkeitssinn des Anbietenden mit, sondern die größtmögliche Chance
auf den eigenen Gewinn zu maximieren. Falls ihr das Milgram-Experiment noch nicht kennt:
Milgram-Experiment – PflegeWiki
Das stellt den Gerechtigkeitssinn des Menschen besser dar. Das Alpha-Männchen befiehlt
und der Untergeordnete hat zu gehorchen. :irre:
 
Man kann aber auch noch einen anderen Blickwinkel darauf werfen. Wie verhält sich ein "ungerecht" verhaltender Spieler wenn er auf Dauer keine Kooperation bei ungleicher Verteilung erhält. Wirkt da der Gerechtigkeitssinn/ das Gerechtigkeitsempfinden nicht erzieherisch auf den verteilenden Mitspieler?

Das ist die Idee dahinter, man versucht dem Gegenüber durch ablehnen "ungerechter" Aufteilungen ein genügend starkes Motiv zu geben die Aufteilung weniger auf den eigenen Gewinn auszurichten.
 
@Foraker:

Ich war von 1982 bis 1986 Zeitsoldat. Eine der ersten Lektionen die Wehrpflichtige und Zeitsoldaten erhielten war das Milgram-Experiment als Film. Wir sollten lernen, dass Befehle IMMER per Gewissen zu hinterfragen sind.

@Deaddy:

Ich glaube dass Zwickmühlensituationen in den man auf eigenen Gewinn verzichtet im Langzeitgedächtnis gespeichert werden. Sollte ungerechte Aufteilung auf Dauer existieren, dann wird irgendwann der Rachegedanken überhand nehmen und man wird sich an dem ungerecht aufteilenden rächen durch Entmachtung mit aller Kraft.
 
@Foraker:
Wir sollten lernen, dass Befehle IMMER per Gewissen zu hinterfragen sind.

Ernsthaft? Ein Bekannter von mir ist Zeitsoldat. Er meint, dass Befehle immer befolgt werden MÜSSEN.

Egal wie sie lauten. Genau das lehrt mich auch die Geschichte. Ein Soldat soll nicht denken, sondern gehorchen.

Wahrscheinlich hinterfragen viele Soldaten ihre Befehle gewissenhaft. Und am Ende werden sie trotzdem immer ausgeführt.

Hinterfragen und ernsthaftes Auflehnen gegen den Vorgesetzten sind halt immer noch zwei paar Stiefel!
 
Ernsthaft? Ein Bekannter von mir ist Zeitsoldat. Er meint, dass Befehle immer befolgt werden MÜSSEN.

Egal wie sie lauten. Genau das lehrt mich auch die Geschichte. Ein Soldat soll nicht denken, sondern gehorchen.

Ich weiß nicht was heute bei der Bundeswehr gelehrt wird. Gesetzeswidrige Befehle dürfen nicht ausgeführt werden, sonst macht man sich strafbar.

Nicht gesetzwidrige Befehle MÜSSEN befolgt werden. Man kann sich jedoch danach beschweren.
 
Zuletzt bearbeitet:
Ernsthaft? Ein Bekannter von mir ist Zeitsoldat. Er meint, dass Befehle immer befolgt werden MÜSSEN.

Egal wie sie lauten. Genau das lehrt mich auch die Geschichte. Ein Soldat soll nicht denken, sondern gehorchen.

Wahrscheinlich hinterfragen viele Soldaten ihre Befehle gewissenhaft. Und am Ende werden sie trotzdem immer ausgeführt.

Hinterfragen und ernsthaftes Auflehnen gegen den Vorgesetzten sind halt immer noch zwei paar Stiefel!
Entweder dein Bekannter hat seinen Ausbilder nicht richtig verstanden oder du deinen Bekannten.


Ich weiß nicht was heute bei der Bundeswehr gelehrt wird. Gesetzeswidrige Befehle dürfen nicht ausgeführt werden, sonst macht man sich strafbar.

Nicht gesetzwidrige Befehle MÜSSEN befolgt werden. Man kann sich jedoch danach beschweren.
Das ist auch nicht ganz richtig. Auch rechtswidrige Befehle müssen grundsätzlich befeolgt werden. Eine Ausnahme von diesem Grundsatz besteht dann, wenn die Erfüllung des Befehls die Begehung einer Straftat erfordert, ein solcher Befehl darf nicht befolgt werden.
Tolles Beispiel: Befehl, im Parkverbot zu parken (wirklich parken, nicht bloß halten), muss, obwohl gesetzeswidrig, befolgt werden. Befehl, auf einem Bahnübergang zu parken, darf nicht befolgt werden (gefährlicher Eingriff in den Bahnverkehr --> Straftat gem. § 315 Abs. 1 Nr. 2 StGB).
 
Entweder dein Bekannter hat seinen Ausbilder nicht richtig verstanden oder du deinen Bekannten.

Oder ihr denkt, dass der Ernstfall und einfach nur in einer Armee zu dienen, für den Soldaten auf das Gleiche rauskommt.
Im Ernstfall, wie z.B. einem Krieg, zählt das Überleben und der Sieg, nicht der Gerechtigkeitssinn.

Das Milgram-Experiment wurde, soweit ich weiß, des öfteren durchgeführt.
Jedesmal mit dem selben Ergebnis:
Wenn der Proband nicht die Verantwortung für seine Taten übernehmen muss, kennt er keine Grenzen.

Da können Ausbilder den Soldaten soviel Moral und Werte eintrichtern wie sie wollen.

Es sind und bleiben Menschen. Und wenn es hart auf hart kommt, würde jeder von euch seine Grenzen ganz neu erkennen!
Es ist wie die Wahl zwischen Kannibalismus und Hungertod. Egal ob man sagt, man würde sowas nie tun, wenn es soweit ist
kann man sich nochmal darüber unterhalten.

Gerechtigkeit ist eine Frage des Standpunkts. Und je kritischer die Lage, desto animalischer der Mensch!
 
Ist das Absicht das deine genannten "Beispiele" nicht zwangsläufig mit Milgram zu tun haben? =)


Zum Thread: Das Experiment sagt praktisch nix über einen Gerechtigkeitssinn aus.
Weder das Gebot, noch die Annahme hängt ausschliesslich von einem Gerechtigkeitsgefühl ab.
Noch dazu bei einem Betrag der eh irrelevant ist.

Ich fänd es viel interessanter wie viele Leute ein 50:50 ablehnen oder wie viele Leute ein für sich selbst schlechteres Gebot gemacht haben...
 
Das Milgram-Experiment wurde, soweit ich weiß, des öfteren durchgeführt.
Jedesmal mit dem selben Ergebnis:
Wenn der Proband nicht die Verantwortung für seine Taten übernehmen muss, kennt er keine Grenzen.

Ich könnte mich jetzt täuschen, aber das Milgramexperiment hat doch rein gar nichts mit "Verhalten von Menschen wenn sie keine Verantwortung übernehmen müssen", sondern alles mit "Verhalten von Menschen unter Einfluss von Obrigkeit" zu tun.

Und noch weniger mit "Verhalten von Menschen in möglicherweise lebensbedrohenden Lebenssituationen".
 
Ist das Absicht das deine genannten "Beispiele" nicht zwangsläufig mit Milgram zu tun haben? =)


Zum Thread: Das Experiment sagt praktisch nix über einen Gerechtigkeitssinn aus.
Weder das Gebot, noch die Annahme hängt ausschliesslich von einem Gerechtigkeitsgefühl ab.
Noch dazu bei einem Betrag der eh irrelevant ist.

Das Beispiel war auf die Veränderung des Verhaltens im Härtefall gemünzt.

Für mich jedenfalls ist das Experiment so aussagekräftig wie für dich.

Außerdem liebe ich Diskussionen. Da muss nicht jedes Argument Sinn machen. :lol:

Spaß beiseite: Der Mensch stuft sich oft höher ein, wie es angebracht ist. Dazu zählt
MEINER MEINUNG NACH auch der Gerechtigkeitssinn.

@ Crescent: Keine Sorge, du hast es ja zitiert und somit nicht überlesen. ;)

@ Labarna: Ich tue nur meine Meinung zu der Sache kund. Dazu ist ein Forum da, oder?
Wenn man mir etwas erklärt, bin ich durchaus in der Lage, es zu verstehen.
Und wenn ich es nicht verstanden habe, frage ich nach.

€ @ Crescent: Wir haben es doch vom Gerechtigkeitsempfinden?
Das geht halt über so ein kleines Experiment hinaus! Ich wollte nur die Grenzen ausloten.
Und alles was ich aufgezählt habe, hat auf die eine oder andere Art mit dem Gerechtigkeitssinn
des Menschen zu tun.
 
Zuletzt bearbeitet:
Außerdem liebe ich Diskussionen. Da muss nicht jedes Argument Sinn machen. :lol:


1298226176668.png



Irgendwie macht eher dein ganzer Post für mich keinen Sinn, ich hab bei keinem deiner Sätze eine Ahnung was du uns sagen willst. Wenn du Diskussionen wirklich liebst solltest du daran vielleicht arbeiten, ohne verständliche Argumente lässt es sich schlecht diskutieren.
 
Wenn du Diskussionen wirklich liebst solltest du daran vielleicht arbeiten, ohne verständliche Argumente lässt es sich schlecht diskutieren.

Ich habe meine Argumente mehrmals gelesen und erkenne durchaus einen Sinn dahinter.

Aber bevor ich mir noch mehrmals durch die Blumen sagen lassen muss, dass ich dumm
bin, klinke ich mich aus diesem Thema aus.

Wie gesagt wollte ich nur die Grenzen des Themas ausloten. Falls euch das sauer aufgestoßen hat,
tuts mir leid. Werde mich dann doch eher an die banalen Themen des Forums halten.

Das mit dem Sinn der Argumente sollte übrigens ein Scherz sein, um die vorhandene
Spannung zu lösen. Ging wohl nach hinten los.

Wünsche euch noch viel Spaß mit dem Thread. :D :hy:
 
Da muss ich grade an ein schönes altes russischens Sprichwort denken:
"Am Strande ist der Damm stolzer, als wo er ins Meer läuft."
Es ist leicht von Moral und Ethik zu reden wenn man nicht in einer Situation ist die ein Infragestellen ausschließt. Jeder Mensch weiß instinktiv was richtig und was falsch ist. Schon als Kleinkind lernt der Mensch beim spielen wie es sich anfühlt wenn einem der Sandeimer weggenommen wird, wenn man ausgegrenzt wird oder wenn man vom Schäufelchen gehauen wird. Warum nun Menschen wider diesem Wissen handeln und anderen bewusst und in voller Absicht, auch unabhängig von Gewaltenteilung und Verantwortung, Schaden zufügen.
Im Bezug auf das Milgramexperiment frage ich mich auch ob wir das moralsiche Empfinden anderen keinen Schaden zuzufügen nicht auch aberzogen bekommen. Schmerz, wie er auf vielerlei weise verursacht werden kann, ist ein gesellschaftliches Mittel zur Erziehung, von Kindesalter an bis ins hohe Alter und ohne Schmerz zu erfahren würden wir nie um seine Falschheit wissen. Dabei bezieht sich Schmerz nicht nur auf Stromstöße, er kann auch psychisch ausgeübt werden; Hohe Geldstrafen, Jobverlust, Gefangennahme, Isolation etc etc etc. Wenn man mit offenen Augen durch die Welt gieht sieht man doch überall und ununterbrochen Situationen in denen Menschen Schmerzen aller Art zugefügt werden und gleichfalls die etische Einstellung das dies notwendig ist, daher da derjenige der sich wider der Gesellscahft verhalten hat lernt das er damit Schaden verursacht hat. Wir leben in einer Gesellschaft in der der Teufel mit dem Belzebub ausgetrieben werden soll und somit jede Moral überflüssig wird. Jemanden zu bestrafen da er einem geschadet hat ist gleichbedeutend damit jemandem zu Schaden um einen eigenen Vorteil zu bekommen. In beiden Fällen dient das zufügen von Schmerz dazu die eigene Position zu verbessern. Wie kann man jemanden "anklagen" und mit einer Art bestrafen die ihm als falsch vorgeworfen wurde: Du hast X wehgetan und das war flasch, wir tuen dir weh damit du das lernst........-> also wird etwas Falsches als Richtiges getan, Schmerz ist gleichfalls richtig und falsch, wo ist also die Moral, wo sit die Grenze.....es gibt in meinen Augen keine. Dies ist in meinen Augenauch der Grund dafür das Menschen wie im Milgramexperiment bereit waren anderen ohne mit der Wimper schaden zuzufügen da es von vornherein nie einen moralischen Bezug gegeben hat. Ich wette jeder der Probanten würde sich für eine lebenslange Haft für Mörder aussprechen.
Menschen reden nur solange von Moral solange sie ihrem Vorteil dient.

Dies ist mein Erklärungsansatz für viele Verhalten dieser Art. Sicherlich nicht der Geeignetste, aber der in meinen Augen Schlüssigste. Zwar ein wenig zusammengestaucht, aber ich hoffe ich konnte euch den Kernpunkt meines Ansatzes deutlich machen.
 
Da muss ich grade an ein schönes altes russischens Sprichwort denken:
"Am Strande ist der Damm stolzer, als wo er ins Meer läuft."
Es ist leicht von Moral und Ethik zu reden wenn man nicht in einer Situation ist die ein Infragestellen ausschließt. Jeder Mensch weiß instinktiv was richtig und was falsch ist. Schon als Kleinkind lernt der Mensch beim spielen wie es sich anfühlt wenn einem der Sandeimer weggenommen wird, wenn man ausgegrenzt wird oder wenn man vom Schäufelchen gehauen wird. Warum nun Menschen wider diesem Wissen handeln und anderen bewusst und in voller Absicht, auch unabhängig von Gewaltenteilung und Verantwortung, Schaden zufügen.
Im Bezug auf das Milgramexperiment frage ich mich auch ob wir das moralsiche Empfinden anderen keinen Schaden zuzufügen nicht auch aberzogen bekommen. Schmerz, wie er auf vielerlei weise verursacht werden kann, ist ein gesellschaftliches Mittel zur Erziehung, von Kindesalter an bis ins hohe Alter und ohne Schmerz zu erfahren würden wir nie um seine Falschheit wissen. Dabei bezieht sich Schmerz nicht nur auf Stromstöße, er kann auch psychisch ausgeübt werden; Hohe Geldstrafen, Jobverlust, Gefangennahme, Isolation etc etc etc. Wenn man mit offenen Augen durch die Welt gieht sieht man doch überall und ununterbrochen Situationen in denen Menschen Schmerzen aller Art zugefügt werden und gleichfalls die etische Einstellung das dies notwendig ist, daher da derjenige der sich wider der Gesellscahft verhalten hat lernt das er damit Schaden verursacht hat. Wir leben in einer Gesellschaft in der der Teufel mit dem Belzebub ausgetrieben werden soll und somit jede Moral überflüssig wird. Jemanden zu bestrafen da er einem geschadet hat ist gleichbedeutend damit jemandem zu Schaden um einen eigenen Vorteil zu bekommen. In beiden Fällen dient das zufügen von Schmerz dazu die eigene Position zu verbessern. Wie kann man jemanden "anklagen" und mit einer Art bestrafen die ihm als falsch vorgeworfen wurde: Du hast X wehgetan und das war flasch, wir tuen dir weh damit du das lernst........-> also wird etwas Falsches als Richtiges getan, Schmerz ist gleichfalls richtig und falsch, wo ist also die Moral, wo sit die Grenze.....es gibt in meinen Augen keine. Dies ist in meinen Augenauch der Grund dafür das Menschen wie im Milgramexperiment bereit waren anderen ohne mit der Wimper schaden zuzufügen da es von vornherein nie einen moralischen Bezug gegeben hat. Ich wette jeder der Probanten würde sich für eine lebenslange Haft für Mörder aussprechen.
Menschen reden nur solange von Moral solange sie ihrem Vorteil dient.

Dies ist mein Erklärungsansatz für viele Verhalten dieser Art. Sicherlich nicht der Geeignetste, aber der in meinen Augen Schlüssigste. Zwar ein wenig zusammengestaucht, aber ich hoffe ich konnte euch den Kernpunkt meines Ansatzes deutlich machen.

Guten Morgen :hy:

Bitte um Verzeihung, wenn ich hier mal einfach so diese Aussage als "Falsch" abtue...
Aber:
einerseits ist die Bestrafung von vorsätzlichem Fehlverhalten richtig und
je nach Art und Weise auch gerechtfertigt.
Andererseits ist aber auch deine Einleitung mit dem Beispiel
des Kindes ein wenig an den Haaren herbeigezogen.

Erstens, weil Kinder ein enorm ausgeprägtes Gerechtigkeitsempfinden haben
(andererseits, weil sie in einer Bestrafung deutlich mehr sehen,
als nur die Züchtigung für das Fehlverhalten.
Einem Kind fehlt in erster Linie das Verständnis für einen
komplexen Sachverhalt.

Es kann nachvollziehen, wenn es jemandem schadet, sofern
es von einem Menschen (dem es Achtung "UND" Glauben schenkt)
darauf hingewiesen wird.

Für lapidares Fehlverhalten fehlen ihm die moralischen Werte
(da diese im Regelfall ihm noch anerzogen werden).
Schmerz ist da in jeder Hinsicht der falsche Indikator, einem
Kind sein falsches Handeln als solches näher zu bringen.

Was bei Kindern soviel stärker ausgeprägt ist, ist das Gewissen.
Das "in das Gewissen reden" lehrt und prägt ein Kind deutlich mehr,
als es bei einem Erwachsenen je möglich ist...
(Hierin liegt auch der Sinn der Erziehung... einem Kind beizubringen,
selbst anhand der ihm anerzogenen moralischen Werte
zu handeln und neben sich selbst auch anderen diese Werte zu vermitteln und
bei einem Fehlverhalten darauf hinzuweisen.

Sofern es selbst darauf hingewiesen wird, erkennt es auch das eigene Fehlverhalten
(Kinder sind in der Hinsicht weit ehrlicher, als ausgewachsene Personen).

Und nun wären wir beim Gerechtigkeitsempfinden einer
ausgewachsenen (erwachsenen) Person...

Diese unterscheidet sich nämlich gravierend von der des Kindes.
Eine ausgewachsene Person bezieht sich auf die ihm bisher
erlebten Erfahrungen.

In jeder Form der Bestrafung/Züchtigung sieht er ein Fehlverhalten
seines Gegenübers, da er bestimmte Dinge "anders" erlebt hat.

Er sieht den Bestrafenden in einem Irrtum und wird auch versuchen,
diesen darüber aufzuklären
(als etwas krasses Beispiel: die bei einem Geständnis vor Gericht,
abscheulich detailierten Ausführungen eines Täters bzgl. der Motivation seiner Tat.
sogar gegenüber den leidenden Angehörigen...)

Ein Schweigen des Täters wiederum ist schon (in meinen Augen)
als Schuldeingeständnis zu werten --> (er sieht seine eigene Verfehlung...
diese macht ihm moralisch zu schaffen - es gibt keinen Menschen, der seine eigene
Moralvorstellung ignorieren kann. Er kann sie bestenfalls ausblenden...
Später wird diese ihn mit umso heftiger Wucht wieder einholen.)

Umgekehrt nun ist das meines Erachtens genau dasselbe:

Wir sind geprägt von unseren moralischen Werten (die uns Anerzogenen und jene, welche wir uns selbst erarbeitet haben)

Das Gerechtigkeitsempfinden hebelt genau diese Werte aus,
da es für uns mit Gleichberechtigung einhergeht.
Wer hat schon mal eine "abbekommen" und möchte nun seinerseits sagen, dass er von nun an niemals mehr jemandem auf die gleiche Art und Weise begegnen wird.

Sicherlich ist das Beispiel auf ein Extrem zurückzuführen...
aber:

Die "Lightversion" dessen ist, dass genau diese Person erwartet, dass ein anderer dieselbe Züchtigungsmethode
akzeptiert und als entsprechende Rüge für sein Verhalten sieht.

Genau das tut dieser ja nicht... da auch dieser von seinen
Erfahrungen und Erlebnissen seine Schlussfolgerungen zieht
und ein Fehlverhalten sieht, auf was er dann entsprechend
hinzuweisen hat (freundlich ausgedrückt).

Mit anderen Worten entgegnet er der Bestrafung des Gegenübers mit einer Rüge / einem Hinweis, dass
exakt dieses Verhalten falsch ist.
(Auge um auge, Zahn um Zahn)

Das ist ein Verhalten, welches jeder einem gleichberechtigten Gegenüber zeigt.

In dem unsäglichen Milgram-Experiment ist nun genau dieses
Gleichgewicht verschoben (es gibt Starke und Schwache).

Allerdings regiert nach wie vor das Gerechtigkeitsempfinden.
Dieses vermittelt den Eindruck, dass der Schwache in der Position des Schwächeren ist, weil er mit seinem
Verhalten falsch lag.
Für das Fehlverhalten muss er den nötigen Hinweis erhalten.
Es erfolgt eine Bestrafung, um den Schwächeren auf seine
Schwäche aufmerksam zu machen.

Zeigt sich dieser uneinsichtig, hat er womöglich die Art der
Bestrafung nicht verstanden...
also macht man es diesem "deutlicher".
Das Gefühl des Stark-Seins ist ein Resultat der Einschätzung der eigenen "Unfehlbarkeit",
des eigenen "Rechthabens"

Die Einschätzung der Schwäche des Gegenübers zeigt dessen
Fehler auf... welche zu korrigieren sind.

Die Korrektur erfolgt wiederum durch Sanktion... ist aber nur dann wirksam, wenn der Gegenüber durch Bestrafung sein Fehlverhalten erkennt und bereut.

Erkennt er das nicht, so versucht er (im Idealfall) sein eigenes Verhalten zu reflektieren,
(was Ausgewachsene Menschen nicht wirklich besser beherrschen, als Kinder)
im schlechtesten Fall sieht er das falsche Verhalten des Bestrafers.
Kann er diesen nicht darauf hinweisen, wird er mit anderen Mitteln versuchen, diese ihm
nahezulegen.

Fazit für das Topic (was ich bisher nur still mitgelesen habe):

Gerechtigkeitsempfinden geht zu einem großen Teil mit der
erlebten/anerzogenen Moralvorstellung einher.
Greift diese nicht (weil ein anderer andere Schwerpunkte in seinen Werten setzt (blöd ausgedrückt ich weiß :(),
so wird versucht, ihm diese deutlicher klarzumachen.

Da der andere aber nicht das Gefühl hat, falsch zu liegen/falsch zu handeln, wird er alles mögliche unternehmen
(auch sein Gerechtigkeitsempfinden über Bord werfen)
wenn er die Möglichkeit sieht, dem Gegenüber seine moralische Vorstellung zu vermitteln "UND" zu "erwarten,
dass dieser diese Einstellung akzeptiert und (noch schlimmer) als richtig ansieht und empfindet.)

Weit hergeholt heißt das auch:
"Ich habe ein Leben lang mich fertiggemacht, um so dazustehen, wie ich hier bin" - Nicht ausgesprochen, aber
"Nun habe ich auch mal die Möglichkeit, dass was ich erlebte, weiterzugeben)

--> das man eigenes Unrecht als stärker und ausgeprägter empfindet, als die eigenen Glücksmomente, ist ein anderes Thema.

Aber: es lenkt unsere Handhabe von Moralischem und Rechtlichem Verständnis jeglicher Art und (über die Weise ließe sich wieder streiten).

Verzeihung wegen der Textwand... (schon wieder so viel geworden und die Hälfte nur Ausführungen :(

Schönes Wochenende :hy:
 
Wir leben in einer Gesellschaft in der der Teufel mit dem Belzebub ausgetrieben werden soll und somit jede Moral überflüssig wird. Jemanden zu bestrafen da er einem geschadet hat ist gleichbedeutend damit jemandem zu Schaden um einen eigenen Vorteil zu bekommen.
Und was soll man jetzt tun? Die Strafandrohung für alle Straftaten streichen?
Hast du Wertgegenstände zu Hause? Du wirst mir ja sicher nichts tun, wenn ich mal vorbeikomme und dich ausraube, oder? Ich meine, das ist doch genau das, was du vorgeschlagen hast: denjenigen, die sich in deiner schönen Traumwelt leider doch nicht an moralische Grundsätze halten, kann nichts mehr entgegengestellt werden.
 
Labarna warum müssen alle immer alles zerpflücken was einer geschrieben hat? Er appeliert ja wohl nicht daran bei einem Raub nichts zu tun...sowas ist an den Haaren herbeigezogen...!
 
Guten Morgen

Bitte um Verzeihung, wenn ich hier mal einfach so diese Aussage als "Falsch" abtue...
Aber:
Da ist nix zu verzeihen^^ Ein Kopf alleine kann nicht alle Weisheit enthalten und jeder kann sich irren.

Genau unter meiner Wohnung (4ter Stock) ist der einzige Kinderspielplatz weit und breit. Oft wenn ich meiner Schreibtischarbeit überdrüssig bin und mal frische Luft brauche gehe ich auf meine Terasse und schaue was die Kinder da unten so treiben. Dabei fällt auf das sich jede Generation an Kleinkindern genau gleich verhält. Kinder scheinen meiner Betrachtung ihres Sozialverhaltens nach keinerlei Gewissen bzw Moral zu kennen, woher auch, dies sind abstrakte Begriffe. Alles was ihnen bekannt ist, und was sie gleichfalls lernen müssen ist das was ihnen unangenehm ist, ein Faktor der immer und allgegenwärtig ist. Ein Kind weiss erst was Schmerzen sind wenn es mal auf die Nase gefallen ist und erkennt das es ein zu meidender Umstand ist. Das Schmerz (körperlich) eine bedrohung des Lebens darstellt ist dem Kind wohl schon durch den natürlichen Selbsterhaltungstrieb mitgegeben, jedoch nicht was diesen Schmerz verursacht und welche Umstände daher zu meiden sind.
Ebenso kann ein kleines Kind noch keine große Transferleistung vollbringen, es kann also mangels Erfahrung noch nicht Rückschliessen das der körperliche Schmerz des "auf-die-Nase-fallens" gleichbedeutend mit Dem ist wenn es mit einer Schaufel gehauen wird. Dafür muss das Kind erst lernen das ein beschleunigter Gegenstand der einen Trifft auch weh tut bzw das ähnliche Materialien ähnliche Folgen haben ->(Kissenwurf vs Steinwurf).
All dass muss das Kind aber erst durch Erfahrung lernen, lediglich die Interpretation des Ergebnisses : Schmerz = Vermeiden ist ihm von Beginn an mitgegeben.

Das ist aber erst die halbe Miete da sich dieser Vorgang nur auf das eigene Wesen bezieht. Es was dann was für sich selbst gut und schlecht ist. Es weiss aber noch nicht (paralleles lernen mal getrennt) das andere Kinder, Menschen und Tiere gleichfalls empfinden. Es weiss noch nicht das andere gleichfalls über diese Welt reflektieren. Woher soll denn auch ein Kind wissen das ein anderes Kind genau so empfindet.
Wenn Kinder noch sehr klein sind sprechen sie von sich selbst n der dritten Person, ein sehr faszinierender Umstand wo doch das Kind schon ein rudimentäres Wissen um seinen Erhalt bedrohenden Umstände besitzt. Da muss auch erst der Zusammenhang zwischen den einzelnen Wesen erlernt werden: Ich bin Ich und Du bist Du, aber für dich bist Du auch ein Ich wie ich für Dich ein Du. Diese Wissen ist auch nicht selbstverständlich sondern setzt einen vorhergegangenen Lernprozess voraus dass der andere bzw man selber das gleiche Empfinden hat und man über sich selbst reflektiert.

Diese Beiden Grundsätze sind in meinen Augen absolute Voraussetzung um eine Moral zu entwickeln. Eines der größten Probleme basiert jedoch genau auf diesem Mechanismus, nämlich eine noch weiter gehende Reflektion der Reflektion.
Dieses Wissen ermöglicht dem Menschen erst ethische grundsätze zu verfassen die jedoch auf dem beruhen was ihmgut tut und was nicht ->hauen tut mir nicht gut also haue keinen anderen da es ihm auch nicht gut tut. Da drin steckt aber eine große Gefahr. Was wenn jemandem aus irgendwelchen Gründen das Gefühl eigen ist hauen tut ihm gut, ist es für ihn dann moralisch vertretbar andere zu hauen wenn er für sich wenn er gehauen wird keinen negativen Aspekt oder gar einen positiven sieht?
Was wenn ihm das Gefühl vermittelt wird das seine Reflektion Schmerzen=Schlecht offenkundig falsch ist, ihm also vermittelt wird das er fehl liegt? Man bedenke das der Mensch aus Irrtum lernt.


@Labarna
Und was soll man jetzt tun? Die Strafandrohung für alle Straftaten streichen?
Hast du Wertgegenstände zu Hause? Du wirst mir ja sicher nichts tun, wenn ich mal vorbeikomme und dich ausraube, oder? Ich meine, das ist doch genau das, was du vorgeschlagen hast: denjenigen, die sich in deiner schönen Traumwelt leider doch nicht an moralische Grundsätze halten, kann nichts mehr entgegengestellt werden.
Ich würde es begrüßen wenn du auf einer sachlichen Ebene diskutierst und nicht versuchst Ersteller von Beiträgen durch persönliche Herabwürdigung zu diskreditieren indem du isolationäre Denksweise unterstellst.
Danke.

Um deine Fragen zu beantworten:
Die Antwort liegt auf der Hand, nur kann man keinen wilden Busch stutzen indem man nur ein einzelnes Blatt abschneidet.
Das erfolgreiche Zusammenleben als Gesellschaft erfordert nunmal unumgänglich das massive Beschneiden von naturgegebenen Rechten.
 
Das erfolgreiche Zusammenleben als Gesellschaft erfordert nunmal unumgänglich das massive Beschneiden von naturgegebenen Rechten.



Zum Beispiel?


Jemanden schlagen zu dürfen ist kein naturgegebenes Recht.
Zudem ist das Gefängnis nicht einfach nur als Aberkennen der sozialen Bindung gedacht, sondern vielmehr, das sagt auch der frühere Begriff "Zuchthaus" besser aus, als ein Ort der Resozialisierung. Natürlich ist es in gewisser Weise eine Strafe, jedoch geht einer Strafe immer ein Fehlverhalten, sprich ein unnatürliches Beschneides der naturgegebenen Rechte anderer wie körperlicher Unversehrtheit der dem Recht auf Eigentum, voraus.

Oder, anders formuliert: Wodurch würdest du dein Eigentum/deine Unversehrtheit schützen wollen? Hand abhacken für Diebe? Enteignung von Dieben? Hinrichtung für Mörder?

€: Ich stimme jedenfalls nicht der uneingeschränkten Forderung "lebenslang für Mörder" zu, ebenso finde ich diese Hatz auf Pädophile widerlich. Da können wir auch §175 wieder einführen.
 
Zuletzt bearbeitet:
Zurück
Oben