Da muss ich grade an ein schönes altes russischens Sprichwort denken:
"Am Strande ist der Damm stolzer, als wo er ins Meer läuft."
Es ist leicht von Moral und Ethik zu reden wenn man nicht in einer Situation ist die ein Infragestellen ausschließt. Jeder Mensch weiß instinktiv was richtig und was falsch ist. Schon als Kleinkind lernt der Mensch beim spielen wie es sich anfühlt wenn einem der Sandeimer weggenommen wird, wenn man ausgegrenzt wird oder wenn man vom Schäufelchen gehauen wird. Warum nun Menschen wider diesem Wissen handeln und anderen bewusst und in voller Absicht, auch unabhängig von Gewaltenteilung und Verantwortung, Schaden zufügen.
Im Bezug auf das Milgramexperiment frage ich mich auch ob wir das moralsiche Empfinden anderen keinen Schaden zuzufügen nicht auch aberzogen bekommen. Schmerz, wie er auf vielerlei weise verursacht werden kann, ist ein gesellschaftliches Mittel zur Erziehung, von Kindesalter an bis ins hohe Alter und ohne Schmerz zu erfahren würden wir nie um seine Falschheit wissen. Dabei bezieht sich Schmerz nicht nur auf Stromstöße, er kann auch psychisch ausgeübt werden; Hohe Geldstrafen, Jobverlust, Gefangennahme, Isolation etc etc etc. Wenn man mit offenen Augen durch die Welt gieht sieht man doch überall und ununterbrochen Situationen in denen Menschen Schmerzen aller Art zugefügt werden und gleichfalls die etische Einstellung das dies notwendig ist, daher da derjenige der sich wider der Gesellscahft verhalten hat lernt das er damit Schaden verursacht hat. Wir leben in einer Gesellschaft in der der Teufel mit dem Belzebub ausgetrieben werden soll und somit jede Moral überflüssig wird. Jemanden zu bestrafen da er einem geschadet hat ist gleichbedeutend damit jemandem zu Schaden um einen eigenen Vorteil zu bekommen. In beiden Fällen dient das zufügen von Schmerz dazu die eigene Position zu verbessern. Wie kann man jemanden "anklagen" und mit einer Art bestrafen die ihm als falsch vorgeworfen wurde: Du hast X wehgetan und das war flasch, wir tuen dir weh damit du das lernst........-> also wird etwas Falsches als Richtiges getan, Schmerz ist gleichfalls richtig und falsch, wo ist also die Moral, wo sit die Grenze.....es gibt in meinen Augen keine. Dies ist in meinen Augenauch der Grund dafür das Menschen wie im Milgramexperiment bereit waren anderen ohne mit der Wimper schaden zuzufügen da es von vornherein nie einen moralischen Bezug gegeben hat. Ich wette jeder der Probanten würde sich für eine lebenslange Haft für Mörder aussprechen.
Menschen reden nur solange von Moral solange sie ihrem Vorteil dient.
Dies ist mein Erklärungsansatz für viele Verhalten dieser Art. Sicherlich nicht der Geeignetste, aber der in meinen Augen Schlüssigste. Zwar ein wenig zusammengestaucht, aber ich hoffe ich konnte euch den Kernpunkt meines Ansatzes deutlich machen.
Guten Morgen
Bitte um Verzeihung, wenn ich hier mal einfach so diese Aussage als "Falsch" abtue...
Aber:
einerseits ist die Bestrafung von vorsätzlichem Fehlverhalten richtig und
je nach Art und Weise auch gerechtfertigt.
Andererseits ist aber auch deine Einleitung mit dem Beispiel
des Kindes ein wenig an den Haaren herbeigezogen.
Erstens, weil Kinder ein enorm ausgeprägtes Gerechtigkeitsempfinden haben
(andererseits, weil sie in einer Bestrafung deutlich mehr sehen,
als nur die Züchtigung für das Fehlverhalten.
Einem Kind fehlt in erster Linie das Verständnis für einen
komplexen Sachverhalt.
Es kann nachvollziehen, wenn es jemandem schadet, sofern
es von einem Menschen (dem es Achtung "UND" Glauben schenkt)
darauf hingewiesen wird.
Für lapidares Fehlverhalten fehlen ihm die moralischen Werte
(da diese im Regelfall ihm noch anerzogen werden).
Schmerz ist da in jeder Hinsicht der falsche Indikator, einem
Kind sein falsches Handeln als solches näher zu bringen.
Was bei Kindern soviel stärker ausgeprägt ist, ist das Gewissen.
Das "in das Gewissen reden" lehrt und prägt ein Kind deutlich mehr,
als es bei einem Erwachsenen je möglich ist...
(Hierin liegt auch der Sinn der Erziehung... einem Kind beizubringen,
selbst anhand der ihm anerzogenen moralischen Werte
zu handeln und neben sich selbst auch anderen diese Werte zu vermitteln und
bei einem Fehlverhalten darauf hinzuweisen.
Sofern es selbst darauf hingewiesen wird, erkennt es auch das eigene Fehlverhalten
(Kinder sind in der Hinsicht weit ehrlicher, als ausgewachsene Personen).
Und nun wären wir beim Gerechtigkeitsempfinden einer
ausgewachsenen (erwachsenen) Person...
Diese unterscheidet sich nämlich gravierend von der des Kindes.
Eine ausgewachsene Person bezieht sich auf die ihm bisher
erlebten Erfahrungen.
In jeder Form der Bestrafung/Züchtigung sieht er ein Fehlverhalten
seines Gegenübers, da er bestimmte Dinge "anders" erlebt hat.
Er sieht den Bestrafenden in einem Irrtum und wird auch versuchen,
diesen darüber aufzuklären
(als etwas krasses Beispiel: die bei einem Geständnis vor Gericht,
abscheulich detailierten Ausführungen eines Täters bzgl. der Motivation seiner Tat.
sogar gegenüber den leidenden Angehörigen...)
Ein Schweigen des Täters wiederum ist schon (in meinen Augen)
als Schuldeingeständnis zu werten --> (er sieht seine eigene Verfehlung...
diese macht ihm moralisch zu schaffen - es gibt keinen Menschen, der seine eigene
Moralvorstellung ignorieren kann. Er kann sie bestenfalls ausblenden...
Später wird diese ihn mit umso heftiger Wucht wieder einholen.)
Umgekehrt nun ist das meines Erachtens genau dasselbe:
Wir sind geprägt von unseren moralischen Werten (die uns Anerzogenen und jene, welche wir uns selbst erarbeitet haben)
Das Gerechtigkeitsempfinden hebelt genau diese Werte aus,
da es für uns mit Gleichberechtigung einhergeht.
Wer hat schon mal eine "abbekommen" und möchte nun seinerseits sagen, dass er von nun an niemals mehr jemandem auf die gleiche Art und Weise begegnen wird.
Sicherlich ist das Beispiel auf ein Extrem zurückzuführen...
aber:
Die "Lightversion" dessen ist, dass genau diese Person erwartet, dass ein anderer dieselbe Züchtigungsmethode
akzeptiert und als entsprechende Rüge für sein Verhalten sieht.
Genau das tut dieser ja nicht... da auch dieser von seinen
Erfahrungen und Erlebnissen seine Schlussfolgerungen zieht
und ein Fehlverhalten sieht, auf was er dann entsprechend
hinzuweisen hat (freundlich ausgedrückt).
Mit anderen Worten entgegnet er der Bestrafung des Gegenübers mit einer Rüge / einem Hinweis, dass
exakt dieses Verhalten falsch ist.
(Auge um auge, Zahn um Zahn)
Das ist ein Verhalten, welches jeder einem gleichberechtigten Gegenüber zeigt.
In dem unsäglichen Milgram-Experiment ist nun genau dieses
Gleichgewicht verschoben (es gibt Starke und Schwache).
Allerdings regiert nach wie vor das Gerechtigkeitsempfinden.
Dieses vermittelt den Eindruck, dass der Schwache in der Position des Schwächeren ist, weil er mit seinem
Verhalten falsch lag.
Für das Fehlverhalten muss er den nötigen Hinweis erhalten.
Es erfolgt eine Bestrafung, um den Schwächeren auf seine
Schwäche aufmerksam zu machen.
Zeigt sich dieser uneinsichtig, hat er womöglich die Art der
Bestrafung nicht verstanden...
also macht man es diesem "deutlicher".
Das Gefühl des Stark-Seins ist ein Resultat der Einschätzung der eigenen "Unfehlbarkeit",
des eigenen "Rechthabens"
Die Einschätzung der Schwäche des Gegenübers zeigt dessen
Fehler auf... welche zu korrigieren sind.
Die Korrektur erfolgt wiederum durch Sanktion... ist aber nur dann wirksam, wenn der Gegenüber durch Bestrafung sein Fehlverhalten erkennt und bereut.
Erkennt er das nicht, so versucht er (im Idealfall) sein eigenes Verhalten zu reflektieren,
(was Ausgewachsene Menschen nicht wirklich besser beherrschen, als Kinder)
im schlechtesten Fall sieht er das falsche Verhalten des Bestrafers.
Kann er diesen nicht darauf hinweisen, wird er mit anderen Mitteln versuchen, diese ihm
nahezulegen.
Fazit für das Topic (was ich bisher nur still mitgelesen habe):
Gerechtigkeitsempfinden geht zu einem großen Teil mit der
erlebten/anerzogenen Moralvorstellung einher.
Greift diese nicht (weil ein anderer andere Schwerpunkte in seinen Werten setzt (blöd ausgedrückt ich weiß

),
so wird versucht, ihm diese deutlicher klarzumachen.
Da der andere aber nicht das Gefühl hat, falsch zu liegen/falsch zu handeln, wird er alles mögliche unternehmen
(auch sein Gerechtigkeitsempfinden über Bord werfen)
wenn er die Möglichkeit sieht, dem Gegenüber seine moralische Vorstellung zu vermitteln "UND" zu "erwarten,
dass dieser diese Einstellung akzeptiert und (noch schlimmer) als richtig ansieht und empfindet.)
Weit hergeholt heißt das auch:
"Ich habe ein Leben lang mich fertiggemacht, um so dazustehen, wie ich hier bin" - Nicht ausgesprochen, aber
"Nun habe ich auch mal die Möglichkeit, dass was ich erlebte, weiterzugeben)
--> das man eigenes Unrecht als stärker und ausgeprägter empfindet, als die eigenen Glücksmomente, ist ein anderes Thema.
Aber: es lenkt unsere Handhabe von Moralischem und Rechtlichem Verständnis jeglicher Art und (über die Weise ließe sich wieder streiten).
Verzeihung wegen der Textwand... (schon wieder so viel geworden und die Hälfte nur Ausführungen
Schönes Wochenende
