ChrisSabion
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_/_/_/Zwei Welten\_\_\_
Eine Geschichte aus dem Diablo-Universum
Eine Geschichte aus dem Diablo-Universum
Inhaltsverzeichnis:
http://planetdiablo.eu/forum/images/posticonnew.gifKapitel 2
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Kapitel 1
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Er stellte sich vor, wie sie ihn in Ketten legten und aus seinem kahl eingerichteten Büro zerren würden, weil er den Deal mit Hodger & Sons nicht erfolgreich abgeschlossen hatte.
Brad Hannigan war ein Nervenbündel. Der Misserfolg in jener Angelegenheit, über die er nicht gerne sprach, hatte dazu geführt, dass Brad jedes Mal zusammenzuckte, wenn das Telefon klingelte. Bei jedem Mal ertappte er sich dabei, wie er begann, seine Unterlagen zu sortieren, als würde sein Chef ihn durch das Telefon hindurch sehen können. Hinzu kam, dass das Telefon in den letzten zwei Wochen seit diesem Desaster, wie sein Vorgesetzter sich ausgedrückt hatte, nicht aufhören wollte, zu klingeln.
Brad blickte auf seine zitternde Hand. Der Ehering an seinem Finger schien nicht mehr so zu funkeln wie sonst, was aber auch durch die Müdigkeit in seinen Augen erklärt werden könnte. Er ertastete den Lautsprecher-Knopf des Telefons und stammelte: "J-ja? Hannigan h-hier." Die Stimme aus dem Lautsprecher klang sehr viel selbstsicherer und barscher als Brads eigene.
Dr. Dexter, sein Abteilungsleiter, stand in dem Ruf, Fehler nicht gern zu verzeihen: "Brad. Mein Mann an vorderster Linie. Die Entscheidung wurde vertagt. Machen Sie sich keine Sorgen. Der Vorstand kann Sie nicht rauswerfen. Dazu besteht kein Anlass. Nehmen Sie sich den Rest des Tages frei und ruhen Sie sich aus. Die nächste Sitzung ist morgen, aber ich werde ein gutes Wort für Sie einlegen."
"D-das ist nett von Ihnen, Mr. De..."
"Doktor!"
"'tschuldigung...Dr. Dexter. Ich mache mich gleich auf den Weg...mir geht's tatsächlich nicht be-sonders."
"Dann bis morgen, schlafen Sie sich kräftig aus, morgen ist der Tag der Entscheidung."
Mit diesen Worten legte sein Chef auf. Brad saß noch einige Sekunden lang mit dem Hörer in der Hand da, bevor er realisierte, dass das Gespräch beendet war. Er legte den Hörer beiseite, um nicht weiter gestört zu werden und lehnte sich in seinem Stuhl zurück. Nicht lang, und er schloss die Augen um zu entspannen. Das war der Augenblick, in dem er zu träumen begann.
Brad wusste nicht, weshalb er ständig den selben Traum hatte. Visionen von Personen kehrten immer und immer wieder zurück. Nach dem Aufwachen hatte er ständig das Gefühl, dass er die Personen kennen würde. Allen voran eine junge Frau namens Jaina, welche auch jetzt wieder vor seinem geistigen Auge zu schweben schien.
"Du musst es finden, Ton'Larr. Das ist die einzige Hoffnung. Bitte beeil dich.."
Die Stimme, sanft wie ein Windhauch, drang tief in ihn hinein und erfüllte seinen kompletten Körper mit totaler Entspannung. Aber was bedeutet Ton'Larr? Wieso nannte Sie ihn so?
"Wer bist Du? Kenne ich Dich?" Brads Stimme klang so viel stärker in diesem Traum. Etwas war anders. Brad wusste, dass er träumte, doch er entschloss sich, voll und ganz hinab zu tauchen. Abzusinken in eine fremde Welt. Eine Welt, in der er kein Niemand war. Sondern ein Ton'Larr. Die Frage war nur, ob das in der Welt der fremden Schönheit vielleicht auch nur "Bürolakai" bedeutete. Aber auch das war ihm egal, er wollte mehr.
"Woher kennt Ihr mich?" Brad war völlig fasziniert. Diese dunklen Rehaugen und das nussig-braune Haar, welches sich in langen Wellen an einen wohlgeformten Körper schmiegt...
"Es ist Dein Ring."
Ring? Welcher verdammte Ring? Langsam dämmerte ihm, dass er Brad Hannigan war, ein verheirateter Marketing-Leiter bei HFS Europe, der mit seiner Frau und seinem einjährigen Sohn in Camden/London wohnte. Noch während dieser Einsicht, begann das Bild der fremden Frau zu verblassen. Langsam wachte Brad auf und sein Blick fiel wieder auf seinen Ehering. Das musste es sein. Der Ring. Ein Blick auf die Uhr, es war viertel vor zwei...wenn er sich beeilt, könnte er es noch schaffen.
Zehn Minuten später befand sich Brad inmitten von Londons wohl unerbittlichstem Regenschauer diesen Jahres. Wie jeden Tag hatte er keinen Schirm dabei, und wie jeden Tag fuhr ihm der Bus vor der Nase weg. Also ging es zu Fuß weiter Richtung Soho. Irgendwo musste er doch sein...dort! Auf der Straßenseite gegenüber erblickte Brad einen kleinen Antiquitätenladen. Er sah noch genauso aus wie vor acht Jahren, als er Susan geheiratet hatte. Das Budget war damals noch nicht so üppig gewesen, und so entschlossen sie sich -romantisch wie sie Beide nun mal waren- ein gebrauchtes Paar Eheringe zu kaufen. Erst gefiel Brad der Gedanke nicht, den Ring eines Toten an den Fingern zu tragen, aber der Verkäufer hatte ihnen beiden versichert, dass die Vorbesitzer sehr gute Menschen gewesen sind, und es eigentlich eher eine Art Privileg darstellt, die Ringe zu tragen, die ein Paar vor langer Zeit mit Hilfe der ewigen Liebe zusammenband.
Mittlerweile trug Susan ihren Ring nur noch zu besonderen Anlässen. Aus reiner Gewohnheit, sagte sie, denn auf ihre Arbeit im Labor, ist sämtlicher Körperschmuck verboten. Da stand er nun. Was suchte er eigentlich hier? Wie sollte er anfangen? Hallo, ich glaube dieser Ring ist komisch. Nein, das konnte er nicht sagen.
"Komm schon Brad...Du bist Marketing-Leiter, Dir wird schon etwas einfallen", murmelte er leise vor sich hin. Mutig, wie er sonst nicht ist, betrat Brad den kleinen Antiquitätenladen. Tatsächlich hatte sich hier herzlich wenig verändert in all der Zeit. Es würde Brad nicht wundern, wenn sogar die meisten, oder aber alle Dinge, die hier zum Verkauf angeboten wurden, bereits vor acht Jahren auf ihrem jetzigen Platz gelegen hatten.
Der Verkäufer, welcher auf einem Stuhl hinter einem alten, hölzernen Schreibtisch saß, nickte ihm freundlich zu. Es war ein Mann in gehobenem Alter. Brad vermochte nicht zu sagen, ob er es war, der ihm und Susan damals die Ringe feilbot. Um so mehr verwunderte es ihn, dass der Mann ihn ansprach, während Brad sich immer noch Worte im Mund zurecht legte.
"Aah, Mr Hannigan. Ich wusste, sie würden wiederkommen."
"Sie wussten...aber woher...? Ähem. Guten Tag, ich habe eine kleine Frage...Moment. Sie erinnern sich an mich?"
Der Verkäufer rückte seine Brille zurecht.
"Mr. Hannigan, Sie beleidigen mein Gedächtnis. Natürlich erinnere ich mich an Sie. Sie selbst und ihre Frau haben vor acht Jahren Ihre Eheringe bei mir erworben. Ich bitte Sie, so etwas vergisst man doch nicht. Besonders nicht, wenn ein Kunde wie Sie es sind, die Hälfte in meinem Geschäft zurücklässt."
"Zurücklässt?", fragte Brad erstaunt. Sein Mund hing immer noch offen, zumindest hatte er das Gefühl.
"Was genau, habe ich denn zurückgelassen? Und wieso?"
"Ooh...nicht mit Absicht natürlich. So junges Glück wie das Ihre damals lässt sich nicht von den Rufen eines alten Mannes stören."
Der Mann blickte Brad von unten an, direkt in die Augen.
"Und hinterherlaufen wollte ich Ihnen auch nicht unbedingt.", ergänzte der Alte brummig, aber mit einem freundlichen Unterton.
"Hören Sie, ich wollte tatsächlich wegen des Ringes zu Ihnen, sehen Sie, ich habe da diese Träume..." sprudelte es aus Brad heraus, doch der Verkäufer hob seine Hand:
"Nanana, Sie müssen schon verzeihen, mein Herr, aber es ist schon spät für ein Pläuschchen. Wie Sie sicher lesen können, schließe ich meinen Laden um halb drei an jedem Tag. Ich schlage vor, sie nehmen dies und wir sehen uns dann ein andermal wieder."
"Was ist das?"
"Oh, nichts Besonderes fürchte ich. Es wurde mir damals vor langer Zeit mit den beiden Ringen übergeben, die Sie und ihre Frau nun besitzen. Eventuell ist es das Tagebuch des Vorbesitzers, oder aber eine Gebrauchsanweisung für japanische Videorekorder." Die Stimme des Mannes wurde immer barscher.
"Ich schlage vor, Sie sehen zu Hause selbst einen Blick hinein, und nun muss ich Sie bitten zu gehen mein Herr. Beehren Sie mich bald wieder."
Mit diesen Worten scheuchte der Verkäufer Brad wahrlich hinaus, bevor er die Tür seines Geschäfts mit einem lauten Geräusch hinter ihm zuzog und abschloss. Der Regen war dichter und heftiger geworden, und in der Ferne zuckten bereits Blitze über den Himmel. Im Windschutz seiner Jacke holte Brad das notbedürftig zusammengebundene Bündel Papier hervor, das er von dem Alten bekommen hatte und drehte und wendete es in seinen Fingern. Dann las er auf dem schwarzen Einband:
Tertia Tres Mali
ab
Lam Esen




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