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[Story] Afterwards...

Juhu, ein up. Mal wieder super und eine Wende, mit der auch ich nicht gerechnet hatte.

Dennoch frage ich mich, was ist, wenn "Seine" Magiere das selbe nochmal machen und Mellilah nochmals zurückholen. Wäre es nicht sicherer den toten Köper völlig zu zerstören? An Naeemahs Stelle hätte ich vor sowas Angst.

LG
Othin
 
Boah wie krass ... So etwas hätte ich gar nicht erwartet... Traurig. Ich bin gespannt, wie es weiter geht.

lg, Gandalf
 
Ich würde sagen: Weniger versteigern lassen, mehr schreiben :go:
 
:hy:

Update wird vss. dieses WE bzw. nächste Woche geschrieben, wenn sich Uni etc. wieder normalisiert hat. ;)
 
Wann dürfen wir denn mit dem nächsten Teil rechnen? Wir sind doch alle gespannt wie's weiter geht :angel:
 
Alles gute zum Purzeltag, als geschenk up ich hier mal ..



:top:
 
Glitöör Engöööl!
Alles Gute!
lg
Thor
 
So, erstens... danke für die Glückwünsche :)

Zweitens: Gute Nachricht!
Ich hab durch das erfoglreiche bestehen von mehreren unangekündigten Tests geschafft, zwei Studienfächer zu eliminieren. Daher hab ich ab übernächste Woche endlich wieder den Freitag frei und weniger im Studium zu tun --> ich kann endlich wieder schreiben. \o/
 
Kommt da heute schon was?

Oder muss ich noch eine Woche warten?
 
Wir wollen was haben!!! ;)
mfg
Thor
 
engÖl machs nit so spannend möchte was zum lesen haben


odin
 
Also... die gute Nachricht ist:

Ich hab etwa 6 Seiten superspannendes Zeug für euch.

Die schlechte ist, die sind noch beim Betaleser (seit gestern).
Es kommt also auf jeden Fall was, die Frage ist nur noch wann :)
 
Soll ich dir meine 9 schwänzige Katze leihen? :flame:
 
*up*date

engel was sagt denn der beta leser?
wann dürfen wir was neues lesen
 
Ich würde sagen, JETZT ist ein guter Zeitpunkt dafür:

Kapitel IX - Teil VII​






Während Skadhi und Ivon bereits vor der Tür auf dem Hof warteten, schlüpfte Naeemah noch schnell in die Kleidung des einen Wächters. Zwar passte sie nicht perfekt, aber besser als ihr Fetzen war es allemal. Sorgfältig barg sie die Strähne in einem Stoffrest mit dem Ritualdolch an ihrer Brust.
Als Naeemah dann zu den anderen auf den Hof der Zitadelle trat, blies ihr ein sanfter Nachtwind ins Gesicht.
Im selben Moment begann Mellilahs geschundener Körper rasch zu verfallen. Die Haut trocknete ein, wurde rissig und sprang auf, hinterließ auf den Wangen große Löcher. Die Augen traten in ihre Höhlung zurück und die langen, schwarzen Haare schienen zu vergilben. Strähne um Strähne löste sich aus der rissigen Schädelhaut und fiel zu Boden, so dass rasch nur noch der blanke Knochen erkennbar war.
Der Körper, dessen Seele sicher an den Dolch und das Haar in Naeemahs Hand gefesselt war, vertrocknete, schrumpfte, bis nicht mehr von ihm übrigen blieb als ein Häufchen elenden Staubes.
Schweigend bedeutete Naeemah Ivon und Skadhi, ihr zu folgen. Sie nahm nicht den Weg durch das Seitenportal über den Haupthof, sondern schlich an der Wand des Wachhauses entlang. Die Insassen des Gebäudes lärmten immer noch in den oberen Stöcken und hatten wohl von den Geschehnissen unter ihren Füßen nichts bemerkt. Naeemah schlich solange an der Wand des Gebäudes entlang, bis sie die kürzeste Distanz zur Außenmauer erreicht hatte. Ein prüfender Blick in beide Richtungen stellte sicher, dass die Luft rein war. Flink verließen Naeemah, Ivon und Skadhi den schützenden Schatten des Hauses, um nur wenige Sekunden später in den Schatten der Mauer zu verschwinden.
Sie folgten mehrere Minuten dem Lauf der Mauer, bis Naeemah auf einmal stoppte.
Als Ivon und Skadhi näher herantraten, erkannten sie den schmalen Umriss einer kleinen, hölzernen Pforte.
„Dies ist ein alter Dienstboteneingang“, erklärte Naeemah während sie zaghaft Steine der Mauer abklopfte.
„Irgendwo müsste der Schlüssel dafür sein… Ah, da ist er ja!“
Geschickt entfernte sie einen losen Stein aus der Mauer und fischte in dem Loch nach dem Schlüssel. Es dauerte nicht lange, da zog sie zwei kleine, schon leicht rostige Schlüssel hervor.
Es waren schöne Schlüssel, mit einem schlanken Hals und zierlichen Bart, und sie gleichen sich in fast allem; nur die Reiden waren mit unterschiedlichen Verzierungen geschmückt. Ein leicht metallischer Geruch ging von ihnen aus, der an alte Eisenmünzen erinnerte.
Naeemah hielt Ivon die Schlüssel entgegen und deutete auf einen der Schlüssel.
„Dieser hier, mit den floralen Motiven auf der Reide, ist für die Pforte hier. Ihr werdet einen langen Gang innerhalb der Mauern entlanggehen müssen. Er ist spärlich beleuchtet, aber es gibt dort keine Hindernisse und Treppen. Am Ende des Ganges stoßt ihr auf die nächste Pforte; diese wird von dem anderen Schlüssel geöffnet. Wundert euch nicht, der weitere Weg ist durch eine Steinwand versperrt. Ihr müsst einen Hebel an der Wand links von euch benutzen, dann wird sie sich öffnen.
Doch gebt Acht! Der Mechanismus ist alt und wird sicherlich lärmen, wenn er in Gang kommt. Zwischen den Ritzen der Steine gibt es kleine Öffnungen, damit könnt ihr euch davon überzeugen, ob die Luft rein ist. Lauft dann nach rechts; wir treffen uns dann im Haus der Schlange.“
„Was hast du vor?“, fragte Ivon, nahm ihr aber die Schlüssel aus der Hand.
„Ich muss noch etwas erledigen“, erklärte Naeemah kurz angebunden, „und nun geht, wenn der mu'adhdhin sein Gebet beginnt, müsst ihr lange im Gang warten, da die Wache, die die Mauer kontrolliert, zu dieser Zeit vor der Pforte sitzt und betet.“
Ivon nickte und steckte den Schlüssel in das alte Schloss des Türchens. Mit einem metallischen Knacken und Knarzen drehte sich der Schlüssel im Schloss und es sprang auf.
Ivon wartete nicht lange und betrat den Gang als erstes. Dann wollte Skadhi folgen, doch Naeemah hielt sie zurück.
„Warte kurz“, bat Naeemah.
„Was ist?“, fragte Skadhi neugierig.
Naeemah griff unter ihr Hemd und holte ein längliches, schmutziges Päckchen hervor. Im trüben Dämmerlicht erkannte Skadhi durch den fadenscheinigen Stoff metallischen Glanz.
„Hier“, sagte Naeemah, „bitte verwahre es, bis wir uns wiedertreffen. Es ist sehr wichtig, dass du gut darauf aufpasst, hüte es wie dein Leben!“
Skadhi wollte schon fragen, was denn so geheimnisvolles und wichtiges in dem Päckchen sei, doch sie erkannte in Naeemahs Blick, dass sie sowieso keine Antwort erhalten würde. Skadhi drehte sich um und wollte den Gang betreten, doch Naeemah hielt sie ein weiteres Mal auf.
„Skadhi, wenn wir uns nicht wieder sehen, dann bring das Päckchen bitte gen Osten. Reise nach Kurast und folge dem Fluss. Überquere die Berge; du kannst in Ureh rasten und deine Vorräte auffüllen, dann folge dem Fluss weiter nach Osten, bis du auf Menschen stößt, die sich die Al-Shama nennen. Du wirst sie an ihrem zierlichen Wuchs und ihren schmalen Augen erkennen. Wenn du in ein Dorf von ihnen kommst, so zeige dem Ältesten dort den Inhalt des Päckchens. Er wird verstehen und dir den Weg weisen.“
„Nach Osten?“, fragte Skadhi erstaunt, „nun, wenn es dir so wichtig ist… meinetwegen.“
„Versprich es, Skadhi“, sagte Naeemah eindringlich.
„Gut, ich verspreche es dir.“
„Bei deinem Blut, Skadhi!“
„Ja, Naeemah, bei meinem Blut, ich werde nach Osten reisen und mit diesem Päckchen so verfahren, wie du es wünschst.“
Naeemahs Augen verengten sich zu schmalen Schlitzen, und sie trat so nah an Skadhi heran, dass diese sich unwohl fühlte und am liebsten einen Schritt zurück getreten wäre. Doch Naeemah erkannte Skadhis Vorhaben ehe diese es in die Tat umsetzen konnte und packte Skadhi mit festem Griff am Arm, zog sie zu sich heran, so dass Naeemahs heißer Atem Skadhi ins Gesicht stieß.
„Wenn du dein Wort brichst, Skadhi, ich schwöre dir bei allen Göttern dieser Welt, ich werde dich jagen; und wenn es aus dem Grab heraus sein muss!“
Skadhi schluckte. Naeemahs Verhalten verwirrte sie immer mehr. Anfänglich hatte sie sich gefreut, dass diese unwirsche Frau anscheinend Vertrauen zu ihr hatte und sie um Hilfe bat, und nun drohte sie ihr?
Trotz ihres gekränkten Stolzes nickte Skadhi und betrat den Gang. Ehe sie in der Dunkelheit verschwand, murmelte sie noch halblaut vor sich hin:
“Wir Schildmaiden brechen nie ein Versprechen…“
Naeemah lehnte die Tür wieder vorsichtig an, als Skadhi verschwunden war. Dann drehte sie sich um und lief in die Richtung zurück, aus der sie gekommen war. Sie musste schmunzeln, ihre Drohung hatte ihren Zweck erfüllt: Skadhi hatte nicht bemerkt, dass Naeemah ihr geschickt den Dolch vom Gürtel gestohlen hatte.
Naeemah erreicht wieder das Wachhaus, doch inzwischen waren auch die Wachleute in den Schlaf gefallen. Ungestört überquerte sie den Seitenhof und betrat durch das Seitenportal den Haupthof. Zu ihrer Rechten lag der Haupteingang, der Weg in die Freiheit; doch Naeemah wandte sich nach links und rannte auf das Hauptgebäude zu.
Erst auf dem Steinboden des Bogenganges verfiel sie wieder in einen schleichenden Schritt, während sie sich im Schatten geduckt der großen, zweiflügligen Tür zum Audienzsaal näherte. Es standen keine Wachen davor und dieses Mal betrat sie den Saal auch nicht wie ein Tier auf allen vieren, sondern hoch aufrecht, den Dolch locker in der rechten Hand.
Doch die Enttäuschung traf sie wie ein Schlag in die Magengrube. Die Insignien des Alten vom Berg waren bereits entfernt worden, er war also schon abgereist. Ihr fiel auf, dass die Waffen noch an der Wand hinter dem Thron hingen; er konnte also noch nicht lange fort sein. Unschlüssig ballte sie die Fäuste. Ihre Wut auf diesen Mann fraß sie beinahe von innen auf, aber ihr Verstand sagte ihr, dass es einem Selbstmord gleich kam, ihn in seiner eigenen Festung anzugreifen.
Plötzlich erklangen Schritte vor ihr und hinter dem Thron trat die Silhouette eines Mannes hervor.
„Na, enttäuscht, dass du den großen Meister nicht mehr angetroffen hast? Ich bin froh, dass er schon weg ist, sonst säße dein hübsches Köpfchen sicher nicht mehr auf deinen Schultern!“
Naeemah packte den Dolch fester, sie hatte keine Sekunde gebraucht, den Besitzer der Stimme zu identifizieren.
„Jamal, wie geht es deiner Mutter, dieser sloughi?“, zischte Naeemah leise.
Unbeirrt kam Jamal weiter auf sie zu. Er schien zu lächeln, denn seine weißen Zähne blitzten im Halbdunkel des Raumes.
„Meiner ehrenwerten Mutter geht es gut – sie lässt Grüße an meine neue Bettgefährtin ausrichten, die ich in wenigen Minuten heimführen werde!“
Jamals Gesicht zierte ein hämisches Grinsen, so dass sich Naeemah wirklich beherrschen musste, nicht in Raserei zu verfallen.
Stattdessen ging sie leicht in die Knie, streckte den Dolch vor und erwartete seinen Angriff.
Jamal lachte auf.
„Du willst kämpfen, geschwächt wie du bist? Nicht einmal gegen einen alten, zahnlosen Söldner kannst du in deinem Zustand noch bestehen!“
„Glaub mir, für einen wie dich reicht es allemal, Kaufmannssohn!“, entgegnete Naeemah und bewegte sich ein Stück nach links, so dass sie nicht mehr komplett mit dem Gesicht zum Licht stand.
„Tja, wenn du es nicht anders wünschst, mir soll es recht sein!“, sagte Jamal und zog seinen Krummsäbel.
Zuerst umkreisten sie sich, jeder versuchte, seinen Kontrahenten abzuschätzen. Jamal ließ es dabei an Ernsthaftigkeit fehlen, er hielt den Säbel gesenkt und strotzte nur so vor Selbstsicherheit.
Naeemah wusste, dass er sich seiner Überlegenheit auf Grund der Reichweite seiner Waffe sicher war und sie warf einen sehnsüchtigen Seitenblick auf die Wand hinter dem Thron.
Jamal, der wohl glaubt, sie wäre dadurch genug abgelenkt, startete den ersten Angriff.
Urplötzlich rannte er auf sie zu und führte einen Stich gegen ihre Leibesmitte.
Mühelos drehte sich Naeemah mit zwei Schritten zur Seite und schaffte es, wieder Abstand zwischen sich und ihren Gegner zu bringen.
Jetzt war sie über ihre lange und anstrengende Ausbildung sehr froh, fiel doch im Angesicht des Kampfes ihre Erschöpfung fast vollständig von ihr ab. Sie war sich jetzt bewusst, dass sie noch sehr geschwächt war und gegen Ibn Sabbah oder Varla kaum bestanden hätte, aber mit einem Kaufmannssohn, der den Tag mit Trinken, Frauen und Wetten verbrachte, wurde sie noch allemal fertig.
Ihre Haltung straffte sich und sie ließ die Hand mit dem Dolch sinken. Ganz ruhig stand sie und erwartete Jamals nächste Attacke.
Dieser war durch die plötzliche Veränderung ihrer Haltung und auch durch das schnelle Ausweichen überrascht, so viel Kraft hatte er ihr nicht mehr zugetraut. Unsicher wog er den Säbel in der Hand und versuchte abzuschätzen, was sie als nächstes tun würde. Es verunsicherte ihn, dass sie so ruhig dastand und ihn anscheinend kaum für voll nahm. Machte sie sich etwa über ihn lustig? Unbändige Wut stieg in ihm hoch.
Wieder stürmte er auf sie zu und versuchte dieses Mal, ihren Oberschenkel zu treffen.
Doch ehe er genau wusste, wie ihm geschah, verspürte er einen scharfen Schmerz am Rücken und Naeemah war aus seinem Gesichtsfeld verschwunden.
„Was zum..?“
Er dreht sich um, Naeemah stand hinter ihm, den Dolch noch genauso lose in der Hand wie zuvor, nur dass von der Klinge Blut troff, sein Blut!
Sie musste sich wieder weggedreht haben und ihm dabei quer über den Rücken geschnitten haben.
Er fluchte leise. So hatte er sich das nicht vorgestellt.
„Willst du noch mal, oder hast du genug?“, Naeemah lächelte ihn gehässig an.
Mit einem Wutschrei stürzte sich Jamal auf sie und versuchte sie mit einem weiten Schwung des Säbels zu treffen. Doch sie duckte sich wendig unter dem schwirrenden Flimmer des Stahls hinweg, unter seinem Arm hindurch und tauchte hinter seinem Rücken wieder auf. Ihre Hand griff in sein schwarzes Haar, welches nach Sandelholz duftete.
Mit einem Ruck am Haupthaar und einem gezielten Tritt in die Kniekehle brachte sie ihn zu Fall.
Noch im Fall selber entriss sie ihm den Säbel.
Er schlug hart auf dem Boden auf und konnte von Glück sagen, dass er sich mit dem linken Arm noch abfangen konnte. Instinktiv rollte er sich zur Seite; keine Sekunde zu spät, denn dicht neben ihm klirrte die Klinge seines Säbels hart auf den Marmorboden und hinterließ einen Kratzer an seinem Arm.
Als er auf dem Rücken zu liegen kam, stand Naeemah schon über ihm.
Er kroch ängstlich weg, in Richtung des Thrones, die Treppe hinauf.
Naeemah folgte ihm gemächlich; sie war sich ihres Opfers sicher.
Als er mit den Schultern an das wertvolle Holz des Thrones stieß, reagierte Naeemah.
Sie stieß ohne Vorwarnung zu; die Klinge seines Säbels bohrte sich zwischen Schlüsselbein und Nackenmuskel hindurch in das Holz des Thrones. Als er noch vor Schmerz und Überraschung aufschrie, verfuhr sie mit dem Dolch genauso.
Sie musste unwillkürlich lächeln, als sie ihn so schreckstarrend an den Thron genagelt liegen sah. Dann fiel ihr ein, was er ihr angetan hatte und ihr Blick verfinsterte sich.
„Bitte, Naeemah, ich… Ich hab das alles nicht so gewollt!“, flehte Jamal, der erkannte, wie ausweglos seine Situation war.
„Spar dir deine Kraft“, sagte Naeemah, „du wirst sie brauchen!“
Dann stieg sie über ihn hinweg und ging auf die mit Waffen behangene Wand hinter dem Thron zu. Ihr Augen streiften die Schneiden, Klingen, Flegel, die, seit sie sich erinnern konnte, zu Ehren Ibn Sabbahs dort an dieser Wand hingen. Es hieß, dies wären die Waffen, die er seinen Gegnern im Kampf abgenommen habe.
Naeemahs Blick blieb an einem schweren zweihändigen Eisenhammer hängen, der wohl früher das Eigentum eines kräftigen Barbaren aus dem Norden gewesen sein mochte.
Normalerweise war dies nicht ihre bevorzugte Waffe und sie war sich nicht einmal sicher, ob sie den Hammer überhaupt lange heben konnte, doch er war wie geschaffen für das, was sie vorhatte.
Sie packte den dicken Holzgriff des Hammers und hob ihn nur mit Mühe aus der Verankerung. Es war ein schönes Stück hochqualitativer Schmiedekunst, sogar Runen waren eingesetzt worden. Die Erste erkannte sie nicht; es musste eine der seltenen, uralten sein. Ihre Inschrift war auch schon stark abgewetzt, Naeemah erkannte nur noch zwei senkrechte, zueinander parallele Striche, die ein Kreuz einrahmten. Zudem meinte sie, am unteren Ende der parallelen Striche in deren Mitte einen Punkt auszumachen, doch sie war sich nicht sicher.
Die zweite Rune war leicht zu erkennen; sie trug den Namen „Gul“. Dies war keine allzu häufige Rune, aber doch bekannt. Die dritte Rune trug den Namen „Eth“. Diese war Naeemah geläufig, man fand sie oft und teilweise konnte man sie auch käuflich erstehen.
Das Jammern von Jamal riss sie aus ihren Gedanken.
Sie zog den schweren Hammer hinter sich her, was grässliche Geräusche auf dem Marmorboden verursachte, und versuchte, ihre Anstrengung vor Jamal zu verbergen. Er musste auch in den letzten Minuten seines erbärmlichen Lebens nicht wissen, dass sie die Waffe, die sein Henker sein würde, kaum vom Boden bekam.
Trotz der Schwere des Hammers, gelang es ihr, die Stufen zu Jamal hinaufzusteigen. Sie trat an ihn heran und stieß mit dem rechten Fuß seine Beine auseinander.
„Ich wünsche dir eine gute Reise, Kaufmannssohn“, sagte Naeemah leise und grinste breit. Mühsam hob sie den Hammer an und schaffte es sogar, ihn auf Höhe ihres Kopfes zu wuchten. Sie zielte, und als sie den Hammer niedersausen ließ, begann Jamal, der inzwischen erahnte, wohin der Hammer ihn treffen würde, zu schreien.
Mit einem dumpfen Poltern, welches nur durch das zerquetschte Fleisch gedämpft wurde, traf der Hammer auf dem Marmorboden auf.
Naeemah ergötzte sich an Jamals schrillem Schrei. Dann stieß sie ihn noch mal mit dem Fuß in die Rippen und erklärte: „Ja, Jamal, übe nur fleißig singen. Wenn du so weitermachst, kannst du bald trillern wie eine Nachtigall – und in genau derselben Tonhöhe!“
Sie erlaubte es sich, ihm noch ein wenig dabei zuzusehen, wie er sich vor Schmerzen wand, doch dann drehte sie sich um und ging davon.
Sie hatte eine Verabredung einzuhalten und eine wichtige Reise anzutreten; sollten sich doch andere Leute mit dem frisch kastrierten Jamal befassen, so er denn die Nacht überlebte. Die Chance, dass er gefunden würde, war verschwindend gering. Sobald Ibn Sabbah die Zitadelle verlassen hatte, taten die Wachen nur noch an der Außenmauer und den Toren Dienst. Es war unwahrscheinlich, dass jemand Jamals Schreie gehört haben konnte, denn der Audienzsaal war fast vollständig schalldicht. Ibn Sabbah wünschte es nicht, dass man jegliche Geräusche oder Gespräche auch von außen hören konnte.
Erleichtert verließ sie den Saal und verschloss die Torflügel sorgfältig.
Dann machte sie sich auf den Weg, Skadhi zu finden.
 
Ui böse... Gefällt mir trotzdem *g* Würde ich freuen, wenn es nächste Woche schon ne fortsetzung gibt.

lg, Gandalf
 
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